Wölflinswil

«Es ist schön, ist jetzt Weihnachten»

Freuen sich auf die Festtage: Sandra Mahrer (rechts), ihre Tochter Rebecca und Schwester Brigitte.

Freuen sich auf die Festtage: Sandra Mahrer (rechts), ihre Tochter Rebecca und Schwester Brigitte.

Ein Brand zerstörte Sandra Mahrers Wohnung. Vorübergehend ist sie mit Meersäuli Max bei der Schwester untergekommen. Jetzt hat sie glücklicherweise eine neue Wohnung in Aussicht.

Ein Grossbrand machte letzten Sonntagmorgen ihre Wohnung unbewohnbar. Erst zwei Wochen zuvor war Sandra Mahrer mit ihrer siebenjährigen Tochter Rebecca ins Haus in Wölflinswil eingezogen und richtete die Wohnung liebevoll ein. Dann verlor sie alles in nur einer Nacht. Neben dem Meersäuli «Max» konnte sie nur ihre Handtasche, ein paar Kleider, den Laptop und ein Fotoalbum aus dem lichterloh brennenden Zweifamilienhaus retten.

Im Dorf kennt die Solidarität mit den Brandopfern keine Grenzen: Bei Schwester Brigitte, wo Sandra Mahrer und ihre Tochter bis auf Weiteres untergekommen sind, klingelte pausenlos das Telefon. Nachbarn und Bekannte brachten Stofftiere für Rebecca, aber auch Kleider, Süssigkeiten, ein Radio oder sogar Ikea-Gutscheine vorbei. Nachdem die az über die traurige Weihnachtsgeschichte berichtet hatte, erkundigten sich hilfsbereite Leser bei der Gemeinde nach der Adresse der Brandopfer. Schliesslich kamen sogar wildfremde Menschen vorbei, um etwas zu spenden oder um ein Geschenk vor die Tür zu stellen.

«Ich möchte mich bei allen herzlich bedanken. Die Solidarität hat uns sehr geholfen», sagt Sandra Mahrer. Emotionaler Höhepunkt war, als ein vierjähriger Bub aus dem Dorf sogar 20 Franken aus seinem Kässeli und eine Zeichnung vorbeibrachte. «Da kamen mir die Tränen», so die gerührte Mutter.

Angebot für eine neue Wohnung

Das Feuer hat das Haus an der Moosmatt komplett zerstört. Mehrmals durfte Sandra Mahrer letzte Woche im Haus nachschauen, ob noch etwas zu retten ist. Doch viel fand sie nicht. Auch die Polizei war vor Ort und suchte bislang erfolglos nach der Brandursache.

Sie wolle in Wölflinswil bleiben und suche dort eine neue Wohnung, sagte sie am letzten Sonntag nach dem Brand. Und siehe da: Bereits ist bei ihr ein Angebot eingegangen. «Jemand hat mir eine Dreieinhalbzimmerwohnung im Dorf angeboten», freut sich die Wölflinswilerin. Die Chance, dass sie und ihre Tochter bald wieder ein neues Zuhause haben, stehen offenbar gut.

Nachbarin sucht auch Wohnung

Sorgen mache sie sich dafür umso mehr um ihre ehemalige Nachbarin Monika Jordi, die im ersten Stock gewohnt hatte. In ihrer Wohnung haben die Flammen am meisten gewütet. «Sie hat ab Januar eine neue Stelle und sucht eine Wohnung im Raum Oftringen», erklärt Sandra Mahrer ihr Anliegen. Sie habe ob der grenzenlosen Solidarität mittlerweile fast ein schlechtes Gewissen bekommen, da man sie und ihre Tochter im Dorf kenne, die Nachbarin aber erst vor kurzem nach Wölflinswil gezogen sei. Offenbar fand ihre Nachbarin in der Zwischenzeit eine vorübergehende Lösung im Dorf.

Sandra Mahrer sagt: «Ich hoffe, dass sie bald etwas findet.»

Weihnachten bei der Mutter

Nun freut sie sich auf die Festtage: «Es ist schön, ist jetzt Weihnachten.» Feiern wird die ganze Familie bei Sandra Mahrers Mutter in Zeihen. Und auch ihre Tochter Rebecca, die liebevoll ihr Meersäuli «Max» in den Armen hält, ist voller Vorfreude – obwohl sie im Feuer sämtliche gebastelten Weihnachtsgeschenke verloren hat.

Ihre Mutter schaut voller Zuversicht in die Zukunft. Mit der neuen Wohnung gibt es einen Neuanfang: «Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir geben nicht auf.»

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