Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz: Immer mehr Wirte und Ladenbesitzer hängen das christliche Glaubenssymbol in ihren Geschäftsräumen ab und verstauen es im Keller. Diese Entwicklung hält der Fricker Confiseur Markus Kunz für falsch und gibt deshalb bewusst Gegensteuer: Für seine beiden Cafés liess er je ein Kreuz von einem Künstler anfertigen und hängte es an prominenter Stelle auf. «Das Christentum bildet meine Wertebasis, und das zeige ich in meinen Geschäftsräumen auch.» Falls sich jemand daran störe, sei das nicht sein Problem. «Das Kreuz ist Teil meiner Philosophie und deshalb bleibt es hängen.»

Die Frage stellt sich: Haben Kreuze angesichts der grassierenden Schwindsucht, welche die beiden grossen Landeskirchen befallen hat, und angesichts der zunehmenden kulturell-religiösen Vermischung der Gesellschaft noch einen Platz im öffentlich zugänglichen Raum? Oder gehören sie vom Nagel genommen?

Eine Online-Umfrage der az zeigt zweierlei: Die Kreuze gehören, erstens, nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt; das sagen gut 82 Prozent. Es gilt, zweitens, zu unterscheiden, ob das Kreuz in einem öffentlichen Raum, also etwa in einer Schule, hängt oder ob der Raum – wie im Fall von Kunz – nur öffentlich zugänglich ist.

Das Betreten-Müssen als Kriterium

Im ersten Fall ist für den Rheinfelder SP-Grossrat Peter Koller klar: «In einer Schule gehört kein Kreuz aufgehängt.» Koller ist selber Gymnasiallehrer in Münchenstein. «An unserer Schule hängen keine Kreuze – und das ist richtig so.» Koller geht noch einen Schritt weiter: «Auch in den Büros von Verwaltungen haben Kreuze nichts verloren.» Der SP-Politiker sieht die Grenze dort, wo jemand entscheiden kann, ob er einen Raum betritt oder nicht. Im Café ist dies der Fall; in der Gemeindeverwaltung nicht. Ergo: Im Café kann der Wirt ein Kreuz aufhängen, in der Verwaltung soll dies der Staat sein lassen.

Ähnlich beurteilt es Elisabeth Burgener, Grossrätin und Co-Präsidentin der SP Aargau. Für sie ist allerdings ein anderes Kriterium entscheidend: Wenn alle Religionen das Recht haben, ein Glaubenssymbol in einem Raum aufzustellen, dann sei es zulässig; wenn dies einer Religion vorbehalten sei, dann nicht. In der Schulfrage sagt sie deshalb «eher nein» zum Kreuz.
Rechtlich gesehen, kann es jede Schule im Aargau so halten, wie sie will. «Ob Kruzifixe und andere christliche Symbole an den Wänden von Schulräumen erwünscht oder unerwünscht sind, haben die lokalen Schulinstanzen im Rahmen der örtlichen Gegebenheiten und Traditionen zu beurteilen», sagt Simone Strub, Leiterin Kommunikation im Bildungsdepartement.

Ein entschiedener Befürworter des Kreuzes – auch in öffentlichen Räumen wie den Schulen – ist CVP-Grossrat Andre Rotzetter. «Wir haben christliche Wurzeln und dürfen diese auch zeigen.» In den beiden Alterszentren Frick und Laufenburg, die Rotzetter als Geschäftsführer des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal mitverantwortet, sei nie zur Diskussion gestanden, die Kreuze zu entfernen; sie hängen hier allerdings im «geschützten» Rahmen einer Kapelle.

Rotzetter hat in seinem Büro in Frick, das er mit einer Kollegin teilt, ebenfalls ein Kreuz aufgehängt. Er hat das Kruzifix, bei dem Jesus nur noch halb am Kreuz hängt, vor mehr als 25 Jahren aus einem Abfalleimer gefischt. «Das Kreuz bedeutet mir sehr viel. Es erinnert mich im Alltag daran, dass ich auf die Kraft Gottes zählen kann.» Entsprechend würde er sich wehren, wenn ihn jemand auffordern würde, das Kreuz abzuhängen. «Mich stört nicht, wenn jemand Atheist ist. Ihn darf es aber auch nicht stören, wenn ich es nicht bin und ein Symbol meines Glaubens im Büro aufhängen will.»