Sie haben an ein- und derselben Schule zwei Generationen unterrichtet: Edith und Bernhard Hehlen. Die letzten 25 Jahre betreuten sie gemeinsam jeweils eine Klasse – Jobsharing in der Schule war damals etwas Neues.

Korallen und ihr Lebensraum sind die Themen eines Vortrags, den zwei Mädchen der 6. Klasse erarbeitet haben. Mit einer Power-Point-Präsentation schildern sie den Mitschülern diese eigenartigen Lebewesen, ihren Lebensraum und die Gefahren, die insbesondere dem grössten Korallenriff, dem Great Barrier Reef an der Ostküste Australiens, lauern.

Edith Hehlen lobt die umfassende und gut verständliche Art, wie die beiden Schülerinnen ihr Thema vorgetragen und mittels einer selbstständig gestalteten Power-Point-Präsentation eindrücklich dokumentiert haben.

Es ist ein Beispiel dafür, wie Edith und Bernhard Hehlen ihre Schüler zu Selbstständigkeit und Kreativität führen. «Wir arbeiten nach Wochenplan mit entsprechenden Zielvorgaben», erklärt Bernhard Hehlen. Grundsätzlich gibt es keine Hausaufgaben. Jede Schülerin und jeder Schüler entscheidet selber, wie und wann er seinen Stoff bewältigt. So legen sich einige der Schüler während der Schulstunde derart ins Zeug, dass sie keine Hausaufgaben mehr zu erledigen haben. Solche Beispiele spornen an.

Schule hat sich stark gewandelt

«Die Lehrtätigkeit vor 40 Jahren und die von heute sind zwei völlig verschiedene Berufe», sagt Bernhard Hehlen. Der Frontalunterricht bestehe heute bloss noch aus 20 bis 30 Prozent. Die Hehlens, die seit 25 Jahren im Jobsharing arbeiten, praktizieren seit Jahren einen offenen Lehr- und Lernstil mit integrativem Charakter.

Einer der Vorteile besteht darin, dass Fortgeschrittene selbstständig arbeiten können, während die andern Schüler individuell betreut werden können. Bernhard Hehlen hat sich entsprechend ausbilden lassen. Die Aufteilung des Pensums – Edith Hehlen: sprachliche Fächer und Realien, Bernhard Hehlen: Mathematik und Werken – sei unproblematisch gewesen, betonen beide.

Auch seitens der Eltern erhielten sie in all den Jahren positive Rückmeldungen, ja, der familienähnliche Schulbetrieb werde geschätzt.

Schulfreundliches Umfeld

Jobsharing war vor 25 Jahren noch exotisch. Umso mehr waren die beiden Lehrkräfte erstaunt, dass die damalige Schulpflege diesen Schritt beinahe begeistert begrüsste. «Wir hatten all die Jahre eine gute Beziehung zur Schulpflege und zum Gemeinderat», sagt Bernhard Hehlen und fügt bei: «Sowohl die Behörden als auch die Bevölkerung können als schulfreundlich bezeichnet werden.»

Bernhard Hehlen absolvierte nach einer Landwirtschaftslehre den Sonderkurs am Seminar Wettingen, als Fritz Mösch, der während 42 Jahren in Herznach als Lehrer wirkte, in Pension ging. Auf Hinweis seiner heutigen Frau Edith, die damals bereits in Herznach unterrichtete, wurde Bernhard Hehlen als Nachfolger gewählt, obwohl er den Sonderkurs noch nicht beendet hatte. Dass er fast ebenso lange wie Mösch als Lehrer in Herznach tätig ist, führt Bernhard Hehlen auf das gute Umfeld zurück. «Das gegenseitige Vertrauen mit den Behörden war stets da; zudem haben wir hier viele Freunde gefunden», erklärt Bernhard Hehlen und fügt bei: «Es ist das Gesamtpaket, das für uns wichtig war und bis heute stimmt.»

Schule und Öffentlichkeit

Das Engagement von Edith und Bernhard Hehlen geht weit über die Schule hinaus. So riefen sie das Kerzenziehen ins Leben und betreuten dieses 25 Jahre lang. Während 30 Jahren waren beide im Samariterverein aktiv; Bernhard während 13 Jahren zudem als Samariterlehrer. Eine Bereicherung für das Dorfleben sind seit einigen Jahren auch ihre Schnitzelbank-Auftritte am Schmutzigen Donnerstag. Mit feinem Humor und ohne zu verletzen nehmen sie allerlei Gereimtes und Ungereimtes aufs Korn. Auch nach der Pensionierung werden sie weiterhin als Herznacher Rüebli ihr kritisches Auge auf das Dorfgeschehen werfen.

Mit der Schlussfeier von heute Mittwoch verabschieden sich Edith und Bernhard Hehlen vom Schuldienst. «Wir hören zufrieden und mit vielen schönen Erinnerungen auf», sagen die beiden. «Es ist zudem ein Geschenk, mit einer solch tollen Klasse das Berufsleben beenden zu können.»