Sisseln

Es herrscht Spannung rund um die Frage, ob Elektra verkauft werden soll

Wer verkauft künftig den Strom? Sisseln entscheidet am 12.März, ob die Anlagen der Elektrizitätsversorgung verkauft werden sollen oder nicht.Symbolbild: Hanspeter Baertschi

Wer verkauft künftig den Strom? Sisseln entscheidet am 12.März, ob die Anlagen der Elektrizitätsversorgung verkauft werden sollen oder nicht.Symbolbild: Hanspeter Baertschi

Am 12. März findet die Referendumsabstimmung über den Verkauf der Elektra statt. In Sisseln hat man es selbst in der Hand, wer künftig Strom verkauft.

Am 12. März erleben die Sissler Stimmberechtigten eine Premiere: Erstmals können sie in einer Referendumsabstimmung über ein Sachgeschäft entscheiden. Sie fällen den Entscheid, ob die Anlagen der Elektrizitätsversorgung (Elektra) Sisseln für 7,1 Millionen Franken an die AEW Energie AG verkauft werden sollen. An der letzten Gemeindeversammlung war der Gemeinderat mit seinem Verkaufsantrag gescheitert – bei acht Enthaltungen stimmten 34 Stimmberechtigte für den Verkauf, 46 lehnten ihn aber ab.

Als Argument für den Verkauf führt der Gemeinderat in der Abstimmungsbroschüre an, man sei «ohne professionelle Betriebsorganisation und ohne eigenes Personal sehr schlecht aufgestellt», da die gesamte Elektra-Kommission auf Ende 2017 zurücktrete. Gegenüber der az verdeutlicht Gemeindeammann Rainer Schaub: «Es braucht den Verkauf. Wir sind nicht mehr in der Lage, den Betrieb so weiterzuführen.» Der Verkaufspreis von 7,1 Millionen Franken sei ein «sehr gutes Angebot», so Schaub weiter. «Wir können damit den Nutzen aus der guten Arbeit der Vergangenheit ziehen.»

Bei Verkauf nicht mehr unabhängig

Allerdings: Diese Argumente lagen schon an Gemeindeversammlung auf dem Tisch. Trotzdem wurde das Geschäft abgelehnt. Gegen den Verkauf hatten Mitglieder der Elektra-Kommission votiert. Sie stellen sich auch weiterhin gegen den Verkauf, wie Florian Lüthy, Ulrich Bögle und Peter Kneubühl auf Anfrage sagen. «Bei einem Verkauf sind wir nicht mehr unabhängig. Die Strompreise würden vom AEW diktiert», so Kneubühl. Und Lüthy ergänzt: «In der heutigen Zeit sind dermassen viele Geräte und lebenswichtige Systeme vom Strom abhängig, sodass es richtig und sinnvoll ist, wenn die Gemeinde hier auch in Zukunft gestaltet und entscheiden kann.» Und weiter: «Am Ende geht es darum, ob eine der wichtigsten Infrastrukturen – wenn nicht sogar die Wichtigste – ohne Not verkauft werden soll. Als Eigentümer hat man das Sagen, als Kunde kann man lediglich zahlen.» Auch gegen das Argument, es sei unmöglich, den Betrieb weiterzuführen, wehrt sich Kneubühl. «Es wäre, mithilfe von Programmen, zu bewältigen. Andere Gemeinden machen es ja auch.»

Externe Betriebsführung

Gemäss Gemeindeammann Rainer Schaub ist die einzige Alternative zum Verkauf eine externe Betriebsführung. Florian Lüthy sieht darin Vorteile: Mit diesem Modell könne Sisseln die Kosten beeinflussen, die Entwicklung so steuern, dass sie auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet sei und erhalte sich die Möglichkeit, dass die Strombezüger vom günstigen Marktstrom profitieren können.

Anders sieht dies das Referendumskomitee, das in kürzester Zeit 353 Unterschriften gesammelt und damit die Urnenabstimmung ermöglicht hat. «Bei einer Fremdverwaltung weiss man nicht, was es kostet, und das Risiko verbleibt erst noch bei der Gemeinde», so Walter Wicky vom Referendumskomitee. Er ist damit auf einer Linie mit dem Gemeindeammann.

Dennoch hat der Gemeinderat das Modell mit einer externen Betriebsführung soweit vorbereitet, dass es bei einem Nein zum Elektra-Verkauf an der Gemeindeversammlung im Juni vorgelegt werden kann. Welches Unternehmen den Auftrag erhalten würde, ist noch offen. «Noch sind zwei Firmen im Rennen», so Schaub.

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