Fricktal

Es hagelt Einsprachen, es fliegen Funken: Neue Antennen haben es schwer

Mobilfunkantennen sorgen im Fricktal für Diskussionen.

Mobilfunkantennen sorgen im Fricktal für Diskussionen.

Die drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Salt und Sunrise treiben den Netzausbau voran, stossen aber überall auf Widerstand. Das paradoxe: Trotzdem wollen die Nutzer überall möglichst mobil telefonieren. Davon profitieren diejenigen, die den Mobilfunkanbietern einen Standort vermieten.

Es funkt gehörig im Fricktal, wenn es um Mobilfunkantennen geht: Kaum ein Baugesuch für eine neue Antenne der drei Anbieter Swisscom, Salt und Sunrise geht geräuschlos über die Bühne, fast immer hagelt es Einsprachen. Vier Beispiele unter vielen:

In Laufenburg fragte Salt die Gemeinde im letzten Jahr an, was sie von einer Antenne auf einem Mehrfamilienhaus im Ortsteil Sulz hält, das der Gemeinde gehört. Der Stadtrat fragte daraufhin die Bevölkerung – und diese sprach mit über 60 ablehnenden Eingaben Klartext. Man verzichte, teilte der Stadtrat daraufhin dem Kommunikationsunternehmen mit.

In Zeiningen wehrten sich im letzten Mai 160 Einwohner mit einer Petition gegen eine geplante Antenne mitten in einem Wohngebiet – noch bevor das Baugesuch überhaupt auflag. An der Gemeindeversammlung doppelten die Zeininger dann nach und überwiesen einen Antrag, nach dem Mobilfunkanlagen in Wohnzonen nur noch gestattet sind, wenn sie der Erschliessung des betreffenden Gebietes dienen.

In Gipf-Oberfrick wies der Gemeinderat vor wenigen Wochen ein Baugesuch für eine Antenne auf dem Landi-Dach ab, weil sie zu hoch sei.

In Schupfart wehrten sich 181 Einwohner 2015 mit einer Unterschriftensammlung gegen eine Antenne mitten im Dorf. Mit Erfolg.

Dies ist die eine Seite. Auf der anderen erwartet jeder Handybesitzer aber gleichzeitig, dass er jederzeit und überall mobil telefonieren und mit Tempo im Internet surfen kann. Das erinnert dann schon irgendwie an die Geschichte mit dem Fünfer und dem Weggli, wobei den realen «Fünfer» im Handy-Fall jene erhalten, die den Mobilfunkanbietern einen Standort vermieten.

9000 Franken angeboten

Dies kann sich lohnen, wie das Beispiel der Kirchgemeinde Sulz zeigt. Ihr bot Salt eine Abgeltung von 9000 Franken im Jahr für das Recht an, eine Antenne auf dem Kirchturm zu installieren. Die Sulzer lehnten dann doch dankend ab – auch um die Fledermauskolonie im Kirchturm zu schützen.

Das Dilemma zwischen «ich will überall erreichbar sein» und «ich will keine Antenne vor meiner Haustür» umschreibt Benjamin Petrzilka, Mediensprecher bei Salt, nicht ganz zu Unrecht als Paradoxon.

«Man möchte perfekten Empfang und schnellstes Internet, jedoch keine Antennen in unmittelbarer Nähe des eigenen Wohnortes.» Man kenne das Phänomen sehr gut, sagt auch Swisscom-Mediensprecher Armin Schädeli. «Es wird kaum eine Antenne ohne Einsprache gebaut.»

Bleibt mit Blick auf die aktuelle Antennenkarte die Frage: Braucht es überhaupt noch mehr Antennen? Man sieht ja vor lauter Antennen das Fricktal kaum mehr. Es möge vordergründig mancherorts so erscheinen, dass ein Ausbau aufgrund der bestehenden Abdeckung nicht nötig sei, sagt Rolf Ziebold, Senior Expert bei der Sunrise-Medienstelle.

Antennenstandorte im Fricktal

Antennenstandorte im Fricktal

«Wegen des stark zunehmenden Datenverkehrs muss aber ebenfalls die Kapazität ausgebaut werden.» Ziebold spricht von einer jährlichen Verdoppelung des Datenvolumens, Schädeli von einer Zunahme um 55 Prozent im letzten Jahr gegenüber 2016.

Suche nach Standorten läuft

Auch Salt-Sprecher Petrzilka macht das veränderte Nutzungsverhalten für den mit Hochdruck vorangetriebenen Netzausbau verantwortlich. Allein bei Salt laufen im Fricktal derzeit vier Bewilligungsverfahren; eine Antenne (Rheinfelden) ist im Bau.

In acht weiteren Gemeinden ist man auf Standortsuche – bislang ohne Erfolg. Zusammen suchen die drei Anbieter aktuell an 17 Orten nach weiteren Standorten (siehe Grafik).

«Das Smartphone hat den Anspruch an den Handy-Empfang grundlegend verändert», sagt Petrzilka. «Während für Anrufe eine mehrere Kilometer entfernte Antenne auch heute noch oft ausreichend ist, verlangt der explodierende Datenkonsum via Mobilfunk nach ortsnahen Sendeanlagen.»

Oder, wie es Ziebold formuliert: «Damit Mobilfunkverbindungen genutzt werden können, müssen die Antennen dort stehen, wo sich unsere Kunden aufhalten, insbesondere in Wohn- und Geschäftszonen.»

Genau dort aber will sie die Bevölkerung nicht: vor der eigenen Haustür. Zum einen, weil man Angst um die Gesundheit hat – da können die Anbieter noch so lange darauf verweisen, dass eine schädigende Wirkung der Strahlen nicht nachgewiesen sei und dass die Grenzwerte in der Schweiz vergleichsweise streng seien. Ein ungutes Gefühl bleibt bei vielen trotzdem.

Zum anderen wehren sich nicht wenige gegen eine Antenne um die Ecke, weil eine solche im eigenen Quartier auf den Wert der eigenen Immobilie drückt.

Oft ist es auch ein Mix aus beiden Aspekten, also dem gesundheitlichen und dem pekuniären, der zum Widerstand verleitet. So war es auch in Zeiningen. Man wolle ein Zeichen setzen, sagten die Initianten der Petition damals zur AZ.

Diese Zeichen kommen bei den Anbietern an. Grundsätzlich habe jeder das Recht, gegen eine geplante Antenne Einspruch zu erheben, sagt Armin Schädeli. «In solchen Fällen suchen wir jeweils den Dialog mit der Gemeinde und den Einsprechern.»

So halten es auch die anderen Anbieter, wobei Petrzilka auch festhält: «Sofern alle öffentlich-rechtlichen und immissionsrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, kann die Baubewilligung für eine Mobilfunkantenne jedoch nicht verwehrt werden.»

Das Recht aber, sich zu wehren, lässt sich niemand nehmen. Und so wird es im Fricktal auch in den nächsten Monaten zwischen Anbietern und Anwohnern weiter gehörig funken, wenn es um neue Mobilfunkantennen geht.

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