«Das Scheibensprengen ist ein Feuerbrauch, wie er früher vielerorts bekannt war», sagt Josef Hauswirth, einer der langjährigen Oeschger Scheibensprenger. Bereits 1472 ist der Brauch erstmals in Schriften erwähnt. Er solle den Neuanfang der Natur im Frühling einläuten, so Hauswirth. 1725 liessen ihn sich die Oeschger von den Herren von Schönau verbriefen, um zu verhindern, dass er wie andernorts wegen der Brandgefahr – die Häuser waren mit Stroh gedeckt – verboten wurde.

Anfang der 1940-Jahre wurde der Brauch dann aber auch in Oeschgen nicht mehr durchgeführt. «Ein damaliger Pfarrer verbannte den heidnischen Brauch», so Josef Hauswirth. Fast 30 Jahre lang fand in der Folge kein Scheibensprengen mehr statt. Vor 50 Jahren liessen drei Oeschger den Brauch, den sie aus ihrer Jugendzeit noch kannten, wieder aufleben. Seither wird er ohne Unterbruch durchgeführt – am kommenden Sonntag zum 51. Mal.

Bewegung wie beim Hornussen

18 aktive Scheibensprenger gibt es derzeit in Oeschgen. Sie organisieren den Anlass und sorgen dafür, dass sicher genügend Scheiben vorhanden sind. Jeweils vor Weihnachten erhalten die Scheibensprenger vom Forstbetrieb Hagebuchen, um Scheiben zu schnitzen – über 1000 pro Jahr. Sie sind rund einen Zentimeter dick, werden am Rand angespitzt und in der Mitte wird ein Loch gebohrt. «In dieses Loch werden dann beim Scheibensprengen Haselruten gesteckt», erklärt Hauswirth. Über eine Art Rampe werden die Scheiben dann talwärts geschossen. «Die Bewegung ist ähnlich wie beim Hornussen», so der langjährige Scheibensprenger. «Aber jeder muss für sich herausfinden, wie es am besten funktioniert.»

Dies kann man am Sonntag tun. Ab 14 Uhr ist die Festwirtschaft auf dem Boll geöffnet, sodass man sich bereits im Laufe des Nachmittags im Scheibensprengen üben kann. Die erfahrenen Sprenger geben dann auch Tipps.

Feuer frei ab 19.30 Uhr

Angezündet werden die Scheiben vor dem Sprengen aber erst am Abend zirka ab 19.30 Uhr. Dann wird auch das Speichenrad von vier Metern Durchmesser entzündet, das seit 40 Jahren zum Oeschger Scheibensprengen gehört. Zuvor war jeweils eine Puppe verbrannt worden. «Wir wollten damals etwas Neues bieten», so Hauswirth. Dabei sei man auf Bräuche gestossen, wo Feuerräder einen Hang hinuntergerollt würden. Das passiert in Oeschgen nicht. Dank einer Eisenstange kann das grosse Feuerrad aber an Ort und Stelle gedreht werden.

Das Scheibensprengen findet am kommenden Sonntag bei jeder Witterung statt. «Aber das Wetter hat natürlich einen Einfluss darauf, wie viele Leute kommen», sagt Josef Hauswirth. «Bei schönem Wetter hatten wir schon über 300 Besucher.» Bei Regen seien es deutlich weniger. Eine Verschiebung komme aber auch bei schlechtem Wetter nicht infrage, so Hauswirth. Der Brauch gehöre schliesslich zum Alten Fasnachtssonntag, der auch Funkensonntag genannt wird.