Laufenburg

Erwin Rehmann und das Raum-Körper-Kontinuum

Cornelia Ackermann zwischen dem Steinway-Flügel und der "Hausmusik", einem Kunstwerk von René Fahrnis aus verleimten Holzlättchen.

Cornelia Ackermann zwischen dem Steinway-Flügel und der "Hausmusik", einem Kunstwerk von René Fahrnis aus verleimten Holzlättchen.

«Raum_Körper» heisst die neue Ausstellung im Rehmann-Museum. Sie zeigt Werke von sieben Künstlern und wird am Samstag eröffnet.

Der besondere Reiz am Rehmann-Museum ist ein Doppelter: Erstens der Raum, der insinuiert, hier arbeite der Künstler nach wie vor. Denn die ehemalige Giesserei und Werkstatt von Erwin Rehmann, 95, sind Teil des Museums und schaffen eine einzigartige Atmosphäre.

Der zweite Reiz ist die Ausstellungskonzeption, der Körper in diesem Raum, wenn man so will: Jede Ausstellung wird um eine Werkgruppe von Erwin Rehmann herum komponiert. Kuratorin Cornelia Ackermann wählt dazu Künstler aus, deren Werke thematisch zu den gezeigten Arbeiten von Rehmann passen und lässt deren Werke in Zwiesprache miteinander und mit Rehmanns Oeuvre treten.

Ackermann ist es in den letzten Jahren stets gelungen, auf diese Weise Ausstellungen zu gestalten, die einen Bogen schlagen, der ebenso spannungsvoll wie kontrastreich ist. Die neue Ausstellung, «Raum_Körper», die am 11. Juni um 18 Uhr eröffnet wird, ist zugleich ihre letzte als Kuratorin; Cornelia Ackermann verlässt Ende November das Museum (siehe Box).

Raum und Körper verbindet Erwin Rehmann auch in der Werkgruppe, die Zentrum der neuen Ausstellung ist. Die Werke, die in den frühen 1950er-Jahren entstanden sind, zeigen Körper, die von linear verlaufenden Messingstäben durchbrochen werden. Körper und Raum verschmelzen so zu einem Ganzen. Ein besonderes Highlight ist die Skulptur «Organismus», die 1952 entstand und 1956 an der Biennale in Venedig gezeigt wurde. Die Plastik gehört heute dem Bund.

Die Flügel-Frage

Rund um Rehmanns Raumkörper zeigen sechs Schweizer Künstler ihre Räume, spielen auf ihre je eigene Weise mit dem Thema. Speziell ist die Videoinstallation von Judith Albert. Sie zeigt in einem abgedunkelten Raum, wie Raum entsteht: In der Projektion «Space» baut die Künstlerin in der Dämmerung mit Leuchtschnüren die Konturen eines Kubus nach. «Es sind dünne Bänder, die durch die gewählte Verschlusszeit an der Kamera wie Stoffbahnen wirken», erzählt Albert.

Die bei jeder Ausstellung wiederkehrende Frage: «Was machen wir mit dem kostbaren Steinway-Flügel im oberen Ausstellungsraum?»

ist diesmal auf ebenso einfache wie witzige Weise gelöst: Er wird kurzerhand Teil der Ausstellung, tritt in ein Wechselspiel mit der «Hausmusik», einem Kunstwerk von René Fahrnis in Flügelform, das aus zusammengeleimten Holzlättchen besteht. Sara Masüger thematisiert mit ihren zum Teil hauchdünnen Arbeiten aus Acrystal, einem gipsähnlichen Material, die Zerbrechlichkeit und Instabilität von Körpern. Freie Formen wechseln sich mit abgeformten und ausgegossenen Körperpartien wie Händen und Gesichtspartien der Künstlerin ab, fliessen ineinander – man kann auch sagen: reichen sich die Hand. Mit Wabenkartonplatten arbeitet Verena Thürkauf. Sie klemmt sie geschickt zwischen abgeschrägter Decke und Boden ein, sodass neue (Zwischen-)Räume entstehen, sodass der Besucher Teil der Installation wird und, je nach Standpunkt, ein anderes Raumgefühl erlebt. Wie die Kartonplatten ist auch ihre Installation mehrschichtig. Abgerundet wird die Ausstellung mit Werken von Serge Brignoni und Beat Zoderer.

Begleitet wird die Ausstellung, die bis zum 6. November zu sehen ist, von einem breiten Rahmenprogramm. Das Sommerfest im Museumsgarten am 1. Juli gehört ebenso dazu wie das Picknick im Museumsgarten am 6. August, das Menschen ins Gespräch bringen will. Diesmal sind auch Asylsuchende aus Laufenburg mit dabei. «Wir waren schon dreimal mit einer Gruppe im Museum», erzählt Regula Laux, die zum einen die Kommunikation des Museums verantwortet, zum anderen bei der «IG Asyl» mitmacht. «Es waren jedes Mal spannende und wertvolle Begegnungen» – auch mit Erwin Rehmann.

Der museale Körper bietet am Picknick den Raum für Gespräche. Der Raum wird so zum Sprachkörper.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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