Frick

Erster Montagsmarkt des Jahres: Die Marktfahrer nehmen den Corona-Virus ernst, sind aber gelassen

Der traditionelle Fricker Markt lockte bei besten Wetterbedingungen viele Besucher nach Frick. Guggen sorgten für fasnächtliche Stimmung.

«Corona-Virus hin oder her: Solange Kunden kommen, so lange betreiben wir unseren Stand», heisst es unisono am ersten Fricker Montagsmarkt des Jahres, auch Fasnachtsmarkt genannt. Sonniges Wetter und 17 Grad ziehen zahlreiche Besucherinnen und Besucher an die Fricker Hauptstrasse: nicht nur aus dem oberen Fricktal, sondern auch aus angrenzenden solothurnischen Gemeinden.

Während in Italien die Zahl der Corona-Toten angestiegen ist und im Tessin der Karneval abgesagt und alle Schutzmasken verkauft worden sind, bemüht man sich in Frick um Ruhe und eine humorvolle Einstellung.

Marktbesucher fürchten sich vor Corona-Virus nicht

«Wirklich Gedanken zum Corona-Virus habe ich mir noch keine gemacht», sagt Kurt Gwerder. Vier- bis siebenmal wöchentlich zieht der Besitzer eines Vertriebs von Dusch-WCs mit seiner Angestellten von einem Schweizer Markt zum anderen. Als Standbetreiber erstelle er im Voraus einen Jahresplan und melde sich bei allen anvisierten Märkten an. «Gewiss habe ich von der Angst vor dem Corona-Virus, wie sie im Tessin momentan vorhanden ist, gehört. Da ich jedoch hauptsächlich in der deutschen Schweiz unterwegs bin, habe ich mich mit dem Thema noch nicht befasst.» Vorkehrungen mache er keine. «Das Corona-Virus beschäftigt mich erst wirklich, wenn Kunden ausbleiben.»

Unterstützung findet Gwerder in dieser Haltung nicht nur bei anderen Standbetreibern, sondern auch bei Marktbesuchern. «Was nützt Angst», fragt etwa eine ältere Frau rhetorisch. Solange sie nicht vom Virus befallen sei, bestimme es auch nicht über ihr Leben. Weder Hamstereinkäufe von haltbaren Lebensmitteln noch der Erwerb von Schutzmasken sind bei der Mehrheit der Kunden Thema. «Ich habe Vertrauen in die Schweizer Gesundheitspolitik, selbst wenn an Fricktaler Spitälern erste Corona-Patienten behandelt würden», schildert eine Laufenburgerin, die Bouillon am Stand der Firma «Oswald» erwirbt.

«Über die vielen Menschen, die jede Woche an Herzinfarkt sterben, berichtet niemand»

Auch die Kundenberaterin des «Oswald»-Stands, Andrea Bürgi, fürchtet sich nicht vor dem Virus, thematisiert aber eine firmeninterne E-Mail, in der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anlässlich der Grippe und des Corona-Virus zu einer sorgfältigen Hygiene und der Desinfektion der Hände aufgerufen wurden. An einem Stand mit biologischen Bauernhoferzeugnissen spricht Viktor Hossli vom Hondernhof in Oberzeihen von «viel Theater», das um das Virus gemacht werde. «Über die vielen Menschen, die jede Woche an Herzinfarkt sterben, berichtet niemand», sagt er.

«An den Flughäfen sind Masken und Händedesinfektion zurzeit normal», sagt Ivan Guarracino, der als Fallschirmspringer in der ganzen Welt herumfliegt. Er habe sich an den Anblick von Menschen mit Mundschutz gewöhnt. «Cosa fare?», fragt er. Ändern liesse sich die Situation nicht so einfach. Der Handschutz ist für ihn als Besitzer der «Sapori italiani», eines Stands mit italienischen Spezialitäten, immer unerlässlich. Dasselbe gilt auch für Sabina und Samir vom Crêpes-Stand M&S.

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