Wahlen 2020

Erst drei Jahre dabei und schon Chefin: Désirée Stutz ist eine Senkrechtstarterin

Désirée Stutz, hier auf einem Wahlkampfbild im letzten Herbst, ist seit Dezember 2019 Präsidentin der SVP-Fraktion im Grossen Rat.

Désirée Stutz, hier auf einem Wahlkampfbild im letzten Herbst, ist seit Dezember 2019 Präsidentin der SVP-Fraktion im Grossen Rat.

Die Möhliner SVP-Politikerin sitzt seit drei Jahren im Grossen Rat und leitet dort schon jetzt die grösste Fraktion. Im Herbst tritt sie bei den Wahlen wieder an.

Im (Gegen-)Wind zu stehen ist sich Désirée Stutz (SVP) gewohnt. Und dies gleich in doppeltem Sinn: Als Möhlinerin steht sie regelmässig im legendären Möhliner Jet, einem Südostwind, der dafür sorgt, dass das untere Fricktal nebelfreier ist als andere Regionen. Als Politikerin steht man per se ab und an im Gegenwind.

«Gradlinig, auch bei Gegenwind» wählte Stutz auch als Slogan bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst. Gradlinig, das bestätigen alle, die sie kennen, politisiert sie auch. Hart in der Sache, aber fair im Umgang. Sie hat sich denn auch in der Partei schnell einen Namen als kompetente Macherin gemacht. Auch ausserhalb der Partei hat sie sich Respekt verschafft.

Drei von sieben Fraktionspräsidien sind in Fricktaler Hand

Es verwundert denn auch nicht, dass sie die SVP-Fraktion nach nur drei Jahren im Grossen Rat Ende 2019 zur Fraktionschefin gekürt hat. Sie ist damit die dritte Fricktalerin im Präsidenten-Bund, stehen doch auch Claudia Rohrer (SP) und Alfons P. Kaufmann (CVP) ihren Fraktionen vor. Damit sind drei der sieben Fraktionspräsidien in Fricktaler Hand.

Stutz hat in der kurzen Zeit im Grossen Rat schon einiges erreicht. Das weiss sie auch. Entsprechend gesund ist ihr Selbstvertrauen. Ihr Ehrgeiz ist ebenso. «Ich ziehe eine positive Bilanz», sagt sie. «Trotz meiner erst kurzen Tätigkeit konnte ich sofort durchstarten.» Ihr erstes Votum habe sie in der zweiten Grossratssitzung gehalten – und dies erst noch unvorbereitet.

«Mir wurden auch wichtige Geschäfte anvertraut und dadurch konnte ich einiges bewegen – in den Kommissionen und im Hintergrund, aber dort passiert die Politik.» Ihr sei es auch gelungen, über die Parteigrenzen hinweg gute Kontakte zu knüpfen, «was das A und O ist, um Geschäfte durchzubringen».

Fraktionspräsidium bereitet ihr Spass

Die Frage, ob sie im Herbst bei den Gesamterneuerungswahlen nochmals antritt, erübrigt sich bei Stutz denn eigentlich auch. Klar, sagt sie. Als Fraktionspräsidentin erhalte sie nochmals einen ganz anderen Zugang zu allen politischen Geschäften und allen Akteuren und könne dadurch auch nochmals ganz anders mitgestalten. «Dies ist eine tolle Herausforderung für mich und bereitet mir viel Spass.»

Spass macht es in dieser Legislatur aus Fricktaler Optik auch, zu sehen, wie gut die Grossräte aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden zusammenarbeiten, ja: zusammenstehen, wenn es um regionale Anliegen geht. Die Zusammenarbeit sei sehr gut, bestätigt Stutz. «Wir wissen, dass wir nur mit einem gemeinsamen Auftritt ein Zeichen in Aarau setzen können.»

Dies ist in der laufenden Amtszeit mehrfach geglückt, etwa beim Gesundheitszentrum oder beim Berufsbildungszentrum, aber auch beim öffentlichen Verkehr, wo es gelang, gegen den Willen des Regierungsrates eine Motion von Roland Agustoni (GLP) für die Einführung des Halbstundentaktes auf dem S1-Ast von Laufenburg nach Stein einzuführen.

Das Fricktal stehe gut da, bilanziert Stutz, mahnt aber zugleich: «Leider wird das Fricktal in Aarau trotz grösstem Wachstum im Kanton immer noch ‹stiefmütterlich› behandelt.» Von der geplanten Mittelschule, der weiteren Stärkung der Berufsschule über ein sinnvolles Verkehrskonzept gäbe es in Zukunft «noch einige Themen anzupacken und Probleme zu lösen».

Als ihren grössten Erfolg in der laufenden Legislaturperiode sieht Stutz den Erhalt der regionalen Staatsanwaltschaften durch die Rückweisung des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung, die sie initiiert hat.

«Ausserdem habe ich mittels Vorstössen und auch hinter den Kulissen immer wieder ‹heisse Eisen› angepackt und damit einiges bewegen können», fügt Stutz hinzu und nennt als Beispiel finanzielle Entlastungen zu Gunsten des Steuerzahlers.  Und Misserfolge? «Die gibt es immer», sagt Stutz. «Das gehört zur Politik dazu.» Unterkriegen lässt sich die Rechtsanwältin dadurch nicht.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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