Gipf-Oberfrick
Ernten oder nicht? – Fricktaler Produzenten bangen um ihre Kirschen

Je reifer die Kirschen, desto grösser ist die Gefahr, dass die Kirschessigfliege die Ernte verdirbt. Die nächsten Wochen entscheiden über ein gutes oder schlechtes Jahr.

Nadine Pfeifer
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Karl Schib und Regine Leutwyler hoffen, dass die Erntezeit von weiteren Regentagen verschont bleibt.

Karl Schib und Regine Leutwyler hoffen, dass die Erntezeit von weiteren Regentagen verschont bleibt.

Nadine Pfeifer

Wie die diesjährige Kirschenernte ausfallen wird, steht noch nicht fest. Die Kirschessigfliege und schlechtes Wetter sind die beiden Risikofaktoren, die den Produzenten die Ernte noch vermiesen könnten. Bei August Schmid sieht es für den Moment gut aus.

Er hat eine gedeckte Niederstammanlage und sagt: «Mit den Netzen rundum, biologischen Mitteln und Fallen haben wir die Kirschessigfliege bisher im Griff.» Dennoch könnte es noch zu Problemen kommen, denn die Kirschessigfliege legt ihre Eier bevorzugt in reife Früchte. Martin Erb, der mit Flumi Brennwald etwa 600 Hochstammbäume im Fricktal hat, sagt: «Ich denke, ab nächster Woche wird es kritisch.»

«Besonders gefährlich ist es, wenn Früchte nicht geerntet werden. Dort können sich die Kirschessigfliegen dann vermehren», sagt Regine Leutwyler, Gemeindeammann von Gipf-Oberfrick und Landschaftsführerin im Jurapark.

Eine Kirschessigfliege (Archiv)

Eine Kirschessigfliege (Archiv)

Keystone

Unrentable Industriekirschen

Dass reife Kirschen nicht geerntet werden, passiert entweder, wenn der Bauer nicht nachkommt, oder, wenn der Preis für die Kirschen nicht hoch genug ist, um den Ernteaufwand zu decken.

«Tafelkirschen, also diejenigen, die direkt gegessen werden, verkaufen sich gut. Aber bei den Industriekirschen, die für Konfitüre, Saft oder Konserven verwendet werden, ist es schlimm, weil lieber auf Import, als auf Schweizer Produkte gesetzt wird», sagt August Schmid. Weil «es Tradition ist und zum Landschaftsbild gehört», behält er dennoch 100 Hochstammbäume mit Industriekirschen bei. Er befürchtet, sie dieses Jahr nicht loszuwerden. Dann muss er sie zu Kirsch brennen lassen, «das ist aber nicht kostendeckend».

Damit alles rechtzeitig geerntet werden kann, sind die Bauern auf Hilfe angewiesen. «Ohne gute Leute geht es nicht», weiss Martin Erb. Freunde aus Österreich und Flüchtlinge helfen ihm jedes Jahr. «Das Geheimnis, um sie zu halten, ist einen anständigen Lohn zu bezahlen und nicht bloss ein Sackgeld.»

Auch August Schmid setzt auf pensionierte Freunde, die täglich aus Luzern anreisen, um behilflich zu sein, und auf Asylbewerber. Erst kürzlich hat er wieder die Bewilligung erhalten, um Asylbewerber zu beschäftigen.

«Vorübergehend war das nicht mehr erlaubt, obwohl mehrmals täglich jemand herkam und um Arbeit bat.» Karl Schib versucht auf seiner Halbstamm-Anlage im Egg in Gipf-Oberfrick seit letztem Jahr eine neue Methode aus, um die Früchte effektiv zu ernten. «Self-Pick» ist seine Idee, «denn die Leute wollen ja raus in die Natur und es ist auch gleich noch etwas Fitness dabei».

Regenschutz für Niederstämme

Neben der Kirschessigfliege ist das Wetter ein «Spielverderber», wie Karl Schib es nennt. Regen ist ein besonders grosses Problem. August Schmids Anlage lässt sich mit einem Plastikdach schützen, was aber nur bei Niederstammbäumen geht. Karl Schib sieht an seinen Halbstammbäumen schon die ersten Schäden vom wechselhaften Wetter der letzten Wochen. Nun hängt alles davon ab, ob es nochmals anhaltend regnen wird. «Es ist wie beim Wein, man weiss erst, ob er gut wird, wenn er im Fass ist», schmunzelt Schib.