Sie kommt mit dem elektrischen Rollstuhl, an dem auch eine Beinprothese hängt. Alois Kiser vom katholischen Pfarreirat Laufenburg, auf dessen Einladung die 45-Jährige spricht, schiebt sie die Rampe der Aula hinunter zu ihrem Rednerpult.

Souverän bedient sie den Steuerknüppel mit dem Fuss. Unten angekommen fährt sie die Sitzposition nach oben und lässt sich bei der Installation des Headsets helfen.

Auch den Computer, den sie für ihren Vortrag braucht, bedient sie per pedes. Sie balanciert einen Stift zwischen den Zehen, so wie andere diesen zwischen den Fingern balancieren würden.

Simea Schwab kam 1970 ohne Arme zur Welt. Ihre Beine sind ungleich lang und das nicht nur ein paar Zentimeter. Am linken Fuss befinden sich nur vier Zehen.

Sie geht offen und offensiv auf ihre Behinderung ein. «Das zeichnet mich aus», sagt sie. «Aber nicht nur das allein.» Sie ist einer Bauernfamilie aufgewachsen – akzeptiert, behütet und geliebt von Eltern und Geschwistern.

Sie haben sie nicht in ein Heim gesteckt, sie standen zu ihr. Und doch mutmasst sie manchmal, was gewesen wäre, wenn ihre Mutter von ihr gewusst hätte – vor der Geburt. Und ob sie heute wohl noch auf die Welt kommen würde, mit der modernen pränatalen Diagnostik?

Aber in ihrem Vortrag in Laufenburg geht es nur zum Teil um sie selbst. Vielmehr ist es der Versuch einer Anleitung zum Glücklichsein, auch für die vermeintlich «Normalen», die aber nicht minder mit ihrem Körper hadern, aus welchem Grund auch immer: zu dick, zu klein, glatzköpfig, faltig, grau.

An kleinen Dingen freuen

Das Sich-Vergleichen, das Simea Schwab in ihrer Jugendzeit entdeckte, kennt wohl jeder von uns auch. Warum hat der noch volle braune Haare? Warum bin ich schon schlohweiss? Warum kann sich der Kollege ein grosses Haus leisten und ich wohne nur zur Miete?

Schönheit und materieller Besitz seien vergänglich, sagt sie, und Gesundheit keine Ersatzreligion. Sie rät, sich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen, an den Wundern der Natur zum Beispiel, in denen sich für sie Gott widerspiegelt.

«Es gibt sehr viele Sachen, für die wir Danke sagen dürfen.» In der Summe machen sie für Simea Schwab ein erfülltes Leben aus.

Aus ihrer Behinderung und noch mehr aus ihrem souveränen Umgang damit schöpft sie Glaubwürdigkeit. Wenn sie als freischaffende Theologin in Kirchen predigt, wenn sie Vorträge und Seminare hält, dann glauben ihr die Leute, sagen zu sich: Die kennt das Leben, auch ohne Partner und Kinder.

Die weiss, wovon sie spricht. Die hat selbst schon viel gelitten und tut es noch. Und wenn diese Frau im Rollstuhl dann auch noch Lebensfreude ausstrahlt, dann kann ich das auch. Dann kann ich dankbar sein, für das, was ich schon habe.