Herznach
«Erdölrausch»: 88'000 Tonnen Erdöl werden täglich verbraucht

Der Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser sprach in Herznach über den Zusammenhang von Energie, Krieg und Frieden –und fesselte damit auch seine jungen Zuhörer.

Geri Hirt
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Daniele Ganser vermochte mit dem Aufzeigen der Zusammenhänge von Energie, Macht und Krieg auch die jugendlichen Zuhörer zu fesseln. ghi

Daniele Ganser vermochte mit dem Aufzeigen der Zusammenhänge von Energie, Macht und Krieg auch die jugendlichen Zuhörer zu fesseln. ghi

Es war ein Wagnis, die GewerbeArena Herznach mit Referaten hochkarätiger Fachleute anzureichern. Doch der Mut hat sich ausbezahlt und wurde insbesondere am Samstagabend mit dem eindrücklichen Referat von Daniele Ganser mit einem Grossaufmarsch honoriert.

Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher an der Uni Basel und Leiter eines Forschungsinstituts, fand in Herznach interessierte, ja begeisterte Zuhörer. Auffällig dabei, wie viele junge Menschen das Thema «Der globale Kampf um Erdöl: Warum wir die Energiewende brauchen» anzulocken vermochte. Daniele Ganser verstand es, die grundsätzlich ernste und nachdenkliche Thematik von verwirrenden Zahlen und Fakten zu befreien und auf eingängige und nachvollziehbare, zum Teil witzige Art darzulegen.

Täglich 88 000 Tonnen Erdöl

Der Energiehunger, insbesondere in der westlichen Welt, ist enorm: Täglich werden weltweit 88 000 Tonnen Erdöl verbraucht, der grösste Teil davon wird verbrannt. Allein die USA benötigen täglich rund 20 000 Tonnen. «Wir leben seit Jahren im Erdölrausch», sagte Ganser. Dass die Erdölvorräte noch rund 40 Jahre reichen sollten, ist ein schwacher Trost. Aufgrund des Druckabfalls der Erdölfelder sind einstige Ölexporteure wie England und Indonesien bereits zu Ölimporteuren geworden. Die konventionelle Erdölproduktion in geringen Tiefen stagniert seit 2006, was zur Folge hat, dass zusehends neue Ölfelder in den Weltmeeren und in der Arktis und Antarktis erschlossen werden, was mit hohen Umweltrisiken verbunden ist, wie gewisse Ereignisse zeigen.

Mit zweifelhaften und vor allem umweltschädigenden Methoden wie Fracking lassen sich vorderhand die Ausfälle versiegender Ölquellen kompensieren. Der Preis für Natur, Mensch und Umwelt ist jedoch bei dieser Ölgewinnung jedoch ebenfalls sehr hoch. Ganser bezeichnet Alternativen wie Erdgas oder die Atomenergie keineswegs als umweltfreundlicher als Erdöl. Als echte Alternativen müssten Photovoltaik und Solarthermie, Wasserkraft, Windenergie, Holz, Biogas und Geothermie weiter gefördert werden. Gleiches gilt für die Gebäudeisolation.

Das enorme Wachstum von 80 Millionen Menschen pro Jahr, was der Grösse Deutschlands entspricht, heizt das Energieproblem zusätzlich an. Daniele Ganser kommentierte schalkhaft: «Vielleicht sterben die Nashörner aus, nicht aber die Menschen.» Die Menschen in den Schwellenländern streben ebenfalls einen höheren Lebensstandard an, was – neben dem Bevölkerungswachstum – den Energiebedarf stetig ansteigen lässt.

Big Business

Öl und Gas sind längst zu einem lukrativen Geschäft geworden. Shell hat im ersten Quartal 2011 einen Gewinn von unglaublichen 7 Milliarden Dollar eingefahren. Exxon-Chef Rex Tillerson hat sich ein Jahresgehalt von 35 Millionen Dollar zugeschanzt. Daniele Ganser stellte diesen Fakten 45 Millionen Amerikaner gegenüber, die vom Staat Lebensmittelmarken beziehen. Mit nachweislich erfundenen und erlogenen Geschichten seien selbst in neuster Zeit Kriege wie in Kuwait oder im Irak gerechtfertigt worden. Unklar seien auch die Hintergründe des 9/11 mit dem Einsturz dreier Gebäude. Der Einsturz des Gebäudes 7, das von keinem Flugzeug getroffen worden ist, gibt bis heute Rätsel auf.

Der offizielle Untersuchungsbericht «Commission Report» erwähnt dieses Gebäude in der direkten Nachbarschaft zu den Twin Towers nicht einmal, was verschiedenen Theorien Nahrung gibt. Die Vermutung, dieses Gebäude sei (vom Geheimdienst?) gesprengt worden, wird heute auch in den USA diskutiert. Ganser bat, die Kriegspropaganda zu hinterfragen, «denn es wird mit Waffen um Öl und Gas gekämpft».

Energiewende als Chance

Daniele Ganser sieht in der Förderung erneuerbarer Energien und in der Gebäudeisolation ein grosses Potenzial und eine Chance nicht nur für Mensch und Umwelt, sondern auch für das Gewerbe. «Wo wollen wir im Jahr 2050 stehen?», stellte Ganser die rhetorische Frage und gab die Antwort gleich selber: «Die grobe Linie ist völlig klar. Wir müssen die Energiewende einleiten und sofort damit beginnen, um Schritt für Schritt weiterzugehen.»