Teneriffa, Mauritius, Fuerteventura, Ägypten, Dominikanische Republik, Kapverden, Tarifa. Es gibt wohl kaum eine bekannte Surfdestination auf dieser Welt, wo sich Christian Wunderlin in den letzten Jahren nicht schon vom Wind treiben liess und über die Wellen glitt. Allerdings nicht als Tourist, sondern beruflich.

Jahrelange Erfahrung

2001 kehrte der heute 46-Jährige aus Stein dem Fricktal den Rücken und setzte alles auf die Karte Surfen und den Wassersport – seine grosse Leidenschaft. Der gelernte Versicherungskaufmann arbeitete zum Beispiel in Ägypten und Mauritius als Leiter einer Surfstation und Surflehrer. Seit letztem Sommer wohnt Christian Wunderlin wieder im Fricktal. Noch manches erinnert bei ihm an einen Surflehrer: die langen Haare, die Sonnenbrille, die lockere Art und die Begeisterung für den Sport auf dem Wasser.

Nun wagt er, der über die nötigen Instruktor-Lizenzen des Verbands Deutscher Wassersport-Schulen (VDWS) verfügt und auf über 15 Jahre Schulungserfahrung im Wassersport zurückblickt, den Schritt oder – besser gesagt – den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit.

Für die Fricktaler Schwimmschule Aquela gibt Christian Wunderlin verschiedene Schwimmkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Kürzlich eröffnete er an der Rheinbrückstrasse in Stein, nahe der alten Holzbrücke, sein Geschäft «stonesurf – Die Surfstation im Fricktal» (www.stonesurf.ch). Dort, wo früher einmal Raucherwaren und Schokolade verkauft wurden, stehen nun Surfbretter, «Stand-up-Paddling»-Bretter und Kite-Material zum Mieten und Kaufen bereit.

Rheinauf- und abwärts

Eines der zentralen Angebote von Christian Wunderlins «stonesurf» sind Kurse im «Stand-up-Paddling». Man steht dabei auf einem grossen Surfbrett und bewegt sich mithilfe eines Paddels über das Gewässer – also den Rhein ab- oder auch aufwärts. Die einen nehmen es gemütlich und lassen sich treiben, die andern sehen es sportlich und paddeln entlang des Ufers eine gewisse Länge rheinaufwärts. «Stand-up-Paddling als Sportart fordert den Körper auf der ganzen Ebene», sagt Wasserratte Wunderlin. Für Jugendliche eigne sich dieser Wassersport ebenso wie für Erwachsene.

Für Frühaufsteher steht die Tour «earlybird» auf dem Programm, wo bereits um sechs Uhr morgens gestartet wird. Zum Entspannen bietet der «sundowner» am Abend den optimalen Rahmen. Wer Energie loswerden will, kommt beim «SUP-fit» auf seine Kosten. Bei den Touren «down the river» kann man die Natur geniessen.

Mit Wind und Drachensegel

«Kite-Surfen» nennt sich ein weiteres Angebot der Surfstation. Der Kite, ein Drachensegel in rund 25 Meter Entfernung, bewegt die Sportler auf dem Brett, an dem Räder befestigt sind, übers Land. Zum Üben steht der Surfstation eine grosse Wiese zwischen Münchwilen und Schupfart zur Verfügung. In einem zweiten Schritt geht es dann aufs Wasser. Allerdings nicht auf den Rhein, sondern beispielsweise auf den Silvaplanersee oder Comersee. Dort herrschen ideale Windverhältnisse.

Als Jux liebäugelt der lizenzierte Kite-Instruktor damit, mal selber über den Rhein zu «kiten». Aber sonst seien die hohen Bäume entlang des Flussufers fürs Kiten eher ungünstig. Im Winter kommen dann beim sogenannten «Snowkiten» die Ski oder das Snowboard mit dem Kite zum Einsatz. Natürlich ist auch Windsurfen im Angebot. Zwischen Sisseln und dem Rheinkraftwerk Bad Säckingen, wo der Rhein von der Strömung her praktisch einem See gleicht, bietet Christian Wunderlin private Surfkurse an.

Treffpunkt für Surfer

«Ich kann ohne Wassersport nicht leben und versuche nun auch in der Schweiz, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen», sagt Christian Wunderlin, der von der Theke seiner Surfstation aus direkt auf den derzeit etwas wilden Rhein blickt. Dass in Sachen Surfen nur wenig auf dem Rhein und in der Umgebung passiert, findet der Heimweh-Fricktaler schade. Es gebe zwar Surfer und Surferinnen, diese seien aber meist alleine unterwegs.

«Meiner Ansicht nach fehlt es am Gemeinschaftsgefühl untereinander. Diese Lücke möchte ich mit der Surfstation füllen und einen Treffpunkt für Surfer schaffen», so Wunderlin. Vielleicht werde er demnächst auch eine Art Interessengemeinschaft für Surfer aus dem Fricktal gründen. Wobei natürlich auch Nicht-Fricktaler herzlich willkommen sind. Ausserdem könnte er sich vorstellen, nächstes Jahr einen grösseren Stand-up- Paddling-Anlass zusammen mit einem Verein auf die Beine zu stellen. Sobald sich der Rhein wieder etwas beruhigt hat, startet Christian Wunderlin mit seinen Kursen auf heimischem Gewässer.