Rheinfelden
Er übersetzte den Mundart-Bestseller «Der Goalie bin ig» ins Litauische

Markus Roduner überträgt litauische Literatur ins Deutsche – und umgekehrt. Während einer Vortragsreihe durch die ganze Schweiz machte er auch in seinem Geburtsort Rheinfelden Halt und gewährte einen Einblick in litauische Geschichte.

Stefan Gyr
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Der in Litauen lebende Übersetzer und Baltikum-Experte Markus Roduner macht in Rheinfelden Halt. STG

Der in Litauen lebende Übersetzer und Baltikum-Experte Markus Roduner macht in Rheinfelden Halt. STG

Gestern in Bern, am Freitag in Rheinfelden und am Samstag in Basel: Der aus Rheinfelden stammende Baltikum-Experte und Übersetzer Markus Roduner hat sich zu einer kleinen Vorlesungsreise durch die Schweiz aufgemacht. Diesmal tritt er mit dem litauischen Schriftsteller Marius Ivaškevicius auf, dessen Werk er übersetzt hat.

«Die Grünen» heisst das Buch, aus dem Marius Ivaškevicius in der Schweiz liest. Der Roman handelt von einer Episode der Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit der litauischen Partisanen, die nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die frühen 1950er-Jahre gegen die sowjetische Besatzungsmacht kämpften.

Als «Nestbeschmutzer» beschimpft

Er bietet einen überraschenden Blick auf den zähen Freiheitskampf der litauischen Partisanen: Der Autor lässt sie nicht als heroische Idealisten erscheinen, sondern als Soldaten, die müde geworden sind und keine andere Wahl haben, als Widerstand zu leisten.

Dafür wird er von den Patrioten und einigen kritischen Stimmen Litauens als «Nestbeschmutzer» beschimpft. Marius Ivaškevicius (40) gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Litauens und arbeitet auch als Journalist, Drehbuchautor, Dramatiker und Regisseur.

Moderiert werden die Lesungen vom in Litauen lebenden Übersetzer Markus Roduner (46), der in Rheinfelden aufgewachsen ist. Roduner studierte Slawistik und baltische Sprachen in Bern und reiste 1991 zunächst für einen Sprachaufenthalt nach Litauen. Dieser fiel in eine Zeit des Umbruchs. Der Eiserne Vorhang war gefallen, und nicht nur die DDR, sondern auch das Sowjetreich befand sich in Auflösung .

1992 liess er sich in der Grossstadt Šiauliai im Norden Litauens nieder. Weshalb Litauen? «Ich bin ein Sympathisant kleiner Sprachen», bekennt der Rheinfelder. In dem baltischen Land mit einer Bevölkerung von rund drei Millionen Menschen hat er auch seine Liebe gefunden. Mit seiner Frau hat er drei Kinder.

Roduner, auch ein begnadeter Erzähler, hat neben anderen Werken zwei Romane der auch im deutschsprachigen Raum erfolgreichen Autorin Jurga Ivanauskaite ins Deutsche übertragen. Zusammen mit dem litauischen Dichter Rimantas Kmita hat er den Mundart-Bestseller «Der Goalie bin ig» von Pedro Lenz ins Litauische übersetzt.

Roduner schwärmt auch von der jungen Schriftstellerin Alise Tifentale, die zurzeit in New York lebt und arbeitet. Er hat ihren Roman «Im Sog von Riga» übersetzt, eine Geschichte über das Treiben der Künstlerbohème der Stadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Am Freitag, 15. November, kehrt Markus Roduner in seine Heimatstadt zurück, wo seine Eltern und Geschwister leben. Mit Marius Ivaškevicius ist er im Studio Apochroma an der Wassergasse 2 zu Gast. Die Lesung beginnt um 18.30 Uhr. Nach der Veranstaltung offeriert die Familie Roduner einen Apéro.