Herznach

Er setzt ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft

Wieder ist ein Lastwagen voller Hilfsgüter verladen. Franz Ruckli (3. von rechts) und sein Sohn Rafael (grüne Mütze) konnten dabei auf viel Unterstützung zählen.

Wieder ist ein Lastwagen voller Hilfsgüter verladen. Franz Ruckli (3. von rechts) und sein Sohn Rafael (grüne Mütze) konnten dabei auf viel Unterstützung zählen.

«Was hier den Ansprüchen nicht mehr genügt, wird anderswo noch sehr geschätzt», sagt Franz Ruckli. Der Herznacher engagiert sich seit einigen Jahren für ein Rumänienprojekt.

«Ich nehme nur Material, das mit öffentlichen Geldern finanziert wurde und dessen Entsorgung ebenfalls mit öffentlichen Geldern erfolgen würde», sagt Franz Ruckli energisch. Erklärt im nächsten Satz: «Ich erhalte regelmässig Anfragen, wenn Hausräumungen anstehen. Ich könnte die Sachen dann auch alle für mein Hilfswerk haben. Die Entsorgung des Unbrauchbaren ginge aber auf meine Kosten. Deshalb kann ich das definitiv nicht machen. Es würde zudem meine zeitlichen Ressourcen sprengen.»

Ruckli investiert seit einigen Jahren viel Zeit und Arbeit in sein Rumänien-Hilfswerk, unterstützt in diesem ausschliesslich öffentliche Institutionen. So hat er sich beispielsweise vor zwei Jahren hinter das Steuer des ausgemusterten Tanklöschfahrzeuges der Stadt Aarau gesetzt. Brachte es in einer abenteuerlichen Fahrt an seinen Bestimmungsort, ins rumänische Bãlãuseri. Dort kommt das in der Schweiz nicht mehr gebrauchte, nach einer sanften Instandsetzung aber vollkommen funktionstüchtige Fahrzeug regelmässig bei Brandfällen zum Einsatz. «Wieso soll etwas, das noch gute Dienste leisten kann, einfach vernichtet werden», Ruckli formuliert das nicht als Frage, sondern als Ausdruck seines Unverständnis gegenüber der Wegwerfgesellschaft. «In Rumänien können die Sachen zum Teil noch jahrzehntelang verwendet werden.»

Grosses Netzwerk

War vor wenigen Jahren noch sehr viel Bittarbeit bei der Beschaffung der Hilfsgüter nötig, so kann Franz Ruckli heute dank eines grossen Netzwerkes vielfach ohne aufwendige Aufrufaktionen auf regelmässige Angebote für gutes, aber nicht mehr benötigtes Material von Feuerwehren, Zivilschutzorganisationen, Spitälern und Schulen zählen. «Dieses Jahr konnten wir in zwei Transporten zwischen 60 und 70 Tonnen Material nach Bãlãuseri bringen», so der Fricktaler. Dabei waren unter anderem Feuerwehrpumpen und -kompressoren, 1800 (neue) Zivilschutzhosen, Schulbänke und -Stühle, Beleuchtungsmaterial und vieles mehr. Und schon wartet weiteres Material darauf, von Franz Ruckli Richtung Rumänien gebracht zu werden. «Bis wieder ein Transport bereit gemacht werden kann, müsste ich das zur Verfügung gestellte Material irgendwo lagern können.» Damit macht Ruckli deutlich, dass er über keinen entsprechenden Lagerraum verfügt, und froh wäre, wenn ein solcher unentgeltlich zur Verfügung gestellt würde.

Freude und Dankbarkeit als Lohn

Zu Beginn seiner Hilfstätigkeit hat Franz Ruckli vorwiegend Feuerwehr- und Zivilschutzmaterial nach Bãlãuseri gebracht. Bei seinen regelmässigen Besuchen vor Ort stellte er schnell fest, dass auch bei Kindergärten, Schulen und Spitälern grosse Not an Mobiliar, Textilien und Schulmaterial herrscht. Deshalb hat er die Suche auch nach diesen Gütern ausgedehnt.

Die Freude und Dankbarkeit der Menschen in den von ihm unterstützten Institutionen sind für den Herznacher der Lohn für sein Schaffen. Dieses Engagement kann Ruckli insbesondere deshalb wahrnehmen, weil Ehefrau Barbara und Sohn Rafael ihn aktiv unterstützen. Dazu gehört auch, dass die Familienferien vielfach in Rumänien, genauer Bãlãuseri, verbracht werden. So steht bereits an Ostern ein nächster gemeinsamer Aufenthalt bei den rumänischen Freunden an. «Nebst der schönen Kontaktpflege kann ich dann auch kontrollieren, ob all die Sachen, die ich hergebracht habe zum Einsatz kommen und ob alles funktioniert.»

Und die Verständigung: «Ich habe einen Dolmetscher. Mittlerweile funktioniert die Kommunikation aber auch ohne diesen sehr gut. Wir verstehen uns einfach», so Ruckli, der bereits vor einiger Zeit zum Ehrenbürger von Bãlãuseri ernannt worden ist. Am meisten freut es ihn, dass er mit den Hilfsgütern Not lindern kann und dass die Sachen der grossen Allgemeinheit zugute kommen. «Und das, was bei uns mit öffentlichen Geldern finanziert worden ist, nicht einfach weggeschmissen wird.»

Eine wichtige Unterstützung in seinem Hilfswerk bekommt der Fricktaler von der christlichen Hilfsorganisation ICA. Diese setzt sich unter anderem für die Kinder der Strasse in Rumänien ein. Die ICA hilft Ruckli bei den Transporten, besorgt die Zollpapiere. Franz Ruckli und sein Sohn Rafael haben in diesem Sommer ein paar Tage in einem Lager teilgenommen, welches die ICA regelmässig für mittellose Familien in Rumänien organisiert. Die beiden Schweizer waren begeistert vom einfachen insbesondere von grosser Kameradschaft geprägten Lagerleben.

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