Wittnau

Er schwimmt im Rhein bei Wind und Wetter

Braucht den täglichen Rhein-Schwumm: Jakob Vogt.

Braucht den täglichen Rhein-Schwumm: Jakob Vogt.

Auch die Coronakrise und der Verlust einer Niere bringen den 66-jährigen Jakob Vogt von seinem Hobby nicht ab.

Was für so manch einen der Kaffee nach dem Aufstehen bedeutet, ist für Jakob Vogt der morgendliche Schwumm im Rhein – er kann nicht ohne ihn. Die Tage, an denen er nicht seine Bahnen zwischen Sisseln und Bad Säckingen zieht, sind selten; etwa bei starkem Hochwasser.

Selbst im Winter, wenn das Thermometer Minusgrade anzeigt, steigt der 66-jährige Wittnauer mit Neoprenfüsslingen, Badehose und Handschuhen bekleidet in den kalten Rhein. Tage ohne Wasser sind für Vogt Tage des Entzugs. Er leide unter dem Restless-Legs-Syndrom, verspüre zuweilen Missempfindungen in den Gliedern. «Wenn ich im Wasser bin, sind die Schmerzen weg», sagt er.

Doch letzten Winter führten mehrere Operationen dazu – Vogt musste eine Niere entfernt werden –, dass er zweieinhalb Monate dem Wasser fernbleiben musste. Mitte Februar, zweieinhalb Wochen nach dem letzten Eingriff, stieg er wieder ins kühle Nass.

«Der Arzt hat mir grünes Licht gegeben, die andere Niere ist ja gesund», sagt Vogt. Natürlich hab er es zu Beginn langsam angehen lassen. Zumal die eisigen Wassertemperaturen im Februar eine Extrembelastung für den Organismus darstellten. Sein Auto parkiert er deswegen Nahe des Ufers, damit er sich nach dem Ausstieg schnell wieder anziehen kann.

Angst vor einer Infektion hat er keine

Dazumal, Mitte Februar, als Vogt wieder mit dem Schwimmen begann, gab es in der Schweiz noch keinen bestätigen Coronafall. Doch auch jetzt, wo das Virus allgegenwärtig ist, verzichtet Vogt als Zugehöriger der Risikogruppe, nicht auf sein Hobby.

Davon könne ihn auch nicht seine Frau abringen. «Ich bin schliesslich schon seit über vier Jahrzehnten nahezu täglich im Wasser», so Vogt. Angst sich zu infizieren, habe er keine. Er fahre ja alleine im Auto nach Sisseln zum Rhein und im Wasser sei er ja alleine.

Entlang des Ufers sei kaum etwas los. Manchmal grüssten ihn die Spaziergänger vom Ufer aus, wenn er im Wasser sei. Für die knapp 500 Meter zwei Mal quer durch den Rhein – von Sisseln nach Bad Säckingen und wieder zurück – benötigt der Hobby-Schwimmer rund 20 Minuten.

Dass er mit seinem täglichen Schwumm die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland überquert – diese verläuft entlang der Mitte des Rheins –, ignoriert er geflissentlich. So werden die Grenzen seit etwa zwei Wochen von der Schweizer Grenzwacht und der deutschen Bundespolizei scharf kontrolliert.

Gemäss Letzterer handelt es sich bei dem Passieren der Grenze via dem Wasserweg um eine Umgehung der Grenzkontrolle, was eine Ordnungswidrigkeit darstellt und mit ein Bussgeld sanktioniert werden kann.

Vogt ist das egal. «Das ist meine Stammstrecke; schliesslich gehe ich ja nicht in Bad Säckingen an Land», sagt er. Ein Boot, das entlang des Wasserwegs patrouilliert, habe er noch nicht gesehen. Nur einmal einen Helikopter. «Aber wo soll denn der bitteschön landen, um mich aufzuhalten?», so Vogt.

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