Rheinfelden
Er poliert das Eis auf Hochglanz

Willy Vogt ist der Eismeister auf der «Kunschti» in Rheinfelden – im Sommer amtet er als Badmeister. Unser Kopf der Woche.

Peter Rombach
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Eismeister Willy Vogt sorgt mit der schweren Eismaschine dafür, dass die Schlittschuhfahrer eine blitzblanke Fläche vorfinden.

Eismeister Willy Vogt sorgt mit der schweren Eismaschine dafür, dass die Schlittschuhfahrer eine blitzblanke Fläche vorfinden.

Peter Rombach

Manchmal muss er auch im Winter zum Schweisstuch greifen, wenn auf der Kunsteisbahn – im Volksmund nur «Kunschti» genannt – Hochbetrieb herrscht, Vereinssportler den Schulklassen die Türklinken in die Hand drücken und in den dadurch bedingten Kurzpausen die Eisflächen wieder präpariert werden müssen. Derartige Hochspannung steckt Willy Vogt mühelos weg: Als Eismeister beherrscht er sein Metier, das neben umfangreichem Fachwissen auch Handwerkskunst sowie Flexibilität und Gelassenheit erfordert.

Flexibel sein beinhaltet in dem Job aber auch einen fliegenden Wechsel hin zum Badmeister. Eine interessante, spannende Personalunion, die es im Dienste der KuBa-Freizeitcenter AG auszufüllen gilt. Hinzu kommen noch die vielfältigen administrativen Aufgaben als Geschäftsführer wie Personaleinsatz, Mieterabrechnungen oder Budgetplanung. Hinter den Outdoor-Aktivitäten steckt zusätzlich viel Arbeit am Schreibtisch.

Eis wird bis zu zwölf Mal geputzt

Zurück aufs Eis: Um nach Trainings, Schauläufen des Nachwuchses oder Wettkämpfen der Eishockeyspieler wieder eine blitzblanke Fläche herzustellen, muss das Eisfeld «geputzt» werden. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass sich Willy Vogt oder seine Mitarbeiter bis zu zwölf Mal am Tag auf die wuchtige, gegen fünf Tonnen schwere Eismaschine hinaufschwingen und mit ihr die Runden auf der Eisbahn drehen.

In der Saison, die am 5. März endet, starten allein rund 45 000 Sportbegeisterte aus der Nordwestschweiz und der badischen Nachbarschaft zum öffentlichen Eislauf; dazu kommen Schulen und Vereine als Nutzer der Sportanlage. «Wir sind sehr zufrieden, vielleicht spielte eine Rolle, dass über die Weihnachtstage in den Bergen wenig Schnee lag und deshalb Ferientage zu Hause und eben auf der Kunschti verbracht wurden», gibt Eismeister Vogt eine erste Bilanz ab. Bald müssen die Eisfelder abgetaut, die Utensilien eingelagert und die Anlage «sommerfest» gemacht werden.

Eine Metamorphose bahnt sich an, der Badmeister schlüpft hervor: Es gilt, das Wasser aus den Chromstahlbecken abzulassen, sie mit Hochdruckreiniger zu putzen und mit Frischwasser rechtzeitig vor Saisonbeginn am 13. Mai aufzufüllen. Regelmässiges Rasenmähen und Pflege der Rabatte stehen ebenso an wie intensive Kontrollen im Technikzentrum sowie Reinigen des Sanitärbereichs und der Umkleidekabinen. Während des Badi-Betriebs nimmt die «Wasseraufsicht» den höchsten Stellenwert ein, wobei von den Beckenrändern aus auch ständig die Rheinuferzone mit den dort Badenden im Blickfeld bleibt.

Sollte ein Ernstfall im Flussbereich eintreten, ist ein Schlauchboot mit Aussenbordmotor einsatzbereit, ferner besteht Funkverbindung mit dem Rheinrettungsdienst der Feuerwehr. «Ernsthafte Probleme gab es glücklicherweise noch nie, unser Team sorgt für Sicherheit», freut sich Badmeister Vogt. Im vergangenen Sommer strömten immerhin 57 000 Gäste in Rheinfeldens Badi, deutlich mehr als der langjährige Durchschnitt von 49 000.

Überdachung noch offen

Zwischendurch steht nochmals eine Verwandlung bevor, wenn der Geschäftsführer der KuBa AG die nahe Zukunft skizziert: «In der Badi sind keine grösseren Sanierungen vorgesehen.» Verständlich angesichts der 2014 für 5,2 Millionen Franken abgeschlossenen Baumassnahmen. Derzeit beschäftigt sich der Verwaltungsrat mit Optimierungen im Eisbahnbereich. Verbesserungen für den Eingangs- und Kassenbereich sind ebenso angedacht wie Investitionen in den Garderobensektor.

Ob und wann eine Überdachung des kleinen Eisfeldes realisiert werden kann, ist noch nicht entschieden. Geschäftsführer Vogt gibt sich diplomatisch: «Wo wir investieren, hängt von den finanziellen Möglichkeiten ab. Dies bedingt eine genaue Vorstellung davon, wie eine ideale Kunsteisbahn in 10 bis 15 Jahren aussehen sollte.»