Laufenburg

Er könnte der Bruder von Ivan Rebroff sein

Hans-Peter Kressig

Hans-Peter Kressig

Seit mehr als zwei Jahrzehnten verwandelt sich Hans-Peter Kressig regelmässig in den berühmten «Caruso der Bässe».

Sie gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen. Beinahe käme man in Versuchung, sich die Augen zu reiben, wenn man dem freundlichen Herrn Anfang siebzig gegenübersteht. Nebst der äusseren Ähnlichkeit empfindet der stimmgewaltige Bariton-Sänger aber auch eine tiefe innere Verbundenheit mit seinem vor einigen Jahren verstorbenen Vorbild.

«Musik erfüllt mich mit Freude und mit der Musik kann ich Freude weitergeben», erzählt der bescheidene Musiker, der in Stein geboren und aufgewachsen ist und mit seiner Ehefrau Sabine ein gemütliches Heim mitten in Laufenburg bewohnt. «Ich brauche keinen Psychiater, das Singen erfüllt mich und macht mich glücklich», sagt Kressig begeistert.

Fast jeden Abend einen Auftritt

Seit frühester Kindheit war der Gesang ein fester Bestandteil seines Lebens, und bereits während der Schulzeit wurde auch sein Talent entdeckt. Doch dem berühmten Satz seines Vaters «Lerne erst etwas Handfestes» folgend, wurde er technischer Angestellter und übte das Singen, Klavierspielen und Dirigieren in seiner Freizeit aus. Seit seinem 18.Lebensjahr tritt der Vater von zwei Töchtern, der in Genf und am Konservatorium Basel studierte, öffentlich auf. Sein Repertoire an Liedern, die er als Solo-Sänger oder im Chor vorträgt – er war in mehr als einem halben Dutzend Chören vertreten, denen er zum Teil auch als Dirigent vorstand –, ist seitenfüllend. So braucht Kressig auch heute eigentlich gar nicht mehr speziell zu üben, da er immer noch fast allabendlich in einem Chor mitsingt oder als Vizedirigent den Taktstock schwingt.

Immer wieder wird er gerufen

Erstmals so richtig in die Rolle des «bekanntesten Russen geschlüpft, der nie in Russland gelebt hat» und dessen Lied des Milchmanns Tevye aus dem Musical Anatevka oder Kalinka Malinka weltweit bekannt sind, ist Kressig vor etwas mehr als zwanzig Jahren anlässlich einer Männerchorprobe. «Verkleide dich doch mal als Ivan Rebroff», wurde ihm damals geraten. Gesagt, getan. Er lieh sich ein Kostüm aus, und seitdem ist Kressig, der bei seinen Auftritten wie sein Vorbild immer mit Pelzmütze und Mantel erscheint (der Bart ist echt), nicht mehr als zweiter Ivan Rebroff aus dem Fricktal wegzudenken. Immer wieder wird er gerufen, um in Altersheimen, Geburtstagen, Jubiläen, Kirchenfeiern zu singen. Tritt er auf, so ist seine Wärme und Herzlichkeit vom ersten bis zum letzten Ton des abendfüllenden Programms praktisch greifbar.

«Der Gesang ist für mich die Sprache des Herzens», erklärt der bescheidene Fricktaler, der stets betont, dass seine Musik nicht an den 4½-Oktaven-Stimmumfang des grossen Ivan Rebroff herankomme. So berichtet er auch beinahe ehrfürchtig von seinem Treffen mit dem berühmten Sänger vor einigen Jahren in Rheinfelden. Damals durfte er ihm persönlich die Hand schütteln und entlockte dem erfreuten Weltstar den Ausruf «Ach, er könnte ja mein lieber Bruder sein!». Kressig versteht es, das Publikum nebst den Liedern mit sinnlichen Texten, lustigen Sketchen und Anekdoten einen ganzen Abend zu unterhalten und zu begeistern. Auch wenn er nicht mit seinem Idol verglichen werden möchte, sind sein Wolga-Lied oder seine Interpretation von «Ol’ man river» ein Garant für Gänsehaut.

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