Möhlin
Er kämpft gegen die italienische Mafia - von Möhlin aus

Leoluca Criscione will Menschen mobilisieren. Menschen, die wie er aus dem sizilianischen Corleone stammen. Von Möhlin aus gegen die Mafia - eine Genossenschaft soll dabei helfen.

Hans Christof Wagner
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Leoluca Criscione möchte seine Heimatstadt Corleone vom Mafia-Image befreien. hcw

Leoluca Criscione möchte seine Heimatstadt Corleone vom Mafia-Image befreien. hcw

Wenn ihn Leute fragen, woher er komme, sagt er zuerst immer nur «Italien». Dann bohrten die meisten nach, bis endlich klar ist, woher genau er stammt – aus Sizilien, aus dem Städtchen Corleone.

Leoluca Criscione prahlt nicht mit seiner Geburtsstadt. Dafür ist der Name zu sehr belastet: Corleone, Wiege der Mafia, Vorlage für Mario Puzos 1969 erschienenen Roman «Der Pate».

Als dieser mit Marlon Brando und Al Pacino in der Hauptrollen verfilmt wurde, in den 1970er- Jahren, hielt sich Criscione gerade beruflich in New York auf. Da war er für seine amerikanischen Kollegen selbst der Don – Don Corleone.

Geburtsstadt reinwaschen

Geschmeichelt hat ihm das aber nicht. Schon damals ging es ihm eher auf die Nerven. Heute ärgert es ihn, als Sizilianer stets mit der Cosa Nostra in einen Topf geworfen zu werden.

Er will von Möhlin aus dagegen kämpfen und den Namen seiner Geburtsstadt reinwaschen. Er hätte in diesem Jahr sogar fast als Bürgermeister für das Städtchen kandidiert, das er 1965, mit 18 Jahren, Richtung Schweiz verlassen hat. Aber als er davon hörte, dass Giuseppe Cipriani wieder antritt, entschied er sich dagegen. Cipriani ist sein Mann.

Schon einmal zwischen 1993 und 2002 Bürgermeister, machte sich dieser als Kämpfer gegen die Mafia einen Namen. Er wagte es, die Güter verschiedener Mafiosi zu beschlagnahmen. 1995 war er sogar einmal zu Gast in Möhlin, das damals von rund 500 Italienern bewohnt wurde, allein 150 davon aus Sizilien.

Landwirtschaft stärken

Jetzt kandidiert Cipriani wieder. Die Bürgermeisterwahl findet am 6. und 7. Mai statt. Criscione ist gerade wieder nach Corleone gefahren, um den Kandidaten zu unterstützen und den Leuten vor Ort neue Wege aufzuzeigen. Wege raus aus den alten Strukturen, raus aus der Abhängigkeit von der Mafia.

Crisciones Idee: Die Landwirtschaft Corleones mit dem Aufbau genossenschaftlicher Strukturen stärken. Die Bauern des Städtchens würden unter eigenem Herkunftszeichen Gemüse, Wein, Obst und Käse exportieren.

25000 aus Corleone stammende Menschen soll es weltweit geben, immerhin mehr als das Doppelte der aktuellen Einwohnerzahl der sizilianischen Stadt. Diese Corleonesi sollen die Waren aus der alten Heimat kaufen – aus Stolz und als Zeichen der Solidarität im Kampf gegen die Mafia.

Criscione hat errechnet, dass diese 25000 eine enorme Marktmacht entwickeln könnten – sofern sie die Verbundenheit noch haben.

Criscione, der daran nicht zweifelt, könnte in diesem Prozess eine Art Koordinator sein, ein Botschafter, international unterwegs, um eine Anti-Mafia-Koalition auf die Beine zu stellen. Geeignet dazu wäre er – der Sohn der Stadt, der in Basel Pharmazie studierte und auf eine langjährige Forschertätigkeit zurückblicken kann.

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