Draussen, vor dem Gerichtsgebäude in der Altstadt von Laufenburg, zieht Bernhard Keller* an einer Zigarette und bläst den Rauch in die Luft. Der 59-Jährige, der bis zum Konkurs 2016 als Verwaltungsrat und Geschäftsführer die Klein AG in Hornussen leitete, ist sich sicher, dass sein Geschäftspartner Stefan Maurer* das Recyclingunternehmen «durch den Entzug von Geld über Jahre hinweg» in den Ruin getrieben hat.

Zur Erinnerung: Keller bekannte sich als Angeklagter im Fall um die konkursite Klein AG am ersten Prozesstag unter anderem der ungetreuen Geschäftsbesorgung und Schwarzgeldgeschäften für schuldig. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren bedingt und eine Busse von 8000 Franken.

Am zweiten Verhandlungstag forderte Staatsanwalt Lorenz Kilchenmann für Maurer, der am ersten Verhandlungstag krankheitsbedingt nicht vor dem Bezirksgericht erschien, eine Haftstrafe von vier Jahren, eine Busse von 10 000 Franken sowie eine Ersatzforderung von 200 000 Franken. «Der Angeklagte hat die Firma auf verschiedensten Wegen gemolken. Dies aus egoistischen Motiven, um sich einen Lebensstandard zu leisten, der weit über seinen Verhältnissen lag», sagte Kilchenmann.

Hierzu soll der 67-Jährige, der zwischen 2004 und 2013 als Finanzchef für die Buchhaltung verantwortlich war, über einen Zeitraum von achteinhalb Jahren hinweg 957 Wiegescheine und Kassenbelege im Wert von rund 1,2 Millionen Franken fiktiv erstellt und sich dadurch an dem Unternehmen bereichert haben. Kilchenmann erklärte das Vorgehen von Maurer beispielhaft: Mittels eines Warenscheins der Handwaage habe dieser eine Wägung von 40 Kilogramm Kupfer von einem fiktiven Kunden vorgetäuscht.

Darauf gestützt, habe er manuell einen Kassenbeleg erstellt, um den Betrag für den errechneten Ankaufspreis für die Bezahlung des fiktiven Kunden aus der Kasse zu nehmen. «Die falschen Belege fanden dann Eingang in die ordentliche Buchhaltung», so Kilchenmann. Infolge der fehlenden Warenbuchhaltung und der Vermengung der angelieferten Waren in Sammelcontainern sei es unmöglich gewesen, festzustellen, ob das erfasste Material auch tatsächlich angeliefert worden sei.

Gemäss Kilchenmann soll sich Maurer mit diesem Vorgehen ein Luxusleben finanziert haben – unter anderem den Unterhalt eines teuren Autos, teure Essen und diverse Wochenenden mit Escort-Damen in hochpreisigen Hotels. Mit einer Escort-Dame soll Maurer eine Beziehung von zwei Jahren geführt haben, für die er über 200 000 Franken ausgegeben haben soll. «Unter anderem kaufte er ihr ein Collier für rund 30 000 Franken», sagte Kilchenmann.

Verteidiger fordert Freispruch

Maurer machte gegenüber dem Gericht keine Angaben zu den diversen Anklagepunkten. Er verwies bei seiner Befragung immer wieder auf seine Aussagen, die er bereits in den bisherigen Einvernahmen gemacht hatte, und das Plädoyer seines Verteidigers.

Dieser sagte unter anderem, dass die falschen Wiegescheine genauso gut von einer anderen Person der Klein AG hätten erstellt werden können. Zudem: «Nachdem mein Mandant die Firma 2013 verliess, hätte es dieser danach nicht besser gehen sollen, wenn er doch der Firma zuvor solch einen wirtschaftlichen Schaden zugefügt haben soll?», argumentierte der Verteidiger.

Dass sein Mandant über die Geschäftskreditkarte private Aufwendungen von rund 107 000 Franken bezahlt haben soll – rund 28 000 Franken für Bordell- und Nachtclubbesuche –, war für den Verteidiger aus der Anklageschrift nicht ersichtlich. «Es werden nur beispielhaft Positionen aufgeführt.»

Ebenso bestritt der Verteidiger, dass sein Mandant einen Porsche Turbo 911 aus dem Eigentum der Klein AG entwendet hat. Diesen fuhr Maurer als Geschäftswagen, löste ihn jedoch 2012 auf sich ein. Nach seiner Kündigung behielt er den Sportwagen trotz Aufforderung zur Rückgabe durch die Klein AG für sich und verkaufte ihn schliesslich für 46 000 Franken.

«Es war mündlich abgemacht, dass das Fahrzeug nach der Bezahlung der letzten Leasing-Rate in den Besitz meines Mandanten übergeht», sagte der Verteidiger, der einen Freispruch in sämtlichen Anklagepunkten forderte. Zudem soll seinem Mandanten der Verwertungserlös aus dem Verkauf seiner Mercedes S-Klasse von rund 24 000 Franken erstattet und ihm eine Genugtuung zugestanden werden.

Das Bezirksgericht unter Vorsitz von Beat Ackle wird die Urteile für Keller und Maurer Ende April schriftlich eröffnen.

* Namen geändert