Laufenburg

Er baut alles – vom Nudelgestell bis zur Römervilla

Theodor Bachmann im ehemaligen Kinderzimmer: Einige Modelle behält er, die anderen verschenkt er.

Theodor Bachmann im ehemaligen Kinderzimmer: Einige Modelle behält er, die anderen verschenkt er.

Theodor Bachmann aus Laufenburg ist passionierter Modellbauer. Der 87-jährige pensionierte Schreiner zimmert in seiner Werkstatt aber nicht nur Miniatur-Ausgaben von Schiffen, Wagen und Kanonen. Auch für das Museum Schiff ist er im Einsatz.

Der Rossstall beim Haus seiner Tochter, ein Notenschrank für eine Pianistin oder ein Nudelgestell für die ehemalige Pfarrköchin von Laufenburg - die drei grauen Ordner sind voll mit Fotos von Anfertigungen aus Holz. Die Frage nach seinem persönlichen Lieblingswerk beantwortet Theodor Bachmann nur zögernd. Der 87-Jährige zieht die Augenbrauen hoch und seufzt: «Das ist schwierig.»

Haus als Lebenswerk

Der pensionierte Schreiner sitzt inmitten seines «Lebenswerks», wie er das Haus an der Herrengasse 107 in Laufenburg nennt. «Als wir vor 56 Jahren nach Laufenburg zogen, da war das Haus eine Ruine», erzählt Bachmann. Der Stadt war eine Renovation zu teuer und auch kein ansässiger Handwerker wollte das zerfallene Haus kaufen.

Bachmann aber nahm die Aufgabe an. Die Schreinerei des Vaters im Berner Oberland habe ihm, seiner Frau und den sechs Kindern keine Existenzmöglichkeit geboten, sagt Bachmann. Bei der Schindler AG in Pratteln fand er eine Anstellung. Er baute unter anderem das Modell des ersten doppelstöckigen Zugs, der auf dem Schweizer Schienennetz unterwegs war.

Und die Freizeit verbrachte er mit der Renovation und Einrichtung seines Hauses. Ein neuer Dachstuhl, neue Wände, neue Böden, Regale, die Komode mit dem gravierten Namen seiner Frau Maria, Tisch und Stuhl. Mit dem Finger deutet Bachmann auf die Gegenstände, die er alle selber gezimmert hat. «Ich habe das ganze Haus gebaut», sagt er und Stolz schwingt in der Stimme mit.

Ein Koffer für Pétanque

Im Keller des Hauses in Laufenburg hat sich Bachmann eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der er auch nach der Pension weiter werkelte. «Dort habe ich für meine Kinder und Enkel so einige Spielzeuge gebaut», sagt Bachmann und lächelt verschmitzt. In den grauen Ordnern sammelt er Fotos sämtlicher seiner Anfertigungen.

Seit einigen Jahren entstehen in der Kellerwerkstatt auch Modelle, die später im Museum Schiff ausgestellt werden. Angefangen hat alles mit einem Koffer für Pétanque-Kugeln. Diesen fertigte Bachmann für Hannes Burger an. Und Burger erinnerte sich später, als Präsident des Museums Schiff, an den Rentner mit dem Talent für feine Holzarbeiten. Er fragte Bachmann, ob er für eine Ausstellung nicht ein Modell der 1796 abgebrannten Brückenkapelle bauen könne. Bachmann konnte - trotz einiger Schwierigkeiten.

Wichtige Recherche

«Von der Brückenkapelle hatte ich nur einige alte Stiche als Anhaltspunkt», erzählt Bachmann. Dazu orientierte er sich an der Konstruktion der alten Rheinbrücke in Stein. «Die Forschung und Recherche sind das Wichtigste», sagt Bachmann. «Der Bau des Modells ist dann eine Kleinigkeit.»

So verhielt es sich auch beim Modell der römischen Villa in der aktuellen Ausstellung «Die Römer in Laufenburg». Da kannte Bachmann den Grundriss der Villa und das Material mit dem das Gebäude gebaut worden war. Die genaue Einrichtung bis hin zur Wandbemalung recherchierte er in Büchern und im Internet - teilweise stundenlang. «Wenn mich etwas interessiert, dann gebe ich nicht locker», sagt Bachmann.

Langsame Hände

Mit einem Lächeln gibt er zu, dass ihm das dann manchmal auch etwas zu viel wird. «Mit 87 sind die Hände nicht mehr so beweglich und der Kopf auch nicht - das merke ich», sagt Bachmann.

In Zukunft will er es deshalb langsamer angehen. Unvorstellbar aber, dass er die Türe zur Werkstatt endgültig schliesst. «Im Moment sind meine Urgrosskinder noch zu klein, aber bald kann ich für sie Spielzeug bauen», sagt Bachmann. Die Fotos davon wird er dann in die grauen Ordner legen.

Sein Lieblingswerk, entscheidet sich Bachmann dann doch noch, sei eine Drehleier. Die hat er von ein paar Jahren gebaut, mittlerweile besitzt ein Enkel das Streichinstrument. «Ich weiss nicht, ob er neben dem Studium noch Zeit fürs Spielen findet. Aber die Drehleier ist ein wirklich schönes Instrument», sagt Bachmann, lächelt und zeigt das Foto.

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