Wallbach
Entwarnung nach Russ- und Staubniederschlag: «Sehr geringe Schadstoffmenge»

Erste Resultate der Laboruntersuchungen von Russ- und Staubpartikeln, welche diese Woche in Teilen von Wallbach niedergegangen sind, liegen vor. Dabei wurde festgestellt: «Die Schadstoffmenge ist sehr gering», so die offiziele Verlautbarung.

Walter Christen
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Russniederschlag in Wallbach
10 Bilder
Tiere im betroffenen Gebiet auf der Weide
Die Industrieanlagen im Bad Säckinger Ortsteil Wallbach
Die deutsche Polizei ist in Wallbach präsent
Russansammlung in einem Wäschekorb
Grosse Russpartikel auf einem Autodach
Der Wallbacher Gemeinderat Ruedi Berner (Mitte) mit Stefan Heller (links) und Thomas Gruntz vom Regionalen Führungsorgan Unteres Fricktal
Die aufgebotene Feuerwehr Wallbach
Das betroffene Wallbacher Wohngebiet vorne, dahinter die Gebäude mit Kamin der Alunova GmbH auf deutscher Seite
Bereits gemähte Wiese im Einzugsgebiet der Wallbacher Russ- und Staubniederschläge

Russniederschlag in Wallbach

AZ

Die Laboruntersuchungen der in der Nacht von Montag auf Dienstag über Wallbach niedergegangenen Russ- und Staubpartikel aus dem Alunova-Werk auf deutscher Seite liegen vor und haben nach Auskunft von Gemeindeammann Bernadette Favre ergeben: «Der Schadstoffgehalt ist weit unter dem Grenzwert, wo man weitergehende Massnahmen ergreifen müsste. Noch müssen allerdings die Dioxinuntersuchungen abgewartet werden. Diese sind viel aufwendiger und liegen wahrscheinlich erst nächste Woche vor.»

Der Gemeinderat wird gegen Ende nächster Woche einen Orientierungsabend durchführen. Das Datum wird Anfang Woche bekannt gegeben. Vertreter der deutschen Behörden, der Kantonalen Fachstellen und der Alunova Recycling GmbH werden für Fragen und Auskünfte zur Verfügung stehen.

Nach wie vor gilt: Früchte und Gemüse aus dem eigenen Garten sollen im betroffenen Gebiet in Wallbach nicht verzehrt werden. Für die Entsorgung stehen nach wie vor zwei grosse Mulden am Weg oberhalb der Novoplast zur Verfügung, wo die Bevölkerung laufend Grünzeug aus den Gärten deponieren kann.

Rückblick: In der Nacht vom 2. auf den 3. September wurden Teile von Wallbach mit einem kohleartigen Russniederschlag belegt. Betroffen war zur Hauptsache das Wohngebiet Chalch-Schybenstuck-Rebacker-Ob den Reben bis hinauf ins Landwirtschaftsgebiet um den Sportplatz Buhnacker. An betroffenen Standorten sind schwarz-graue Russpartikel erkennbar.

Die Geschäftsleitung der Alunova Recycling GmbH bedauert den Störfall und seine Folgen für die betroffene Bevölkerung sehr. Der Betriebsleiter hat sich persönlich beim Gemeinderat Wallbach zuhanden der Einwohnerschaft von Wallbach entschuldigt und seine volle Kooperation zugesichert.

Die strafrechtlichen Untersuchungen leitet die Staatsanwaltschaft in Deutschland, die Verstösse gegen die Umweltvorschriften ermittelt das Landratsamt Waldshut. Der am Dienstag eingesetzte Krisenstab wurde unter Leitung der Kantonspolizei grenzüberschreitend aufgeboten. Sämtliche Verhaltensanweisungen erfolgten einvernehmlich durch den Krisenstab.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat am Dienstag Russproben sowohl aus dem betroffenen Gebiet, wie auch bei der Alunova GmbH sichergestellt und diese von einem neutralen, zertifizierten Labor analysieren lassen. Es wurden Wischproben und Feststoffproben auf folgende Schadstoffe analysiert: Metalle (Arsen, Barium, Beryllium, Blei, Bor, Cadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Molybdän, Nickel, Quecksilber, Zink, Titan), PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), PCB (Polychlorierte Biphenyle) und Dioxine.

Zu den ersten drei Parametern liegen Resultate vor. Bis die Dioxinmesswerte vorliegen, dürfte aus methodischen Gründen trotz absoluter Priorisierung noch eine Woche vergehen. Die Auswertung und Risikobeurteilung erlaubt folgende Schlüsse: Die Bodenbelastung im betroffenen Gebiet ist sehr gering und liegt Faktoren unter den Richtwerten für belasteten Boden. Diese Aussage gilt auch für Haus- und Familiengärten. Als Vorsichtsmassnahme – weil noch nicht alle Analyseresultate vorliegen – und aus hygienischen Gründen, wird allerding – wie erwähnt – empfohlen, im betroffenen Gebiet das erntereife Gemüse und die Früchte aus dem eigenen Garten trotzdem zu entsorgen und die Sandkästen – wo noch nicht erfolgt – bis zu maximal 10 Zentimeter Tiefe abzutragen und den Sand zu entsorgen.

Gemeindeammann Bernadette Favre bei den Grüngut-Entsorgungsmulden im Gespräch mit betroffenen Einwohnerinnen. – Foto: chr

Gemeindeammann Bernadette Favre bei den Grüngut-Entsorgungsmulden im Gespräch mit betroffenen Einwohnerinnen. – Foto: chr

Da die Schadstoffe sehr stark an den Russpartikeln gebunden sind, ist das Abwischen und Reinigen mit Wasser und Seife nach wie vor eine wichtige Massnahme zum Schutz von Mensch und Tier.

Mit dem nächsten Regen werden die Russpartikel mit den Schadstoffen abgewaschen. Dadurch wird der Boden nicht zusätzlich belastet. Nach Vorliegen des vollständigen Untersuchungsberichts wird die Bevölkerung darüber orientiert.

Die Betriebsleitung der Alunova Recycling GmbH hat die Versicherung zur Regelung des Schadenmanagements eingeschaltet. Für allfällige Schadensersatzansprüche sollen die beschädigten Gebäude, Teile, Fahrzeuge und so weiter fotografiert und dokumentiert werden.

Es sind Vertreter und Sachverständige vor Ort in Wallbach. Die Gemeinde stellt ihnen eine Liste der betroffenen Anwohner zur Verfügung. Es werden über dieses Wochenende im Gemeindehaus Arbeitsplätze eingerichtet und mit der Schadenaufnahme bei den einzelnen Grundeigentümern begonnen.

Ziel der Versicherung ist die Vornahme der Schadenaufnahme und Organisation der Schadenbehebung. Geschädigte Gebäudeeigentümer, die übers Wochenende von den Sachverständigen nicht direkt kontaktiert wurden, werden gebeten, sich am Montag, ab 8 Uhr, unter folgender Telefonnummer zu melden: 061 865 90 92.