Mettauertal

Enttäuschte «Sonnentanz"-Besucher – sie werfen Becher und Mülltonnen

Das Sonnentanz-Festival musste dieses Jahr von Jonschwil SG in den Aargau nach Mettauertal ziehen – wegen Lärmklagen. 3000 kamen ans Elektrofestival. Sie waren zufrieden – doch am Samstagabend wurden sie enttäuscht.

Zum ersten Mal fand das Musikfestival Sonnentanz auf der Hochebene Bossenhaus zwischen den Gemeinden Mettauertal und Leibstadt statt. Seinen Anfang hatte das junge Festival ein Jahr zuvor in Jonschwil SG mit 8000 Besuchern. Nach Lärmklagen entschied die Gemeinde aber, dass der Sonnentanz kein weiteres Mal mehr dort stattfinden werde.

Organisator Thomas «Thomi» Kolar war also gezwungen, einen neuen Veranstaltungsort zu suchen, und wurde im Frühjahr mit dem Bossenhaus im Mettauertal fündig. Der Zeitplan von weniger als vier Monaten war eng, und strenge Auflagen mussten eingehalten werden. Klar konnte man auf Erfahrungswerte vom letzten Sonnentanz zurückgreifen, doch waren die Umstände hier nun etwas anders, so durften nur maximal 4000 Tickets verkauft werden.

Aber würden überhaupt so viele Sonnentänzer den Weg in den Aargau auf sich nehmen? Dies nur eine der Fragen, die den Veranstaltern Sorgen bereitete, da in der Schweiz eigentlich ein Festival-Überangebot herrscht und der Sonnentanz noch in den Kinderschuhen steckt.

Einheimische auf Schleichwegen

Am vergangenen Donnerstag startete der Sonnentanz dann aber mit seiner Warm-up-Party vor dem Festivalgelände. Auf vier Themenwelt-Bühnen kamen zeitweise über 3000 Musikfans und Tanzwütige bei vibrierenden Elektro-, House- und Drum-’n’-Bass-Rhythmen auf ihre Kosten. Internationale und nationale DJs heizten den Besuchern bei gefühlten 40 Grad noch mehr ein. Trinkwasser war auf den Campingplätzen gratis zugänglich, wer mehr Abkühlung brauchte, nutzte den Shuttleservice zu den nächstgelegenen Badis Brugg und Villigen. Das Verkehrskonzept ging auf.

Festivalbesuchern war es nicht gestattet, mit dem Privatauto oder zu Fuss auf das Gelände zu kommen, nur mit Shuttleservice. Dies vor allem, um umliegende Dörfer vor intensivem Verkehr und «streunenden» Sonnentänzern zu schützen. Einzige Herausforderung für den Verkehrsdienst waren laut Sandra Zimmermann, Personalverantwortliche und Partnerin von Thomi Kolar, Einheimische, die über Schleichwege auf das Festivalgelände kamen.

Die Stimmung im Bossenhauspark war bis zum Samstag friedlich, Zwischenfälle gab es kaum. Einzig Wespenstiche plagten die Sonnentänzer. Und kurzzeitig wurde das Festival von stürmischen Winden heimgesucht, wobei es einigen Campingzelten an den Kragen ging.

Nach dem Motto «klein, aber fein» versuchen die Veranstalter das Mettauertal nun zum neuen Zuhause vom Sonnentanz zumachen. Platz hätte es noch genug, um grösser zu werden. Und mit seiner wunderschönen Lage sei der Bossenhauspark optimal und weit genug von angrenzenden Gemeinden entfernt, damit keine Anwohner vom Lärm gestört werden, so die Veranstalter. Wie es in Zukunft mit dem Elektrofestival weitergehe, könne man erst sagen, wenn die Buchhaltung abgeschlossen sei. Sicher sei aber, dass nicht mehr das gleiche Datum gewählt werde, da die Street Parade in Zürich zeitgleich sein werde und dies der Todesstoss für das in der Electro- und Dance-Szene noch nicht etablierte Sonnentanz-Festival wäre.

Schwer enttäuschte Besucher

Als Highlight hatten die internationalen Top-Ten-DJs Dimitri Vegas & Like Mike das angesagte Künstleraufgebot gekrönt und die meisten Angereisten angezogen. Als dann am Samstagabend der Voract DJ ANGEMI aus Italien der tanzenden Menge mit seinen House- und Mash-up-Beats einheizte, war die Stimmung ausgelassen und in freudiger Erwartung auf das, was noch bevorstehen würde. Umso grösser dann die Enttäuschung über die plötzliche Nachricht ans wartende Publikum, dass Dimitri Vegas & Like Mike aus privaten Gründen abgesagt hätten.

Dimitri Vegas & Like Mike am Sonnentanzfestival 2014

Dimitri Vegas & Like Mike am Sonnentanzfestival 2014

Ob dies wirklich der Wahrheit entspricht oder der Veranstalter doch aus budgettechnischen Gründen aufs Festivalhighlight verzichtete? Jedenfalls war schon etwas Ähnliches im letzten Jahr vorgefallen. Schon damals wurde Headliner Deichkind kurzfristig aus dem Line-up gekippt – aus Kostengründen. Die Glaubhaftigkeit des Veranstalters, der die Information über das Platzen des Hauptactes wohl zurückhielt, um keinen Einbruch der Besucherzahlen zu riskieren, ist nun angekratzt.

Klar spürbar war der Frust der zahlenden Besucher, die mit Buh-Rufen, fliegenden Bechern und sogar Mülltonnen vor der Bühne und später in Facebook-Posts ihrer Enttäuschung freien Lauf liessen.

Das undankbare Los des Ersatzacts hatten dann Crin3s gezogen. Sie versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Jedoch brachten sie die Sonnentänzer nicht zum Toben, die Zahl der Anwesenden vor der Bühne sank. Noch vor der Bekanntgabe über das Ausbleiben von Headliner Dimitri Vegas & Like Mike gaben sich die Veranstalter sehr zuversichtlich, den Sonnentanz zu etablieren und zu wachsen. Aber auch bei sonnigstem Wetter wird es schwer, mit zwei geplatzten Headlinern das Vertrauen der enttäuschten Sonnentänzer zurückzugewinnen.

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