Bezirksgericht Laufenburg

Eltern halten Sohn vom Kindergarten fern – und kassieren 900 Franken Busse

Eltern schickten ihren fünfjährigen Sohn nicht in den Kindergarten. Die Abreise nach Albanien steht bevor. (Symbolbild)

Eltern schickten ihren fünfjährigen Sohn nicht in den Kindergarten. Die Abreise nach Albanien steht bevor. (Symbolbild)

Nachdem ein Paar wegen Verstosses gegen das Schulgesetz verurteilt wurde, soll ihr fünfjähriger Sohn nun in Albanien unterrichtet werden.

Im Kindergarten sammeln die Kinder Erfahrungen, entwickeln ihre Persönlichkeit und lernen, selbstständig zu handeln. Nicht zuletzt als Ort, der die Voraussetzungen für das schulische Lernen schafft, ist er für alle Kinder obligatorisch.

Dieses Obligatorium missachtete ein albanisch-kosovarisches Paar aus dem oberen Fricktal. So blieb ihr damals vierjähriger Sohn an etlichen Tagen dem 1. Kindergarten unentschuldigt fern. Für das Fernhalten des Kindes vom Unterricht stellte die Staatsanwaltschaft an Mutter und Vater einen Strafbefehl über 800 Franken aus. Mit dem Strafbefehl waren Mutter und Vater nicht einverstanden. Sie legten Einsprache ein.

Am Montag kam es zur Verhandlung vor dem Bezirksgericht Laufenburg. Anwesend war jedoch nur der 61-jährige Vater des Kindes, die 32-jährige Mutter fehlte. Gerichtspräsident Beat Ackle erklärte dem beschuldigten Vater, dass die Einsprache seiner Frau als zurückgezogen gelte, wenn sie der Verhandlung fernbleibe. «Sie muss sich zu Hause um unsere zwei Kinder kümmern», sagte der Beschuldigte. Ackle wies ihn darauf hin, dass die Familie für einen Betreuungsersatz hätte sorgen sollen. Der Beschuldigte entgegnete ihm, dass «der Grosse» – er meinte den inzwischen Fünfjährigen, welcher der Schule fernblieb – eine extreme Bindung zur Mutter habe. «Und zum Gericht konnte sie ihn nicht mitnehmen; das hätte nur noch mehr Dramatik gegeben.»

Zur Angewöhnung zuerst in Albanien zur Schule

Der Beschuldigte erklärte gegenüber dem Gericht das Fernbleiben des Sohnes vom Kindergarten mit einem Trauma. «Zwei Nachbarn haben ihn angeschrien, eine Lehrerin hat ihn eingeschlossen. Er hat Angst vor der Schule.»

Weiter führte er aus, dass er deswegen vor hat, seinen Sohn in Albanien einzuschulen. Dort herrsche eine andere Atmosphäre, es gebe andere Leute. «Wenn er sich dann nach drei, vier Monaten dort an die Schule gewöhnt hat, bringe ich ihn zurück und er kann wieder in der Schweiz zur Schule gehen», so der Beschuldigte. Ackle ist der Auffassung, dass dies nicht funktioniere. «Dort redet er albanisch und wenn er zurückkommt, kann er überhaupt kein Deutsch.»

Doch der Beschuldigte ist von seinem Vorhaben nicht mehr abzubringen. Er habe sich bereits in seinem Wohnort abgemeldet und werde noch am Tag der Verhandlung mit seiner Familie nach Albanien fahren. Zurückreisen in die Schweiz würden sie erst wieder, wenn die wegen der Pandemie bestehende Quarantäne-Situation aufgehoben sei.

Deutsch-Unterricht soll Sohn die Rückkehr in die Schweiz erleichtern

Ackle legte dem Vater nahe, dass sein Sohn während der Zeit in Albanien Deutsch-Unterricht erhält, damit die Integration ins Schweizer Schulsystem bei der Rückkehr leichter gelingt. Der Beschuldigte sieht dies auch so.

Schliesslich verurteilte Ackle den Vater im Sinne der Anklage. Die Busse reduzierte er jedoch von 800 auf 100 Franken. «Schule und Gemeinde hätten ihnen helfen sollen; haben sie aber nicht», so Ackle. «Bei ihrer Frau sind mir aber die Hände gebunden.» Für sie bleibt die Busse über 800 Franken bestehen.

Autor

Dennis Kalt

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