«Mit der hohen Fluktuationsrate geht viel Wissen verloren», sagt Claude Chautems aus Möhlin. Er spricht die stetigen Wechsel auf den Schulleiterposten in Möhlin an.

Neun Wechsel hat es an der Schule Möhlin in der Gesamt- oder Standortleitung in den vergangenen vier Jahren gegeben. Letzte Woche wurde eine weitere bekannt und gleichzeitig sprach der Gemeinderat zwei Kündigungen in der Schulverwaltung aus (die az berichtete).

Claude Chautems sieht diese Entwicklung mit Besorgnis und bereits vor einem Jahr hat er die Elternarena ins Leben gerufen, «um ein Gefäss zu schaffen und Sorgen von Eltern zu sammeln und als Sprachrohr gegenüber den Schulgremien zu dienen».

Tatsächlich beteiligen sich nach Angaben von Chautems mittlerweile «mehrere Dutzend Eltern» an der Arena. Zulauf habe es vor allem nach seinem Votum an der Gemeindeversammlung im vergangenen Juni und nach der Präsentation der Ergebnisse der externen Schulevaluation gegeben. Diese hatte in den Bereichen Schulführung und Qualitätsmanagement je eine rote Ampel ergeben.

Wie gut ist der Unterricht?

Auf Grün steht die Ampel dagegen in den anderen Bereichen, wie zum Beispiel beim Schul- und Unterrichtsklima oder der Zielerreichung. Der Personalverantwortliche der Schulpflege, Martin Frana, sagte letzte Woche gegenüber der az denn auch: «Wir haben ein motiviertes Kollegium, das qualitativ guten Unterricht bietet.»

Eine Mutter, die nicht namentlich genannt werden möchte, widerspricht dieser Aussage teilweise. Sie spüre bei einigen Lehrpersonen Resignation oder Hilflosigkeit. Allerdings attestiert auch sie, dass der Unterricht im Moment noch gut laufe. Längerfristig befürchtet sie aber, dass sich dies ändert.

Claude Chautems sagt, derzeit sei der Unterricht aus seiner Sicht in Ordnung und auch in den Gruppendiskussionen mit den Eltern im Rahmen der externen Schulevaluation habe sich die Unzufriedenheit nicht gegen die Lehrpersonen gerichtet, sondern gegen die Behörden. Seine Hauptsorge ist jedoch: «Ich befürchte, dass sich die ganzen Ereignisse negativ auf den Schulstandort Möhlin auswirken und keine guten Lehrpersonen mehr hier arbeiten wollen.»

Weiter beunruhigt ihn die Tatsache, dass er keine positive Entwicklung oder Beruhigung der Situation feststelle. «Es krankt weiterhin an der Kommunikation. Und die Schulpflege hat eine Art Befehlsstruktur eingeführt, in der Entscheide nicht begründet oder diskutiert werden.» Immerhin trifft sich aber die Elternarena ab und an mit der Schulpflege zum Gespräch.

«Schon im Herbst haben wir einen umfassenden Fragenkatalog erarbeitet, am Montag wurde erstmals darauf eingegangen», so Chautems. Die Fragen decken ein breites Feld ab. Noch seien die Antworten nicht befriedigend, bilanziert Claude Chautems, «aber ein erster Schritt ist gemacht.» Sein Wunsch ist nun, dass an der Schule Möhlin endlich wieder Stabilität an den wichtigsten Stellen einkehrt.

Darin deckt sich seine Ansicht mit derjenigen, die Martin Frana letzte Woche äusserte. Der Personalverantwortliche der Schulpflege sagte damals: «Wir streben nach Kontinuität.» Er stellte einen Zeithorizont von zwei bis vier Jahren in Aussicht, bis der Möhliner Schuldampfer wieder in ruhigem Gewässer fahre. Und hier ist die Einigkeit schon wieder zu Ende: «Zwei bis vier Jahre sind für Eltern eine sehr lange Zeit. Bis dahin ist ein rechter Teil der Schulzeit des Kindes schon vorbei», so Chautems.