Kaisten
Elsy-Amsler-Stiftung: Glück und Unglück im St. Elizabeth-Ndisi-Hospital

Zacharias Titus Bee, der Mann für alle Fälle, stand der Kaisterin Elsy Amsler beim Bau des Erstversorgungsspitals in Kenia von Beginn an zur Seite. Bei einem Motorradunfall ist der treue Helfer nun ums Leben gekommen. Ein Schock für alle.

Armin Fust
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Zacharias (mit Elsy Amsler auf dem Rücksitz), der «Mann für alle Fälle», als hilfsbereiter fröhlicher Taxifahrer, wie er vielen Menschen in und um das Spital in Erinnerung bleiben wird.

Zacharias (mit Elsy Amsler auf dem Rücksitz), der «Mann für alle Fälle», als hilfsbereiter fröhlicher Taxifahrer, wie er vielen Menschen in und um das Spital in Erinnerung bleiben wird.

Im ersten Flug des neuen Jahres 2014 von Zürich nach Nairobi befand sich als Passagier auch Elsa Amsler. Ihr und ihrer Begleiterin, Petra Kneubühl, einer erfahrenen Krankenschwester aus Sisseln, standen zwei anstrengende Arbeitswochen im Ersthilfespital von Ndisi, Homa Bay, Kenia, bevor.

Das Spital wurde in einem sehr guten Zustand angetroffen. Der neue, in den trockenen Monaten tiefer abgesenkte Trinkwasserbrunnen lieferte klares, sauberes Wasser. Alles war sauber, die nötigen Medikamente waren vorhanden und der Betrieb lief geordnet. Das im letzten Jahr begonnene Geburtenprojekt, das Müttern und Kindern vor, während und nach der Geburt eine gute, unentgeltliche Betreuung zusichert, konnte auf 202 erfolgreiche Geburten im Jahr 2013 zurückblicken. Dies alles erfüllte Elsa Amsler mit Freude und so konnte Petra Kneubühl ihre fachliche Unterstützung und ihre Instruktionen zu aktuellen medizinischen Behandlungsmethoden auf gutem Boden ansetzen.

Glücklicher Bauverlauf

Der eigentliche Grund für die Reise von Elsa Amsler war indes die Zufahrtsstrasse, die jedes Jahr in der Regenzeit unter Wasser stand und für Fahrzeuge unpassierbar wurde. Die Offerte für den Neubau der 1,8 km langen Naturstrasse lag vor, so dass Elsa Amsler sofort nach ihrer Ankunft den Auftrag erteilen konnte, um die Arbeiten bis Ende Januar, das heisst. noch vor der Regenzeit abzuschliessen.

Als Erstes wurde das Strassentrassee mit einer grossen Baumaschine auf das geplante Profil abgehobelt und planiert. Dann folgte als wichtiger Schritt der Einbau der grossen Entwässerungsrohre. Zuletzt wurde der 25 Zentimeter dicke Kieskoffer aus Maram, einer Art Weiacherkies, eingebaut und verdichtet. Die Arbeiten kamen zügig voran und konnten nach zwei Wochen bis auf wenige Restarbeiten plangemäss abgeschlossen werden. Dies war eine riesige Entlastung für Elsa Amsler und liessen sie mit Petra Kneubühl zufrieden und guten Mutes über die glücklichen Umstände zurückreisen. Elsa Amsler dachte, dass ihr nächster Besuch frühestens nach einem halben Jahr an der Reihe sei.

Fatales Verkehrsunglück

Es sollte anders kommen. Am Morgen des 27. Februar traf die Hiobsbotschaft aus Ndisi ein, dass der langjährige Mitarbeiter Zacharias Titus Bee, der «Mann für alle Fälle», am Vorabend bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt sei. Er war nach Einbruch der Dunkelheit mit einem nur einseitig beleuchteten Lastwagen zusammengestossen und verstarb infolge Schädelbruchs noch auf der Unfallstelle. Da er seit dem Aufbau des Spitals dabei gewesen war, kannte er alle und alles, was mit dem Spitalbetrieb zusammenhing. Er hatte sich zum zuverlässigen Vertrauensmann von Elsa Amsler entwickelt.

Als 35 jähriger Familienvater hinterlässt er seine Frau mit zwei Kleinkindern sowie eine grosse Verwandtschaft, die auf ihn und seine unzähligen Dienste zählte. Um der jungen Familie beizustehen und die personelle Nachfolge für Kurierdienst und Unterhaltsarbeiten im Spital zu regeln, reiste Elsa Amsler unverzüglich nach Ndisi. Nach der Beerdigung und der Regelung der personellen Fragen kehrte Elsa Amsler, immer noch traurig über den grossen Verlust, wieder nach Hause zurück. Auch die Mitarbeiter des Spitals haben sich inzwischen vom enormen Schock erholt und der Betrieb läuft wieder in geordneten Bahnen.

Die neue Strasse hat sich in der Regenzeit bestens bewährt. Die Ambulanz konnte jederzeit vom und zum Spital fahren. Die Mitarbeiter des Spitals und alle Kranken, die davon profitieren, sind den grosszügigen Spendern aus der Schweiz sehr dankbar für diese wichtige Hilfe.