Wölflinswil
Einstiges Gemeindehaus mit Armenwohnungen wird nun dank Sponsoren sanft saniert

Ein typisches und geschichtsträchtiges Jurasteinhaus in Wölflinswil soll erhalten werden. Der Verein Dorf plus hat sich verpflichtet, mit Freiwilligenarbeit, Arbeitseinsätzen im «Gemeindewerklohn» und mit Sponsoring einiges beizusteuern.

Peter Bircher
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Das ehemalige Gemeindehaus Wölflinswil ist ein typisches Jurasteinhaus und soll erhalten werden. BI

Das ehemalige Gemeindehaus Wölflinswil ist ein typisches Jurasteinhaus und soll erhalten werden. BI

Es ist ein einfaches, karges und schlichtes Jurasteinhaus, das alte Gemeindehaus von Wölflinswil. Dennoch ist das Haus, welches so ohne Besonderheiten und Ausschmückung dasteht, geschichtsträchtig. Es wurde 1853, 20 Jahre nach Frick, als Pionierbau dieser Art in einer kleinen Landgemeinde errichtet. 1973 zügelte die Verwaltung auf das Stöckli in das alte Schulhaus und seit 1987 ist diese im neuen Gemeindehaus am Dorfplatz domiziliert. Das alte Haus ist also seit 40 Jahre wenig genutzt, wurde verschiedentlich noch als Wohnraum beansprucht und für verschiedene Ausstellungen.

Der Bau forderte vor über 160 Jahren die Gemeinde stark heraus. Es wurden dringend Armenwohnungen benötigt. Deren zwei konnten in Kombination mit dem Versammlungslokal, dem Gemeinderatszimmer, dem Archiv und der Arrestzelle errichtet werden. Interesse hatten aber acht verarmte Familien angemeldet.

Armenhäuser waren damals auch in kleinen Gemeinden üblich, nicht aber spezielle Bauten für die allgemeinen Gemeindebedürfnisse. In der Regel wurde direkt im Dorfschulhaus noch ein Sitzungszimmer eingebaut, ein Archiv und eine Arrestzelle. Alle Verwaltungstätigkeiten wurden in Privathäusern ausgeübt und in der Regel im Nebenamt.

Wegen der schwierigen Platzverhältnisse auf dem Stöckli entschlossen sich die Wölflinswiler damals für ein eigenes Gemeindehaus mit zwei Armenwohnungen im Dorfkern. Die kleine, bäuerlich geprägte Gemeinde hatte an den Erstellungskosten lange zu nagen. Es vergingen Jahre, bis alle Handwerkerrechnungen bezahlt werden konnten. Entsprechend wurde sparsam, ohne Schnickschnack und zweckmässig gebaut. Man musste sparen und sich auf das Nötigste beschränken.

Nutzer ist seit einiger Zeit der gemeinnützige Verein Dorf plus, welcher auch Träger ist für die Natur- und Kulturwoche, welche 2014 vor Pfingsten zum 4. Mal stattfindet. Für Ausstellungen, Vorträge, Sitzungen, als Werkstatt und Begegnungsort ist das Haus in zentraler Lage im Dorf gut geeignet. Zudem spricht der Gebäude-Typus, ein klassisches Jurasteinhaus, für die Erhaltung.

Der Ortskern hat in Wölflinswil den Rang eines Ortsbildes von nationaler Bedeutung und ist von Jurasteinhäusern geprägt. Aber wo sind da Einnahmen für Nutzung und Investitionen? Kulturträger sind wichtig, aber sie haben wenig oder kein Geld. Die Gemeinde als Eigentümerin hat bei einem Steuerfuss von 122 Prozent und bei vielen Pflichtaufgaben für diesen kulturellen Wunschbedarf verständlicherweise wenig Spielraum. Trotzdem hat der Gemeinderat nun grünes Licht gegeben für eine sanfte Renovation im Erdgeschoss.

Der Verein Dorf plus hat sich verpflichtet, mit Freiwilligenarbeit, Arbeitseinsätzen im «Gemeindewerklohn» und mit Sponsoring mindestens zur Hälfte die Kosten mitzutragen. Für 2014 stehen nun 25 000 Franken von der Gemeinde (Unterhaltsbudget) zur Verfügung und der Verein Dorf plus kann dank Sponsoring bereits einen Beitrag in gleicher Höhe bereitstellen.

Mit der Beschränkung auf das Nötigste kann im Erdgeschoss eine Ausstellungsfläche von 120 Quadratmetern geschaffen werden. Dank neuen Fenstern und Pelletofen wird die Winternutzung besser möglich sein und für den weiteren Ausbau des Gebäudes, etwa Sanierung einer Wohnung im ersten Stock, werden keine Präjudizien geschaffen.

Bereits im Rahmen der 4. Natur- und Kulturwoche vom 30. Mai bis 8. Juni 2014 wird das Haus mit zwei Ausstellungen durch einheimische Kunstschaffende genutzt werden, dies unter Einbezug der Umgebung, welche eine besondere Ambiance bietet.