Fricktal

Einst eidgenössische Beizenkultur, droht dem «Lotto»-Spiel jetzt das Aus

Pures Glück: Wer als Erster die Zahlen auf seiner Spielkarte in einem spezifischen Muster markiert, gewinnt.

Pures Glück: Wer als Erster die Zahlen auf seiner Spielkarte in einem spezifischen Muster markiert, gewinnt.

Wer Lotto anbietet, muss dafür Gebühren zahlen und diese will der Kanton anheben. Wird im Restaurant «Warteck» in Kaisten deshalb auf das «Fleisch-Lotto» verzichtet? Es wäre nicht das einzige Lokal in dem eine Tradition stirbt.

«Lottomatch» – vor einigen Jahrzehnten noch eine gern gepflegte Tradition der eidgenössischen Beizenkultur, fristet heute nur noch ein Nischendasein. Wirte, die diese Tradition hochhalten, sind mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Aufgrund der Lotterieverordnung muss der Veranstalter des Lottoevents eine kostenpflichtige Bewilligung beim Kanton einholen. Die Kosten für solche Bewilligungen sollen im Aargau angehoben werden. Dies hat den FDP-Parlamentarier Silvan Hilfiker auf den Plan gerufen, der kürzlich in einer Interpellation an den Aargauer Regierungsrat, die Frage nach dem Sinn dieser Bewilligungspflicht gestellt hat.

Ein Verein, der diese Lotto-Tradition gegenwärtig noch pflegt, ist der FC Laufenburg-Kaisten. Im Kaistener Restaurant «Warteck» veranstalten die Senioren des Fussballclubs dieses Wochenende ihr alljährliches «Fleisch-Lotto».

Schinken, Schüfeli und Speck

Auf der Preisliste stehen regionale Nahrungsmittel: «Der Verein hat beispielsweise Schinken, Schüfeli und Speck beim Metzger eingekauft», erzählt Lukas Rehmann von den Senioren des FC Laufenburg-Kaisten. Daneben gibt es weitere Genussmittel von lokalen Anbietern zu gewinnen, wie Wein, Most, Zopf, Früchtekörbe und Brot.

Doch nicht nur die Fussballer selbst sollen am Lotto teilnehmen, sagt Rehmann: «Von unseren Senioren werden etwa 15 bis 20 mitmachen, daneben sind aber auch einheimische Bürger und auswärtige Personen gern gesehene Gäste.»

Ziel der Veranstaltung sei neben dem geselligen Zusammensein, die einheimischen Lebensmittelbetriebe und Produkte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wie viele Besucher zu der Lottoveranstaltung kommen werden, kann Rehmann nicht sagen: «Dies ist vom Wetter abhängig. Bei Sonnenschein wird sich die Teilnehmerzahl wohl in Grenzen halten.» In jedem Fall sei das «Fleisch-Lotto», das seit etwa 20 Jahren durchgeführt wird, ein Anlass, der sich im Dorf fest verankert habe. Das Lotto öfters als einmal durchzuführen, hält Rehmann jedoch für wenig sinnvoll: «Ich glaube, dafür fehlt einfach das Bedürfnis.»

Auch Arthur Eiholzer, Wirt des «Feldschlössli» in Hornussen, ist überzeugt, dass der «Lottomatch» heutzutage nur noch eine Randnotiz im Gastgewerbe sei: «Bei mir führt einmal im Jahr der Rad- und Motorfahrerverein Hornussen einen Lottoevent durch. Das war es dann aber auch schon.» Aus Erfahrung weiss der langjährige Wirt, dass vor Jahrzehnten in den Beizen diese geselligen Gewinnspiele öfters durchgeführt worden seien. Als Grund nennt der Gastronom das mangelnde Bedürfnis der Menschen: «Die Leute verbringen ihre Freizeit lieber zu Hause vor dem Fernseher und Computer und treffen sich virtuell auf Facebook. Für solche geselligen Runden, bei denen man sich vor Ort trifft, herrscht mangelndes Interesse.»

Bürokratische Hürden

Michael Schmid führt in seinem Landgasthof «Krone» in Wittnau Lottospiele gar nicht durch: «Solche Veranstaltungen fallen unter das Lotteriespielgesetz, kosten Zeit und Geld, sind aufwendig und deshalb nur wenig lukrativ für das Gastgewerbe.»

Ebenso erklärt Tanri Verde vom Gasthaus «Adler» in Frick: «Wir haben so etwas noch nie durchgeführt und auch noch keine Anfragen diesbezüglich von Vereinen erhalten.» Zudem sei der bürokratische Aufwand, den man für solch einen Anlass auf sich nehmen muss, sehr müssig.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1