Storchenzug
Einmal Afrika, zweimal Spanien: Jungstörche Zoé und Camino auf Reisen

Drei Störche aus dem Fricktal tragen einen Sender und übermitteln täglich ihren Standort. Zoé macht seit Sonntag keinen Wank. Ein Grund zur Beunruhigung?

Thomas Wehrli
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Bereit zum Abflug: Jungstorch Camino.

Bereit zum Abflug: Jungstorch Camino.

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Zoé, der Jungstorch aus Rheinfelden, macht keine Regung. Seit vier Tagen zeigt sein Sender den immer gleichen Standort an: ein Feld in der Nähe von Oulad Chraâ in Marokko. Zoé ist Teil des Projekts «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» und wurde Mitte Juni im Alter von acht Wochen auf dem Storchenturm in Rheinfelden beringt und mit einem Sender ausgestattet. Seither übermittelt der «Datenlogger» zweimal pro Tag den Standort des Jungstorchs.

Nur eben: Seit Sonntag scheint Zoé keinen Meter mehr geflogen zu sein. Ist etwas passiert? Der Kaiseraugster Storchenvater Urs Wullschleger, der jeden Abend im Internet nach Camino schaut – der Jungstorch vom Gasthaus Adler trägt ebenfalls einen Sender – ist beunruhigt. «Kein gutes Zeichen», sagt er. Auch Stephan Kaiser vom Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden «rechnete mit dem Schlimmsten», als er sah, dass Zoé keinen Wank mehr tat. Ein Anruf bei der Gesellschaft Storch Schweiz, die das Projekt betreut, konnte ihn beruhigen. Da das Mobilfunknetz in Marokko viele Löcher hat, kommt es vor, dass keine Daten übermittelt werden können. Der Sender zeichnet die Standorte jedoch weiterhin auf – und übermittelt sie beim nächsten Netzkontakt.

Zoé flog am 7. Oktober über die Strasse von Gibraltar

Zoé flog am 7. Oktober über die Strasse von Gibraltar

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Kaiser geht denn auch davon aus, dass es Zoé gut geht. «Zoé macht es bislang sehr gut. Wir sind schon etwas stolz auf sie.» Das dürfen die Rheinfelder Natur- und Vogelschützer auch sein, denn Zoé ist neben Hubertus aus Biel-Benken bislang der einzige in diesem Jahr besenderte Jungstorch, der nicht in Spanien hängengeblieben ist, sondern den Sprung nach Afrika geschafft hat. Der Lohn ist ein reich gedeckter Tisch: «In Afrika ernährt sich Zoé von Grossinsekten.» Auf dem Speiseplan stehen vor allem Heuschrecken.

Frösche auf dem Speiseplan

Viele der Störche dagegen, die wie Camino in Spanien hängen bleiben, überwintern in der Nähe einer Mülldeponie und ernähren sich hauptsächlich von Abfall. «Das bekommt ihnen nicht gut», weiss Urs Wullschleger. Er ist deshalb froh, dass Camino (derzeit) nicht nur auf Müll setzt: Der Storch aus Kaiseraugst hält sich seit einigen Wochen in der Nähe von Lleida auf. Zoomt man auf der Satellitenkarte nahe heran, sieht man, dass er sich oft in einem seichten Weiher oder Tümpel aufhält. «Hier dürfte er sich von Fröschen oder Kaulquappen ernähren», mutmasst Wullschleger. Allerdings macht Camino zusammen mit anderen Störchen auch immer wieder Abstecher zur Mülldeponie, die südlich der Stadt mit knapp 140 000 Einwohnern liegt.

Camino hält sich seit mehreren Wochen in Nordspanien auf

Camino hält sich seit mehreren Wochen in Nordspanien auf

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Ob Camino in Katalonien bleibt oder ob es ihn weiter nach Süden zieht, «hängt auch vom Wetter ab», sagt Wullschleger. Dass man sehr gut in Spanien überwintern kann, zeigt Malou II, der dritte Storch mit Sender aus dem Fricktal. Er wurde 2014 als sogenannter Altvogel in Möhlin besendert und «pendelt» zwischen seiner Sommerresidenz in Möhlin und seinem Winterquartier bei Alcázar de San Juan, einer Stadt mit 32 000 Einwohnern südlich von Madrid, hin und her. In Spanien trifft man auch ihn nicht auf einer Mülldeponie an, sondern bei drei Seen.

Wullschleger wie Kaiser werden die Reise ihrer Störche im Internet täglich weiterverfolgen. Sie beide eint eine Hoffnung: «Dass die Störche die Zeit im Süden überleben und gesund in die Region zurückkehren.»