Detailhandel
Einkaufstourismus und Onlineshopping: Wie stark leidet die Fricktaler Modebranche?

Zwei Detailhändlerinnen stemmen sich mit Erfolg gegen das veränderte Kaufverhalten in der Modebranche.

Dennis Kalt
Merken
Drucken
Teilen
Seit 40 Jahren betreibt Rosmarie Heid mit dem «Mikado» zwei Modegeschäfte in Stein (Bild) und in Möhlin. Dennis Kalt

Seit 40 Jahren betreibt Rosmarie Heid mit dem «Mikado» zwei Modegeschäfte in Stein (Bild) und in Möhlin. Dennis Kalt

Als Rosmarie Heid ihre Modeboutique Mikado eröffnete, gingen Schlaghosen, Rüschenhemden und Plateauschuhe über die Ladentheke. Vier Jahrzehnte später sind diese Kleidungsstücke längst aus dem Warensortiment verschwunden, die Steiner Modeboutique und Rosmarie Heid sind jedoch immer noch da.

Heid kann aber nicht verhehlen, dass für das «Mikado» durch die Umstellung der D-Mark auf den Euro und die Aufwertung des Frankens die Zeiten rauer geworden sind. «Früher deckten sich viele Kunden aus Deutschland bei uns ein. Heute findet jedoch kaum noch jemand aus dem Nachbarland den Weg zu uns – es sei denn, er ist etwas besser betucht.» Hinzu kommt, dass seit der Frankenaufwertung viele Menschen aus dem Fricktal den Gang über die Grenze gerne in Kauf nehmen: «Das spüre ich schon», sagt Heid.

Dank der langjährigen Treue ihrer Kunden wehrt sie sich gegen diese rauen Zeiten: «Die Kunden sind mit mir alt geworden», sagt sie. 1977, als Heid mit Ende 20 die Modeboutique eröffnete, war sie in der Region gut vernetzt. «Der Kundenstamm bestand aus vielen Bekannten, die zwischen 25 und 35 Jahren alt waren. Ein grosser Teil von damals kauft noch heute bei mir ein», sagt Heid.

Beratung ist Trumpf

Ein Vorteil dabei ist, dass Heid viele ihre Kunden seit Jahren kennt und weiss, was diese wollen. «Es ist wichtig, dem Kunden nichts aufzuschwatzen, sondern ihn ehrlich zu beraten. So sorgt man für seine Zufriedenheit und dafür, dass er immer wieder kommt», sagt Heid und schiebt nach: «Gerade wegen unserer massgeschneiderten Beratung ist der Online-Handel für uns weniger ein Problem.»

Um die Kunden zu halten, versucht Heid, ihre Mode auch erlebbar zu machen. So werden Modeapéros im Geschäft veranstaltet oder Modeschauen an der Steinermäss in Stein oder der Hela in Laufenburg durchgeführt. «Inwiefern sich die Modeschauen auf unseren Boutique-Verkauf auswirken, ist schwierig zu sagen. Dennoch denke ich, dass wir uns beim einen oder anderen bekannt machen, der uns vorher noch nicht kannte», sagt Heid.

Nicht ganz so lange wie Heid, aber doch schon 24 Jahre, betreibt Yvonne Collin das Damenmodegeschäft Accessoire Cuir in Rheinfelden. «Um erfolgreich zu sein, muss man am Puls der Zeit bleiben», sagt sie. So reist Collin zwei Mal im Jahr auf Modemessen nach Mailand und berät sich mit ihren Lieferanten auf der Suche nach den Trends für die kommende Saison.

Zwar stellt für Collin der boomende Online-Handel eine Herausforderung dar, doch sie hadert nicht, im Gegenteil: «Auch wenn ich das Gefühl habe, eine Kundin schaut sich nur um, um den Artikel anschliessend online zu kaufen, berate ich sie. Denn wenn ich ihr weiterhelfen kann, kommt sie eventuell wieder und kauft das nächste mal ein Kleidungstück bei mir im Laden», erklärt sie.

Unabdingbar für Collin sind die guten und langjährigen Beziehungen zu ihren Lieferanten. Diese zahlen sich unter anderem dann aus, wenn mal ein Artikel nicht so gut läuft: «In einigen Fällen kann ich dann die Ware in Kulanz zurückgeben», sagt sie.

Eine Herausforderung für Collin ist es, zu Beginn der Saison die richtige Menge an Bekleidungsartikeln einzukaufen: «Man will ja weder darauf sitzen bleiben, noch, dass die Ware ausgeht», sagt sie. Doch gerade in der aktuellen Saison waren aufgrund des warmen und sonnigen Frühlings die leichten Hosen, Shirts und Kleider schnell ausverkauft. «Ich würde mir deswegen wünschen, dass die Lieferanten flexibler werden. Denn kurzfristige Nachbestellungen gehen heutzutage kaum», sagt Collin.