Nach Öffnung

Einkaufen! Die ersten standen bereits um 7 Uhr ennet der Grenze an

Kaum war am Montag die Grenze zu Deutschland offen, schwappte eine Welle Schweizer über den Rhein. 90 Minuten Wartezeit vor dem Paketshop in Bad Säckingen – auch das gab es.

7.30 Uhr, Zoll Bad Säckingen-Stein: Ein Ehepaar aus Eiken dürfte wohl zu den ersten Kunden der deutschen Zollstelle gehören. Für mehr als 100 Euro haben die beiden Lebensmittel in einem Bad Säckinger Einkaufsmarkt erstanden. Jetzt sind sie hier, um sich den Ausfuhrschein abstempeln zu lassen. Ihren Namen wollen sie nicht nennen. Aber sie sagen, sie seien sehr froh über die wieder offene Grenze. Sich zuhause beim Grossverteiler einzudecken, sei zwar «auch gegangen», aber die höheren Preise in der Schweiz wollten sie auf Dauer nicht hinnehmen.

Für 130 Euro hat Peter Gyger aus Kienberg (SO) eingekauft –«wie vor der Krise», wie er sagt. «Seit dem Lockdown, also seit Mitte März, bin ich das erste Mal wieder in Deutschland, um einzukaufen», beteuert er.

Einkaufstouristen nutzen die Gelegenheit, in Deutschland einzukaufen

Einkaufstouristen nutzen die Gelegenheit, in Deutschland einzukaufen

Im grenznahen südbadischen Raum waren die Einkaufsmärkte bereits am ersten Tag der Grenzöffnung wieder proppenvoll.

Nach drei Monaten ist der Lockdown zu Ende. Deutschland und die Schweiz haben ihre Grenzen wieder geöffnet. Einkaufstourismus ist auch ohne einen triftigen Grund wieder möglich. Und die Schweizer machten regen Gebrauch davon – gleich am ersten Tag der Öffnung und auch schon in den frühen Morgenstunden.

Einkaufswagen für jeden Kunden

Bad Säckingen, Brennet-Park, mit Schmidts Markt, Aldi, Lidl und Fressnapf ein Magnet für die Schweizer Einkaufstouristen, 7. 45 Uhr: Vor Aldi und Lidl stauen sich die Kunden. Es herrscht Konfusion wegen der Höchstzahl der im Markt erlaubten Personen. So manchen Schweizer stört es, dass jede Person einen Einkaufswagen mitnehmen muss. Helmut Hiss aus Zeiningen wartet lieber auf dem Parkplatz, bis seine Frau mit dem Einkauf fertig ist. Ein Paar aus dem Kanton Solothurn kommt mit zwei voll beladenen Einkaufswagen zurück zum Auto. Interview? Nein danke. Foto? Bloss nicht. Anonym bleiben möchte auch eine Frau aus Schupfart. «Ich habe gerade für 200 Euro eingekauft.» Sie hat Zeit, an einem Montagmorgen shoppen zu gehen: «Ich habe mir für heute auch extra frei genommen.»

Die ruhige Zeit während der Coronapandemie – in und rund um Bad Säckingen gehört sie endgültig der Vergangenheit an. War der Brennet-Park-Parkplatz in den vergangenen Wochen fast leer, sind es jetzt, am Montag gegen 10 Uhr, schon wieder rund 100 Autos, davon etwa die Hälfte mit Schweizer Kennzeichen. Alles ist vertreten – hauptsächlich AG, aber auch Kontrollschilder von weiter weg.
SG, SO, GR, LU, BE – Autos mit diesen Nummernschildern findet man auf dem Parkplatz des Discounters Kaufland in Rheinfelden. Drin steht Robert Pekaj aus Luzern. 180 Kilometer hin und zurück – für ihn kein Problem. Sven Dangers aus Fulenbach (SO) hat es nicht so weit. Er ist im Rheinfelder Kaufland so ziemlich der Einzige, der sich als Einkaufstourist outen will. Es ist offenbar nichts, worauf man besonders stolz wäre.

15'000 Pakete können bei deutscher Lieferadresse endlich abgeholt werden

15'000 Pakete können bei deutscher Lieferadresse endlich abgeholt werden

Rund 15'000 Pakete haben Schweizerinnen und Schweizer an eine Lieferadresse im deutschen Bad Säckingen bestellt.

Bad Säckinger Gastronomie merkt noch nicht viel

In der Bad Säckinger Innenstadt ist von der Grenzöffnung noch nicht so viel zu merken. Zwar kommen jetzt wieder Novartis-Mitarbeiter aus Stein in der Mittagspause rüber. Aber noch wenige zu Gabriele Zimmermann vom Restaurant Culinarium. «Scheinbar ist das Essengehen bei den Schweizern im Moment noch nicht so wichtig.»

Dafür aber das Abholen von Paketen. MyPaketshop-Inhaber Simon Kühn: «Von 9 bis 11 Uhr wurden heute bei mir 1000 Pakete abgeholt, so viele wie sonst an einem ganzen Tag.» Bis zu 90 Minuten mussten Kühns Schweizer Kunden dafür in der Schlange stehen. 15000 Pakete hatten sich bei ihm angesammelt.

Auch im Laufenburger Laufenpark ist schon kurz nach der Öffnung viel los: Um zehn Uhr ist der Parkplatz zu gut zwei Dritteln mit Schweizern gefüllt. Allein, zu zweit, zu dritt strömen sie in den Lebensmittelladen. Heraus kommen sie meist mit mindestens einem proppevoll gefüllten Einkaufswagen und genervt vom obligatorischen Maskentragen in den Läden. Gepilgert wird für Katzen- oder Hundefutter, das in der Schweiz viel zu teuer sei, ebenso für Rohschinken, Kosmetika und Getränke. Dabei meint eine Einkäuferin, dass sie aus dem Lockdown durchaus etwas mitnehme: «Einkaufen in der Schweiz ist viel stressfreier», bilanziert sie.

Am Zoll ist man zufrieden mit dem Morgen nach der Grenzöffnung. Etwa 300 Ausfuhrscheine unter 275 Euro habe man bereits gestempelt, sagt das Zollamt, das sei ein guter Anfang.
Aufmerksam die Lageentwicklung verfolgen will die Eidgenössische Zollverwaltung, wie Mediensprecher Matthias Simmen betont.

Öffnung der Grenzen: Zurück zur Normalität

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Am Montag öffnet die Schweiz für EU- und Efta-Bürger wieder ihre Landesgrenzen. Damit kehrt wieder ein Stück Normalität ein. Besonders in Deutschland wartet der Detailhandel auf die Schweizer Einkaufstouristen.

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