Seit gut fünf Jahren bevölkern Schwarzmeergrundeln den Rhein bei Basel, und inzwischen können sie schon bis zum Kraftwerk Rheinfelden festgestellt werden. Ein erstes Exemplar wurde sogar schon im Umgehungsgewässer des Kraftwerks gesichtet, wie Roxane Muller vom Grundel-Forschungsteam der Universität Basel und David Bittner, Fachspezialist Fischerei beim Kanton Aargau, übereinstimmend berichten.

Rolf Bürgi, Präsident des Fischereivereins des Bezirks Rheinfelden, spricht von einem «beängstigend grossen Bestand» unterhalb des Kraftwerks Rheinfelden. «Beim Fischen mit Reusen fangen wir teilweise 50 bis 70 Exemplare pro Tag.»

Grundeln sind Laichräuber

Die fremden Fische – sie wurden wohl durch Frachtschiffe in die Region eingeschleppt – bedrohen dabei die einheimischen. Noch könnten die Auswirkungen der Schwarzmeergrundeln auf die lokale Fauna nur geschätzt werden, sagt David Bittner. Aber: «Es sind massive Reproduktionsausfälle von einheimischen Fischarten zu erwarten. Das Schadenpotenzial ist insgesamt sicherlich sehr hoch.»

Den Grund dafür erklärt Roxane Muller: «Schwarzmeergrundeln sind Laichfresser und konkurrenzieren die einheimischen Arten beim Kampf um Futter und Laichplätze.» Zudem könnten sie im Gegensatz zu den einheimischen Fischarten drei- bis viermal jährlich laichen und deshalb schnell grosse Populationen bilden. Tatsächlich zeigt ein Blick in die Fischfangstatistik des Kantons Basel-Stadt, dass dort 2015 rund dreimal so viele Grundeln gefangen wurden wie Exemplare von allen einheimischen Fischarten zusammen. Die Behörden haben mittlerweile den Kampf gegen den aggressiven Neuankömmling aufgenommen. Im letzten Jahr hat das Bundesamt für Umwelt zusammen mit beiden Basel und der Uni Basel ein Merkblatt veröffentlicht, das helfen soll, die Verbreitung der Schwarzmeergrundeln zu stoppen. Auch der Aargau hat laut David Bittner bei der Ausarbeitung mitgeholfen und die Merkblätter in den betroffenen Gebieten verteilt.

Grundeln sind essbar

Entgegen kommt den Behörden im Kampf gegen die Verbreitung, dass die Schwarzmeergrundeln schwimmfaul sind. Sie verbreiten sich jedoch passiv – etwa durch Eier, die am Rumpf von Booten kleben. «Es ist deshalb wichtig, die Boote vor dem Transport gut zu waschen», betonte Roxane Muller. Zudem dürfen die invasiven Schwarzmeergrundeln beim Angeln keinesfalls als Köder verwendet werden.

Für die Fischer gilt der Grundsatz, dass Schwarzmeergrundeln nach dem Fang sofort getötet werden müssen. Die Fische wären auch durchaus essbar, allerdings ist die kulinarische Nutzung in unseren Breitengraden noch nicht so bekannt.