Historisches Fest

Eine Zeitreise nach Rheinfelden zeigt: Das Mittelalter ist alles andere als finster

Das zweite Mittelalterfest in Rheinfelden lockte Zeitreisende übers Wochenende in Scharen in die malerische Altstadt.

Eintauchen in die teils wilde, recht abenteuerliche Zeit des Mittelalters (500-1500 n. Chr.) konnten am Wochenende die vielen Besucher von nah und fern beim zweiten Mittelalterfest in der schönen Rheinfelder Altstadt. Dabei stimmten nicht nur Flair und Atmosphäre, auch die Gäste waren von dieser Idee so angetan, dass sie selbst als Räuber, Ritter oder Burgfräulein verkleidet durch das farbenfrohe Treiben schlenderten. 2016 erstmals von der Stadt organisiert, war das Fest so erfolgreich, dass dieses Konzept fortgesetzt wird.

Ausgelassen fröhliche Stimmung überall. Auf zwei Bühnen spielten verschiedene Musikformationen auf Dudelsäcken, Schalmeien, arabischen Lauten, irischer Bouzuki und anderen Instrumenten traditionelle, alte Volksstücke aus Europa und dem Orient, sangen von einer Zeit, in der es damals nicht ganz so fröhlich zuging wie an diesem Wochenende.

Arm, bunt und faszinierend

Das Mittelalter war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen und grosser Armut der meisten Menschen. Jedoch entstanden im Hochmittelalter auch viele neue Handwerksberufe. Bunt und faszinierend zeigten die Marktfahrer in ihren Ständen, wie geschickt und mit ganz einfachen Hilfsmitteln wunderschöne Produkte entstanden. Handgefertigte Kleidung aus Samt und Seide, aus Fellen, Filz, etwas kratzigem Leinen oder sperrigem Leder waren zu bestaunen und natürlich auch zu kaufen. Edelsteine und Talismane, die vor Bösem schützen sollen, in mühevoller Kleinarbeit angefertigter Schmuck, aussergewöhnliche Lampen, Reiterbogen Holzwaren und vieles mehr wurde angeboten.

Wahrsagen und Magie spielten damals eine grosse Rolle. So überzeugte Salbenmacherin Sibilla ihre Kundinnen von der schön machenden Wirkung ihrer Kräuternäpfchen und Mahara, die türkische Kaffeesatzleserin, sagte goldene Zeiten voraus. Fahrende Theaterleute zeigten ein Spiel von Liebe und Betrug, die Gauklergilde begeisterte mit Akrobatik, Jonglage und Illusionen. Jung und Alt konnte das atemberaubende Geschehen von Sagen und Mythen verfolgen, sich jedoch auch aktiv an den Freizeitbeschäftigungen von damals versuchen.

Mit Geschick konnten Eier geknackt werden, die Kinder kraxelten auf den Söldnerturm und die etwas Älteren durften Äxte werfen. Kulinarische Spezialitäten luden zum Schlemmen ein, wie zum Beispiel die Dinnede, ein unterschiedlich belegter, heisser Brotfladen, der im Mittelalter als ein schnelles Essen am Brotbacktag galt. Auch die leckeren Angebote vom Hanfbeck waren eine Köstlichkeit. Hanfmehl, hergestellt aus Hanfsamen, wurde früher, mit Weizen- oder Dinkelmehl vermischt, oft verwendet und galt als besonders gesund.

Mitten im prallen Leben

Eine besondere Attraktion war das quirlige, mittelalterliche Lagerleben mit vielen Zelten auf dem Rasen im Spickel zwischen Bahnhofstrasse und Schützenweg. In der Rumpelküche rührte ein etwas furchteinflössender Geselle im Topf über dem offenen Feuer, ein Schmied stellte diverse Kampfwerkzeuge her, eine kleine Korbflechterin wurde bei ihrer Arbeit musikalisch begleitet von einem Hirten auf seiner Obertonflöte, es gab Schlaf- und Gemeinschaftszelte. Jungen und Mädchen erlernten das Bogenschiessen, Schaukämpfer gingen nicht eben zimperlich mit Schwert und Axt aufeinander los.

Wer Lust hatte, konnte an Kirchturmführungen teilnehmen, die alte Stadtmauer besteigen oder sich bei der Henkerführung das Gruseln lehren lassen. Folter und Hinrichtungen waren im Mittelalter fast Alltag. Die Ausstellung «Griff nach den Sternen» in der Ringmauerscheune führte zurück in die Zeit von 1415-1430, als die Eidgenossen in den heutigen Aargau einmarschierten. Rheinfelden allerdings gehörte erst ab 1803 dazu.

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