Eishockey

Eine unverhoffte Ehre für eine Fricktaler Exotin auf dem Eisfeld

Sandra Thalmann träumt vom Ausland: Sie will wenigstens für ein paar Jahre von ihrem Sport leben können. Fabio Baranzini

Sandra Thalmann träumt vom Ausland: Sie will wenigstens für ein paar Jahre von ihrem Sport leben können. Fabio Baranzini

Nationalspielerin Sandra Thalmann gewann den Kantonalbankpreis Baselland. Die Karriere der 22-Jährigen startete einst im Fricktal – beim EHC Rheinfelden. Begonnen, Eishockey zu spielen, hat sie noch früher: mit vier Jahren.

Als Sandra Thalmann am Telefon die Nachricht erhielt, erschrak sie. Man teilte ihr mit, sie hätte den mit 15 000 Franken dotierten Kantonalbankpreis Baselland gewonnen und fragte, ob sie denn diesen Preis akzeptiere und persönlich abholen könne.

Der erste Schreck verwandelte sich sofort in Freude. «Ich war sehr überrascht, dass man bei dieser Wahl an mich gedacht hat. Das ist eine grosse Ehre und eine Wertschätzung für all die Arbeit, die ich seit Jahren in meinen Sport stecke», so Thalmann. Dass sie ihr Training absagte, um den Preis persönlich entgegenzunehmen, versteht sich von selbst.

Als Eishockeyspielerin ist Sandra Thalmann in der Schweiz eine Exotin. Nur rund 1100 lizenzierte Spielerinnen stehen hierzulande auf dem Eis. In der Nationalliga A kämpfen sechs Teams um den Titel, wobei die Stärkenverhältnisse in der Liga sehr unterschiedlich sind, sodass eine ausgeglichene Meisterschaft Wunschdenken bleibt.

Ein teures Hobby

Thalmann spielt seit zwei Jahren für den SC Reinach in der höchsten Schweizer Spielklasse. Obwohl sie als Nationalspielerin und Olympia-Bronzemedaillen-Gewinnerin eine absolute Leistungsträgerin ihres Teams ist, verdient sie nichts.

Im Gegenteil: Für eine Saison muss die 22-Jährige für Material, Trainings und Reisekosten rund 6000 bis 9000 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen. Einzig bei ihren Einsätzen im Nationalteam, zu dem Thalmann seit 2009 fix dazugehört, werden sämtliche Spesen übernommen.

Gemessen am Aufwand – Thalmann investiert rund 15 Stunden pro Woche für ihren Sport – ist das ein äusserst geringer Lohn. Warum also nimmt sie das alles auf sich?

«Eishockey fasziniert mich einfach. Die Sportart ist komplex und sehr schnell. Es reicht nicht, einfach nur gut Eislaufen zu können, auch die Technik, die Taktik und das Zusammenspiel im Team spielen eine wichtige Rolle», sagt Sandra Thalmann und fügt hinzu: «Aber man braucht fürs Fraueneishockey schon auch ein grosses Stück Idealismus, um so viel zu investieren und fast keine Gegenleistung zu erhalten. Und man muss sich immer wieder durchsetzen und kämpfen.»

Der Traum vom Ausland

Dass sie sich durchsetzen kann, hat Sandra Thalmann eindrücklich bewiesen. Da ihre beiden älteren Brüder ebenfalls Eishockey spielten, stand sie bereits im Alter von vier Jahren auf dem Eis.

Beim EHC Rheinfelden durchlief sie die untersten Juniorenabteilungen, wechselte dann zum EHC Zunzgen-Sissach und wurde ab ihrem zwölften Altersjahr von der Leistungssportförderung Baselland unterstützt. Der Trainingsumfang wurde stetig ausgebaut und Sandra Thalmann absolvierte nach der Schule eine Sportlerlehre als Konstrukteurin.

Bis sie 18 war, trainierte sie ausschliesslich mit den Jungs – meist als einziges Mädchen. Juniorinnenteams gab es keine. Das war nicht immer einfach. «Ein paar Spieler hatten kein Problem, dass ich im Team war.

Andere Spieler und vor allem auch einige Eltern hatten jedoch gar keine Freude», erinnert sich Thalmann. Und so hätte es eine Zeit gegeben, in der sie sich gefragt habe, weshalb sie den ganzen Aufwand überhaupt betreibe, wenn sogar ihr eigenes Team nicht hinter ihr stehe. Doch die Liebe zum Eishockey siegte und Sandra Thalmann biss sich durch.

Heute wohnt sie in Sursee und absolviert eine Zweitausbildung als Konstrukteurin. Neben den Eishockey-Trainings bei den Frauen des SC Reinach spielt sie auch noch bei den ältesten Junioren des EHC Sursee.

In ein oder zwei Jahren möchte Sandra Thalmann den Schritt ins Ausland wagen. «Entweder in Finnland oder in Schweden möchte ich als Eishockeyspielerin Fuss fassen und zumindest für kurze Zeit von meinem Sport leben können», blickt sie in die Zukunft. Es wäre der verdiente Lohn, für die viele Arbeit, die Sandra Thalmann in ihren Sport gesteckt hat.

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