«Freie Lehrstelle. Ab August 2016.» Das Schild steht vor dem Volg-Laden in Möhlin Riburg. Die Lehrstelle als Detailhandels-fachmann, die Volg in der Filiale in Möhlin bietet, konnte bis jetzt noch nicht besetzt werden. «Dies ist nicht ungewöhnlich. Wie die Erfahrung zeigt, ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Detailhandel generell im Frühling am höchsten», sagt Volg-Sprecherin Tamara Scheibli.

Tatsächlich: Mit der freien Lehrstelle steht Volg rund zwei Monate vor Lehrbeginn nicht alleine da. Bei den Detailhändlern Coop und Migros sind ebenfalls noch Lehrstellen ausgeschrieben: Jeweils eine in der Coop-Filiale in Magden (Richtung Nahrungs- und Genussmittel) und in Frick (Fleischwirtschaft) sowie in den Migros-
Filialen in Rheinfelden (Flower) und Stein (Nahrungs- und Genussmittel). Auch hier ist alles normal: «Die Stellenbesetzung läuft in der Regel bis Ende Juni», sagt Nadja Ruch, Mediensprecherin bei Coop.

Kein Wunder also gehört der Bereich Verkauf im Aargauer Lehrstellennachweis (Lena) zu den Berufsgruppen mit den meisten freien Lehrstellen im Kanton (169 von 597; siehe Kontext). Auch in den vergangenen Jahren zählte der Verkauf zu jenen Sparten, in denen am Stichtag Mitte Mai noch die meisten Lehrstellen frei waren.

Textil statt Lebensmittel

«Der Traumberuf ist für junge Frauen und Männer nach wie vor im kaufmännischen Bereich angesiedelt», sagt Yolanda Métrailler vom Berufs-Beratungsdienst ask in Rheinfelden. Am Detailhandel bemängelten die Jugendlichen hingegen einerseits die Arbeitszeiten, andererseits die Zukunftsperspektiven. «Auch die Jugendlichen kriegen mit, dass die Konjunktur für den Detailhandel derzeit schlecht ist und die Beschäftigungsmöglichkeiten beschränkt sind», sagt Métrailler.

Ausserdem zeichnet sich eine Tendenz ab. «Wir stellen fest, dass Verkaufs-Ausbildungen im Bereich Kleider und Textil momentan stärker im Trend liegen als Ausbildungen im Bereich Lebensmittel», sagt Volg-Sprecherin Scheibli.

Merken die Jugendlichen allerdings, dass sie in ihrem Traumberuf keine Lehrstelle finden, schwenken viele um – auch in den Bereich Lebensmittel. Dort aber hat oftmals niemand auf sie gewartet. «Es gibt Unternehmen, die lieber eine Lehrstelle nicht besetzen, als einen Lehrling einzustellen, der ihren Anforderungen nicht entspricht», sagt Métrailler. «Die Unternehmen achten nicht nur auf die schulischen Leistungen, sondern auch auf die sozialen Kompetenzen, das Dienstleistungs-Bewusstsein sowie die Umgangsformen.»

Die Bestätigung liefert Coop: «Wir besetzen die Lehrstellen nur, wenn wir dafür auch einen geeigneten Kandidaten haben», sagt Sprecherin Nadja Ruch. Andernfalls bleibt die Lehrstelle frei. «Manchmal können wir eine freie Stelle später besetzen, weil wir Lernende übernehmen, denen die Lehre in anderen Betrieben nicht entsprochen hat.»