Fricktal
Eine Spitex für das ganze Fricktal

Der Planungsverband Fricktal Regio stellt seine Vision für die ambulante Langzeitpflege vor. Eine Untersuchung zeigt nämlich: Um den künftigen Arbeitsaufwand bewerkstelligen zu können, müssten fast 110 Vollzeitstellen mehr angeboten werden können.

Marc Fischer
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Fakten und Visionen: Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden, an der Fricktalkonferenz. mf

Fakten und Visionen: Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden, an der Fricktalkonferenz. mf

Die Zahlen sprechen für sich. Bis ins Jahr 2035 wird im Fricktal die Zahl der über 65-Jährigen um rund 16000 Personen oder um 129 Prozent ansteigen. In Kenntnis dieser Zahlen hat der Planungsverband Fricktal Regio eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit der Bedarfsplanung in Langzeitpflege und Betreuung befasste. Erste Resultate und Visionen wurden nun im Rahmen der 4.Fricktalkonferenz präsentiert.

Die Vision einer Spitex für das gesamte Fricktal entstand aus diversen Gründen, wie Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden und Mitglied der Arbeitsgruppe, ausführte. «Der Wunsch der älteren Menschen ist es, möglichst lange in der eigenen Wohnung leben zu können», so Mazzi, der eine Umfrage aus Kaiseraugst zitierte, wonach über 90 Prozent der befragten Senioren diesen Wunsch geäussert hatten.

Pflegedienste stehen vor Herausforderungen

Aufgrund der einleitend beschriebenen demografischen Entwicklung stellt dies auch die Pflegedienste in Zukunft vor Herausforderungen. Mazzi präsentierte die hochgerechneten Zahlen: Bis im Jahr 2035 müssten die Spitex-Organisationen aus der Versorgungsregion Fricktal – derzeit sind es elf an der Zahl – fast 288000 Arbeitsstunden pro Jahr leisten. Um dies zu bewerkstelligen, müssten fast 110 Vollzeitstellen mehr angeboten werden können. Geht man vom heutigen Beschäftigungsgrad der Spitex-Angestellten aus, bedeutet dies, dass statt der heute für die Spitex tätigen 240 Personen rund 550 Personen im Einsatz stehen müssten.

Mit dem Beispiel des Kantons Waadt illustrierte Mazzi, dass es sich lohnt, in die Spitex zu investieren und sich am Wunsch der Senioren nach ambulanter Pflege zu orientieren. Im Kanton Waadt wird nämlich deutlich mehr in die Spitex investiert als in der Restschweiz. Durch die Investitionen in die Spitex lassen sich weitaus grössere Investitionen in Pflegeheime und -betten vermeiden. Ein weiterer Input aus der Stadt Bern, wo nur noch ein Spitexverein mit 13 Regionen tätig ist, führte schliesslich zur Vision einer Spitex-Organisation für das gesamte Fricktal. «Hinzu kam», so Mazzi, «dass vier der elf Spitex-Organisationen im Fricktal bereits eine Regionalisierung beschlossen haben.» Deshalb hätte die Repla die Dolder Beratungen GmbH aus Hünibach BE beauftragt, eine Zusammenarbeit aller Spitex-Organisationen im Fricktal zu prüfen.

Ergebnisse einer Bestandesaufnahme

Im Rahmen eines «Werkstattberichts» präsentierte Peter Dolder die Ergebnisse seiner Bestandsaufnahme. Die Erhebungen ergaben, dass die grösste Fricktaler Spitex-Organisation kleiner ist als der nationale Durchschnitt. Unterdurchschnittlich sind auch der Beschäftigungsgrad der Mitarbeiter sowie die Zahl der Ausbildungsplätze. Derzeit fehlt zudem eine überbetriebliche Zusammenarbeit, sodass die elf Spitexen alle einen Vorstand benötigen und auch alle zentralen Dienste wie Finanzen oder Personalwesen separat organisieren.

Angesichts der gleichzeitig steigenden Anforderungen, wie zum Beispiel den vom Kanton geforderten Nachtdiensten, könne eine Regionalisierung Chancen bieten, so Dolder. Denkbar wäre eine Spitex für das ganze Fricktal mit einem Vorstand und einer Geschäftsleitung, aber mehreren Spitexzentren. Doch auch Agenturmodelle oder Modelle mit vertiefterer Koordination wären denkbar. Im Februar soll an einer Tagungvon Fricktal Regio über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle diskutiert werden.