Lügen haben kurze Beine, heisst es im Volksmund, doch manchmal sind sie etwas länger. Bricht dann das Kartenhaus zusammen, kann es ungemütlich werden, fantasievolles Improvisationstalent ist gefragt. So wie in dem Schwank «D Tante Jutta vo . . .» von Max Reimann und Otto Schwartz.

Eine Komödie, welche die Theatergruppe Münchwilen unter der Regie von Alex Waldmeier zeigt. Gewürzt mit allen Zutaten für einen vergnüglichen Abend, vom Schauspielerteam punktgenau zum Einsatz gebracht. Erfrischende Situationskomik, brisante Verwechslungen, Missverständnisse am laufenden Band, pfiffige Dialoge, unvergleichlich komische Mimik, entsprechende Gesten temporeich und mit viel Spielfreude dargeboten. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Zum Stück: Rechtsanwalt Nägeli (Urs Schumacher) hat einen anspruchsvollen Lebensstil. Noch immer ist er auf der Pirsch nach der richtigen Frau und das ist, wie er findet, enorm teuer. Als er vor ein paar Jahren in finanzieller Bedrängnis war, half Tante Jutta aus Kalkutta mit einer nicht ganz unerheblichen Summe immer am Geburtstag aus. Der geforderte Preis dafür: ein solider Lebenswandel mit einer ordentlichen Familie. Nun ja, Indien ist weit und Nägeli sehr ideenreich.

Schnell erfand er eine nichtexistente Ehefrau, einen Sohn und als Sahnehäubchen darauf einen Schwiegervater, den er grossherzig bei sich aufgenommen hatte. Doch in diesem Jahr will der Geburtstagsscheck einfach nicht eintreffen. Da hilft es auch nicht, wenn er immer und immer wieder sein leibesfülliges, gemütliches Hausfaktotum Ferdinand (Sven Kungler) danach fragt. Emil (Hanspeter Wirz) sowie dessen Freundin Mizzi (Gerdi Woodtli) kommen zum Gratulieren, Kleinganove Heiri (Rainer Borer) schneit herein, um Nägeli in grosser Dankbarkeit für den gewonnenen Prozess zu küssen und zu herzen – und immer noch kein Geld.

Dafür naht die höchstmögliche Katastrophe selbst – nämlich Tante Jutta aus Kalkutta (Beatrix Ben Kheder) persönlich. Geistesgegenwärtig schlüpft Freund Emil in Frauenkleider und gibt in einer Paraderolle Nägelis Ehefrau. Ferdinands neu geborenes Söhnchen geht flugs in den Besitz des überrumpelten Rechtsanwalts über und Tante Jutta lässt sich in wundervoller Einfalt gutgläubig und staunend täuschen.

Vorerst! Denn die Ereignisse nehmen gewaltig an Fahrt auf und sorgen für entsprechende Turbulenzen. Aufgemischt von Hilda (Claudia Adler), Juttas Stieftochter, Ferdinands Frau (Brigitte Schneider), Polizist Rüegg (Frank Glienke) und Tierärztin Trudi (Zita Burkart).

Wie das Feuer unter dem Dach des Hauses Nägeli wieder gelöscht wird, ist nochmals zu erleben am 20. Januar in der Turnhalle Münchwilen. (ARI)