Rheinfelden

Eine Hündin als Heilmittel: «Gini begegnet den Menschen voller Ruhe»

Therapiehündin Gini macht begeistert beim Ballwurfspiel mit. Immer dabei auch Ginis Besitzerin Lotti Berner (im roten Mantel).

Therapiehündin Gini macht begeistert beim Ballwurfspiel mit. Immer dabei auch Ginis Besitzerin Lotti Berner (im roten Mantel).

Die Therapiehündin Gini bringt mit ihren regelmässigen Einsäten viel Freude zu den Patienten in die Rehaklinik Rheinfelden. Das Tier musste sich vor dem «Engagement» einem Eignungstest unterziehen. Seine Anwesenheit hilft beim Stressabbau.

Lotti Berner kommt mit ihrer sechsjährigen Mischlingshündin Gini einmal wöchentlich in die Reha Rheinfelden.

Gemeinsam mit Therapeutinnen und Therapeuten gelingt es, dank des ausgebildeten Therapiehundes nicht nur Abwechslung in die Arbeit zu bringen, sondern auch spielerisch an den Problemen der Patienten zu arbeiten, damit Bewegungsabläufe wieder optimiert werden können.

«Therapie bedeutet immer, ans Limit heranzugehen», beschreibt Barbara Schiel die Arbeit der Physiotherapeuten. Sie erachtet es als wichtig, Patientinnen und Patienten im Zuge der Reha zu Anstrengungen und Leistungen herauszufordern.

Ihr liegt viel daran, in geeigneten Fällen auch mit Therapiehunden zu arbeiten: «Insgesamt müssen Fortschritte erkannt werden, dass sich beispielsweise die Muskulatur verbessert und damit Ausdauer oder Sicherheit zunehmen.»

Schleuderballwerfen mit der Hündin

In der Klinik weilt schon seit einigen Wochen der aus Basel stammende Patient Jean-Pierre Läubin. Mit seinen 77 Jahren war er noch nie ernsthaft krank und schon gar nicht in einem Spital.

Plötzlich trat eine Wende in seinem Leben ein, als er einen Herzinfarkt erlitt, weil eine Bypass-Operation anstand, vor der er sich allerdings ängstigte. Und weil das Gehirn nach dem Infarkt kurzzeitig nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde, stellten sich Lähmungserscheinungen ein.

Jean-Pierre Läubin ist seit Monaten an einen Rollstuhl gefesselt, muss Muskulatur wieder mühsam aufbauen und Bewegungsabläufe trainieren. Für die Physiotherapeuten Barbara Schiel und ihren Kollegen Tino Baake kristallisiert sich rasch heraus, einen Therapiehund in ihr Reha-Programm mit einzubinden, zumal ihr Patient als Hundeliebhaber gilt.

Dank diversen Aktionen, beispielsweise eine Art Schleuderballwerfen, macht ihr Patient gute Fortschritte, erzielt von Woche zu Woche grössere Weiten und kann mit Hilfe seiner Therapeuten sogar wieder kurzzeitig auf beiden Beinen stehen und etliche Schritte gehen, wobei er auch den Hund an der Leine führt.

«Dies stärkt das Selbstbewusstsein und ist förderlich für den Genesungsprozess», versichert die Therapeutin und freut sich immer, wenn Lotti Berner mit ihrer Gini in die Reha Rheinfelden kommt.

Ohne Eignungstest geht gar nichts

Natürlich musste mit dem Tier erst mal ein «Eignungstest» absolviert werden. Im eigentlichen Kurs wurden Gini und ihre Artgenossen mit allem vertraut gemacht, was ihnen bei der Arbeit begegnen könnte: Rollstühle, Gehgestelle, Krücken, glatte Krankenhausböden, zuschlagende Türen, plötzliche Schreie von Patienten und Menschen in ungewöhnlicher Bekleidung oder mit ungewöhnlichen Bewegungsmustern.

Sie lernen, sich von fremden Menschen überall am Körper berühren, also streicheln zu lassen, nicht zu kläffen, von Fremden an der Leine gehalten zu werden.

«Gini kennt keine Gemütsschwankungen, begegnet Menschen voller Ruhe und löst vor allem während eines Therapieprogramms viel Freude aus», so die Überzeugung von Lotti Berner, die im Hauptberuf Lehrerin an der Realschule in Möhlin ist, und, die Arbeit mit ihrem Therapiehund gerne ehrenamtlich leistet.

Für Barbara Schiel und Tino Baake bietet die «tiergestützte Therapie» nur Vorteile, weil positive Wirkungen spürbar sind: «Die Anwesenheit des Hundes hilft beim Stressabbau oder Überwinden von Angst und lässt bei Patienten einen Leistungsdruck gar nicht erst aufkommen.»

Seit 2009 stehen die treuen Vierbeiner für die Klinik im Einsatz, wobei sich die Therapeuten freiwillig melden dürfen, wenn sie gemeinsam mit Hunden arbeiten möchten.

Barbara Schiel gibt sich keinen Illusionen hin: «Die Leistung der Patienten und Patientinnen muss messbar sein, Geh- und Stehfähigkeit müssen beispielsweise regelmässig in einem auch von den Kostenträgern geforderten Rapport festgehalten werden.» Notwendige Bürokratie also im Dienste von Patienten.

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