Hexen wurden im Mittelalter auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Kaisten aber, da löscht eine Hexe die Brände. Und ab dem ersten Januar 2015 wird sie gar Kommandantin; Chefin der Feuerwehr. Nadine Keel hat ein Flair für Hexen. Grüne Hexenkleber verzieren ihr Auto. Am Holztor neben dem Eingang zu ihrer Wohnung hängt ein hölzernes Schild. «Besen-Parkplatz» steht drauf und darunter steckt ein grosser Besen an der Wand, scheinbar bereit zum Abfliegen.

Im Einklang mit der Natur

In ihrer Wohnung eilen dem Besucher zwei Katzen entgegen, sie streichen schnurrend um die Beine. Die 41-Jährige mag das Mystische. Die fantastische Welt von Hexen und Feen. Einmal im Jahr liest sie «Die Nebel von Avalon»; ein Fantasy-Roman, der die Artus-Saga aus der Sicht der Priesterinnen von Avalon erzählt. Dann taucht sie in eine Welt ein, die wenig mit ihrem Alltag als Arbeitsagogin im Verein für Sozialpsychiatrie Baselland in der Werkhalle in Münchenstein und jenem der Feuerwehrfrau zu tun hat.

Manchmal gibt es auch Schulkinder, die etwas ehrfürchtig, wenn nicht gar ängstlich den Besen vor dem Haus anschauen. Doch weil sie wissen, dass Nadine Keel eine ganz liebe ist, wissen sie: Die tut mir nichts. Und das ist im Sinne von Nadine Keel. «Hexen waren ja weise Frauen, kannten sich mit Kräutern gut aus», sagt sie, streicht sich mit der Hand durch das dunkle Haar mit den roten Strähnen. «Sie lebten mit der Natur in Einklang. Diese Vorstellung mag ich und das ist meine Art zu leben.»

Mit 18 Jahren beigetreten

Mit derselben Leidenschaft in der Stimme spricht sie auch von der Feuerwehr. Mit 18 Jahren schrieb sie das Beitrittsgesuch (damals war das bei Frauen noch nötig) und wurde aufgenommen. Als erste Frau. Ihr Vater war damals Kommandant. Dazu gedrängt hat er seine Tochter nicht. «Ich habe mich ob all den Frauen genervt, die über Emanzipation geschwatzt haben, aber nichts unternommen haben», sagt Nadine Keel.

Das erste Jahr sei nicht einfach gewesen, sagt Nadine Keel. Sie war die einzige Frau, damit konnte nicht jeder Feuerwehrmann gleich gut umgehen. «Aber da ich Schreinerin gelernt hatte, war ich es mir gewohnt, mich in einer Männerdomäne durchzusetzen», sagt sie. Nadine Keel wollte damals vieles.

Aber eines wusste sie bestimmt: Kommandant der Feuerwehr, das will sie sicher nie werden. Heute, 23 Jahre später, wird sie in der Feuerwehr Kaisten zur Kommandantin befördert. Damit wird sie die zurzeit dritte Frau im Kanton Aargau, die dieses Amt inne hat. Für sie nichts Spezielles. «Es ist in der Feuerwehr egal, ob man eine Frau oder ein Mann ist. Leisten müssen alle dasselbe», findet sie. Und: «Die Frauen sind Hoffnung für die Feuerwehren. Sie können den Mitgliederschwund etwas auffangen.»

Der Aufgabe mit Gelassenheit begegnen

Auf ihre neue Aufgabe als Kommandantin freut sie sich. Aber: «Als ich all die Paragrafen gesehen habe, die mir bewusst machten, wofür ich alles verantwortlich bin – da musste ich zuerst schon etwas schlucken», sagt sie. Sie weiss, dass nun der Zeitauwand für die Feuerwehr nochmals weiter ansteigt.

Mindestens ein Abend pro Woche geht für das Hobby drauf, dazu kommen die 28 Übungen pro Jahr. «Das macht mir nichts aus. Ich mache es ja gerne», sagt sie. Und blickt ihrer Aufgabe so entgegen, wie sie all den Herausforderungen in der Männerdomäne in den letzten Jahren begegnet ist: Mit Gelassenheit.