Portrait
Eine Gartenreise quer durch das ganze Land

Die Fricktalerin Sarah Fasolin, Freizeit-Gärtnerin und Journalistin, hat einen Gartenreiseführer geschrieben. Über 300 Gärten hat sie dafür im letzten Jahr besucht.

Karin Pfister
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Eigener Garten: Einzelne kleine Tiere bis zu einem Gewicht von 10 kg dürfen auf eigenem Grund beerdigt werden.

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Wer gerne Gärten besichtigt, sollte genug Zeit einplanen. Bei manchen Gärten braucht man etwas länger, um ihre Schönheit zu entdecken. Welche Gärten es sich anzusehen lohnt, hat die Fricktalerin Sarah Fasolin recherchiert. Im Gartenreiseführer wird jeder Garten detailliert vorgestellt; zusätzlich gibt es praktische Tipps für Anreise, Besichtigungstermine und so weiter.

Über 300 Gärten hat Sarah Fasolin während der vergangenen Gartensaison besucht. Pünktlich auf die neue Saison erscheint nun der erste Gartenreiseführer der Schweiz, der – ähnlich den Gartenreisen, die man aus England kennt – Gartenliebhaber durch Gärten in allen Kantonen führt. Ins Buch aufgenommen wurden rund 40 Prozent öffentliche Gärten, 20 Prozent Parkanlagen sowie 40 Prozent Privatgärten, die alle auf Anfrage besichtigt werden können.

Schönheit auf den zweiten Blick

«Nicht alle Gärten präsentieren ihre Schönheit auf den ersten Blick; bei manchen muss man länger verweilen und genau hinsehen, bis man ihren Charakter erkennt», sagt Sarah Fasolin. Sie hat während sieben Monaten bis zu vier Gärten pro Tag gesehen.

«Aus einer Panzersperre entstand ein Garten»

Der Gartenreiseführer von Sarah Fasolin will das ganze Spektrum der Schweizer Gartenkultur abbilden und enthält deshalb auch spezielle Gärten wie der Panzerhöckergarten in Frick. Das Land gehört der Schweizerischen Eidgenossenschaft. 1940 hatte die Schweizer Armee die Sperre errichtet, um einen möglichen Angriff der deutschen Wehrmacht abzuwehren. Kaum war der Krieg zu Ende, wuchsen Kartoffeln, Salate, Kürbisse, Beeren und Blumen zwischen den Höckern. Bis heute haben die gleichen beiden Familien die Parzellen vom Bund gepachtet und bewirtschaften auf einer Länge von rund 200 Metern die kleinen Flächen zwischen den Panzerhöckern. Das Gärtnern zwischen diesen Betonblöcken mag mühsam aussehen, hat jedoch auch einen Vorteil. Die Sperren sind unterirdisch mit Eisenstangen verbunden. So wird Wärme in den Boden geleitet- das Gemüse dankts mit üppigem Wachstum. Den Garten findet man wie folgt. Von Eiken aus Richtung Frick fahren, bei der Garage Hasler links abbiegen. Der Garten ist von der Gartenstrasse aus gut einsehbar. (KPF)

Aber auch bei all der Freude an diesen vielen schönen Anlagen ihren eigenen Garten vermisst: «Ich schreibe sehr gerne, aber ich gärtnere auch gerne. Mein eigener Garten kam während der Arbeit am Buch zu kurz. Ich bin oft abends, manchmal war es schon dunkel, in meinen Garten gegangen. Für mich gibt es zum Beispiel nichts Schöneres, als nach einem langen Arbeitstag zu jäten.» Ausserdem sei der Garten ein guter Ausgleich zum Job; ein Garten habe etwas sehr Aufbauendes, Meditatives und Gestalterisches, aber: «Man muss auch immer wieder Niederlagen hinnehmen können.»

Sarah Fasolin, die in Wölflinswil aufgewachsen ist, hat Zeitgeschichte und Sozialanthropologie studiert, als Journalistin und Filmerin gearbeitet und wohnt seit fünf Jahren zusammen mit ihrem Mann in Rosshäusern, einem kleinen stillen Ort in der Nähe von Bern.

«Mein eigener Garten ist ein alter Garten; schon viele haben ihre Spuren hinterlassen. Vor rund 70 Jahren lebte hier ein Gärtner, der mit Pfingstrosen zum Markt fuhr. Eines seiner Pfingstrosenbeete besteht noch immer. Mir ist es wichtig, diese Spuren stehen zu lassen und zusammen mit meinen eigenen Ideen etwas Neues zu gestalten.»

Praktisch veranlagt

Selber ist Sarah Fasolin aber auch eine praktische Gärtnerin. «Mein Garten ist ein Zier- und Nutzgarten. Der Garten soll auch etwas hergeben. Ich möchte Gemüse und Früchte ernten können.»

Ihr Lieblingsgarten aus dem Gartenreiseführer ist eher etwas fürs Auge. «Ich habe in der ganzen Schweiz viele sehr schöne Gärten gesehen. Ein ganz besonderer Garten ist für mich der Jardin de la Paix in Genf. Er erinnert an ein Gemälde von Monet. Die Pflanzen sind nach einem wohlüberlegten Konzept gemäss Blättern, Proportionen, Kontrasten, Licht und Farbe ausgewählt. Ihr Farbenspektrum beginnt in der Nähe des Schattens mit kühlen, hellen Farbtönen wie Blau und Weiss und wechselt dann zu Lila, Rosa, Rot, Orange und Gelb. Umrahmt wird das begehbare Bild von alten Mauern.»

Der Gartenreiseführer Schweiz (Sarah Fasolin, Gartenreiseführer, Callwey Verlag, München) liegt druckfrisch auf, ist am 20. Februar erschienen . Für ihre Leserinnen und Leser hat Sarah Fasolin einen Tipp. «Es lohnt sich, langsam unterwegs zu sein und nicht zu viele Gärten pro Tag zu besichtigen. Es ist schöner, wenn man genug Zeit hat und Verweilen und die Gärten geniessen kann.» Über die Erlebnisse ihrer Gartenreise berichtet Sarah Fasolin in einem Foto-Vortrag, der an verschiedenen Orten in der Schweiz gehalten wird.