Laufenburg
Eine Ausstellung zeigt die Kuriositäten des Alltags von früher

Vieles landet im Depot eines Museums und kommt nie mehr daraus hervor. Anders im Museum Schiff in Laufenburg: Die neue Ausstellung ist ein Sammelsurium im positiven Sinne. Die gezeigten Gegenstände bringen sogar die Mitarbeiter an ihre Grenzen.

Hans Christoph Wagner
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Auch Alltagsgegenstände können interessant sein: Ausstellungsmacher Alois Schmelzer (links) mit Besuchern an der Vernissage im Museum Schiff. hcw

Auch Alltagsgegenstände können interessant sein: Ausstellungsmacher Alois Schmelzer (links) mit Besuchern an der Vernissage im Museum Schiff. hcw

Hans Christoph Wagner

Als Sammelsurium wird eine ungeordnete, unsystematisch angelegte Sammlung bezeichnet. «Sammelsurium – oder was ein Museum ausmacht» ist die aktuelle Ausstellung betitelt. Vieles ist in den 35 Jahren, in denen das Museum Schiff besteht, in seinem Depot gelandet und hat es seitdem nie mehr verlassen. Ausstellungsmacher Alois Schmelzer dachte sich schon lange: Das wäre doch eigentlich auch einmal wert, gezeigt zu werden.

Kuratorin Ariane Dannacher führte bei der Vernissage im Museum Schiff in die Thematik ein.
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Auch Alltagsgegenstände können interessant sein, Ausstellungsmacher Alois Schmelzer mit Besuchern.
Begrüssten am Samstag zahlreiche Besucher bei der Vernissage im Museum Schiff, Museumsvereins-Präsident Hannes Burger und Kuratorin Ariane Dannacher.
Auch Alltagsgegenstände können interessant sein, Ausstellungsmacher Alois Schmelzer mit Besuchern.
Die Kinderversion der Hauensteiner Tracht und die Laufenburger Alltagstracht sind im neu gestalteten Trachtenzimmer im Museum Schiff zu sehen.
Die vorderösterreichische Patriziertracht von 1760 gleich zwei Mal – an einer Puppe und an Model Ingrid Strittmatter.
Die Laufenburger Festtagstracht (rechts) entstand 1929. Die Sulzer Tracht im Hintergrund ist in Form einer Fotografie ausgestellt.
Stolz auf die bunte Farbenpracht waren die Vertreter regionaler Trachtengruppen, welche die Kostbarkeiten vorführten.

Kuratorin Ariane Dannacher führte bei der Vernissage im Museum Schiff in die Thematik ein.

Hans Christoph Wagner

Zwar reagierten Schmelzers Vorstandskollegen, Museumsvereins-Präsident Hannes Burger räumte es bei der Vernissage ein, zuerst ein wenig ratlos auf den Vorstoss. Doch dann standen sie auch dahinter. Das Museum braucht eine neue Attraktion, nach dem Ende der Römer-Ausstellung und vor Beginn der neuen Schau namens «Die Eidgenossen kommen», die sich der Eroberung des Aargaus durch die Schweizer im 15. Jahrhundert widmet. Diese jährt sich im Frühjahr 2015 zum 600. Mal.

Fünf Kostbarkeiten im neuen Trachtenzimmer

Im Museum Schiff ist das Trachtenzimmer neu entstanden, grösser und mit mehr Trachten. Waren früher, in einem hinteren Zimmer des Museums, zwei Trachten der Region zu sehen, sind es im neuen Raum fünf: eine vorderösterreichische Patriziertracht von 1760, die Hauensteiner Tracht aus dem deutschen Grenzgebiet, die Laufenburger Festtagstracht, die Laufenburger Alltagstracht und – ganz neu – die Sulzer Tracht. Silvia Blaser, Präsidentin der Trachtengruppe Laufenburg-Sulz, sprach bei der Vernissage ihren Dank für die grosszügigere Präsentationsmöglichkeit aus. Ihr Verein hat sich an den Umbaukosten mit 500 Franken beteiligt. Am Samstag konnten die Museumsbesucher die Trachten nicht nur an Puppen bewundern, sondern auch am lebenden Objekt. Vertreter der Trachtengruppe Laufenburg-Sulz, der Trachtengruppe Hauenstein und der Trachtenvereinigung Alt-Laufenburg/Baden führten die textilen Kostbarkeiten vor und erläuterten ihre Besonderheiten.
In den örtlichen Trachten spiegelt sich die Geschichte des Fricktals wider. Stammt die Patriziertracht aus einer Zeit, in welcher der Rhein keine Grenze war, entschied sich das schweizerische Laufenburg 1929 zu einer eigenen Tracht – weil die eidgenössische Trachtenvereinigung die vorderösterreichische nicht mehr anerkannte. Ebenfalls kurios: Von der Sulzer Tracht gibt es noch kein Exemplar. Dennoch ist sie ausgestellt – in Form einer lebensgrossen Fotografie. Sie zeigt Sonja Sauerländer, die das Gewand vor einigen Jahren nach alten Stichen rekonstruierte. (HCW)

Fokus auf Dingen des Alltags

Die grosse Politik und bedeutende Schlachten sind nicht die Themen der aktuellen Schau, die am Samstag eröffnet wurde. Gezeigt werden vielmehr, ganz im Sinne eines Heimatmuseums, Dinge des Alltags. Dinge, von denen so mancher glaubt, sie seien es eigentlich gar nicht wert, ausgestellt zu werden. Da gibt es Karbidlampen antiker Velos zu sehen, ebenso wie Porzellan, Modeartikel, Glas, Textilien und Arbeitsgeräte längst vergangener Berufe. Auf den ersten Blick tatsächlich ein Sammelsurium, ist die Ausstellung doch in vier Leitmotive gegliedert: Erdiges, Tierisches, Metalliges und Pflanzliches. Und es ist auch immer die Geschichte hinter dem gezeigten Stück. Wer hat es überlassen? Wie ist es ins Museum Schiff gelangt? Welche Informationen haben die Museumsleute darüber gewonnen? Denn das zur Schau stellen von Exponaten ist eine Sache. Ein Museum muss aber auch dokumentieren, erhalten und restaurieren.

Das macht, Kuratorin Ariane Dannacher betonte es bei der Vernissage, den Unterschied zur privaten Sammlung aus. Sie erklärte in ihrer Einführung, wie der zuerst positiv besetzte Begriff der Kuriositätenschau einen eher negativen Touch bekam im Sinne von verschroben und seltsam.

Unbekanntes «Lichthüsli»

Wenn auch so manche Stücke der Ausstellung den Betrachtern seltsam anmuten mögen, sind sie doch Zeugnisse früherer Alltagskultur. Ariane Dannacher zitierte Quellen, in denen das Museum als «ehrfurchtseinflössender Ort» beschrieben wird. In dieser Tradition sieht sich das Museum Schiff nicht. Die Schau soll auch Gelegenheit zum Schmunzeln sein. Besuchern wird nicht verheimlicht, dass Museumsleute manchmal auch mit ihrem Latein am Ende sind. Denn bis heute wissen sie nicht, welchen Zweck ein Gegenstand hatte, der derzeit unter dem Namen «Lichthüsli» präsentiert wird.

«Sammelsurium – oder was ein Museum ausmacht» im Museum Schiff: Bis zum 6. April 2015. Öffnungszeiten: mittwochs von 14 bis 16 Uhr; an Samstagen und Sonntagen von 14 bis 17 Uhr.

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