Kriminaltourismus
Einbrecher werden immer dreister und nutzen A3 als Fluchtweg

Kriminaltouristen aus dem Elsass brechen vor allem in den Dörfern entlang der Autobahn A3 in Häuser ein, damit sie die Schweiz schnell wieder verlassen können. In Frick kam es am Montag gleich zu drei Einbrüchen.

Thomas Wehrli
Drucken
Teilen
Die Grenzwache hat im Kampf gegen den Kriminaltourismus mehr denn je alle Hände voll zu tun.

Die Grenzwache hat im Kampf gegen den Kriminaltourismus mehr denn je alle Hände voll zu tun.

Nicole Nars-Zimmer

Das Fricktal kommt nicht zur Ruhe: Allein am Montag verzeichnete die Kantonspolizei Aargau (Kapo) drei Einbrüche in Einfamilienhäuser in Frick und einen in Wallbach. Die Einbrecher – oftmals Kriminaltouristen aus dem Elsass oder Roma – gehen dabei immer dreister vor: «In einem Fall war der Besitzer sogar zu Hause. Der Einbrecher floh, als dieser herunterkam», erklärt Kapo-Sprecher Bernhard Graser. Die sofort eingeleitete Grossfahndung «hatte leider keinen Erfolg».

Was auffällt: Wird im Fricktal eingebrochen, passiert es häufig in Frick. Mitte November beispielsweise gingen bei der Kapo an einem einzigen Wochenende sechs Meldungen aus der Zentrumsgemeinde im oberen Fricktal ein. Graser erstaunt diese Kumulation nicht. Die Nähe zur Autobahn und die verschiedenen möglichen Fluchtrichtungen sind für Langfinger geradezu optimal. «Frick ist zwar nicht städtisch, aber für Einbrecher viel attraktiver als die Ortschaften in den Seitentälern», sagt Graser.

Einbrüche entlang der A3

Wird in einer anderen Ortschaft im Fricktal eingebrochen, liegt sie meist ebenfalls entlang der A3. In den letzten Wochen gab es unter anderem Einbrüche in Sisseln, Hornussen, Oeschgen und Rheinfelden. Insbesondere für die Einbrecher aus dem Elsass ist die A3 die optimale, weil direkte (Flucht-)Verbindung vom Wohn- zu den Tatorten.

Ein beliebter «Treffpunkt» der ungebetenen Gäste ist das A3-Center in Frick. Die Einbrecher gehen dabei oft gleich vor: Sie lassen das Auto auf einem Parkplatz stehen, gehen zu Fuss ins Quartier und brechen ein. Nicht selten wartet dabei einer der Einbrecher im Fahrzeug, damit er schnell reagieren kann, falls seine Kollegen Beute gemacht haben oder etwas schiefgeht.

Die Kapo kennt die Tricks und ist seit Wochen verstärkt in den Dämmerungsstunden – viele Einbrüche ereignen sich zwischen 16 und 20 Uhr – auf Patrouille. «Wir analysieren jeden Morgen die Lage und planen die Patrouillen-Schwerpunkte entsprechend», erklärt Graser. Oftmals lägen sie auch richtig, «aber leider können wir nicht in die Zukunft sehen».

Licht brennen lassen

Eine gewisse abschreckende Wirkung attestiert Graser auch dem alten Trick, einige Lampen per Zeitschaltuhr in der einbruchskritischen Zeit, also bei der Dämmerung, einzuschalten. «Wenn ein Einbrecher die Wahl zwischen einem hell erleuchteten und einem lichterlosen Haus hat, wird er sich für zweiteres entscheiden.» Wichtig dabei: Der Einbrecher sollte nicht gleich auf den zweiten Blick sehen: Da brennt nur Licht, doch niemand ist zu Hause. Auch ein surrendes Radio oder ein flimmernder TV kann helfen.

Dreister sind die Einbrecher auch tagsüber geworden. Sie gehen an die Haustür und läuten. Bleibt alles stumm, verschaffen sie sich Zutritt. «Manchmal ist das ganz einfach: durch die nicht abgesperrte Haustür», weiss Graser. Ansonsten oft durch die Balkontür.

Mitgenommen werden hauptsächlich Gegenstände, die sich leicht zu Geld machen lassen: Bargeld, Schmuck, Uhren, manchmal auch ein Mobiltelefon oder ein Laptop. «Von sperrigen Gegenständen hingegen lassen die Einbrecher meist die Finger.»

Aktuelle Nachrichten