Transitachse
Einbrecher sind gern im Fricktal unterwegs – weil sie schnell wieder weg sind

Gauner sind jetzt wieder vermehrt unterwegs und scheuen selbst Begegnungen mit Hausbewohnern nicht. Das rät die Polizei, wenn ein Bewohner einen Eindringling auf frischer Tat ertappt.

Walter Christen
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Weniger Einbrüche: 2013 waren es noch 3315 Fälle, 2014 wurden nur noch 2986 verzeichnet.Symbolbild: WALTER BIERI/KEY

Weniger Einbrüche: 2013 waren es noch 3315 Fälle, 2014 wurden nur noch 2986 verzeichnet.Symbolbild: WALTER BIERI/KEY

KEYSTONE

Eine dunkle Gestalt schleicht in der Dämmerung um ein Einfamilienhaus und bohrt auf der Rückseite die Balkontüre auf. Schon steht der Einbrecher im Wohnzimmer und schnappt sich einige Gegenstände, die auf einem Tisch liegen. Darunter ein Portemonnaie, eine Halskette, zwei Handys und einen Tablet-Computer. So schnell und leise, wie er ins Haus eingedrungen ist, so rasch verschwindet er in einem am Ende der Strasse wartenden Auto.

Der Wagen war einem Nachbarn aufgefallen, der sich das Nummernschild gemerkt hat. Als er nebenan die offen stehende Balkontüre bemerkt, denkt er unweigerlich an einen Einbruch. Er verständigt über Telefon 117 die Kantonspolizei, die innert Minuten mit zwei Patrouillen vor Ort ist.

So weit die Schilderung eines Szenarios, wie es sich gerade in dieser Jahreszeit im Fricktal da und dort wieder abspielen kann: Einbrecher bevorzugen die Dunkelheit; sie tauchen schnell auf, schlagen gezielt zu und verschwinden mit ihrer Beute meistens mit Fahrzeugen, in denen ein Kumpel wartet.

Eine Region, die immer wieder von Einbrechern heimgesucht wird, ist das Fricktal, das an einer Transitachse liegt, die Delinquenten das Verschwinden via Autobahn über die Grenze nach Frankreich oder Deutschland begünstigt.

Einbruchzeit bis Weihnachten

Die Einbrecher werden immer frecher, wie die Aargauer Zeitung in einem Gespräch mit Barbara Breitschmid von der Kantonspolizei Aargau erfuhr: «Es trifft zu, dass die Einbrüche jetzt – vor den Festtagen – wieder zunehmen. Man kann sagen, das ist von Anfang November bis Weihnachten der Fall. Dabei ist festzustellen, dass die Einbrecher vermehrt auch vor Begegnungen mit Bewohnern von Objekten, die sie gerade heimsuchen, nicht zurückschrecken. Deshalb sollte man nicht gerade bei offenem Fenster schlafen, wenn man parterre wohnt.»

Was aber ist zu tun, wenn man erwacht und im Schlafzimmer ein Unbekannter steht? Die Polizei rät, sich nicht auf ein Handgemenge einzulassen. Denn das Verhalten eines Einbrechers ist nicht berechenbar. Vor allem wird es (lebens)gefährlich, wenn einer eine Waffe zückt. Auf jeden Fall ist die Polizei zu benachrichtigen, sobald der Einbrecher verschwunden ist. Durch ihr rasches und erfolgreiches Eingreifen verzeichnet die Kantonspolizei Aargau übrigens immer wieder Erfolge, indem sie Einbrecher fassen kann.

Der Tipp der Polizei, zu Hause keinen wertvollen Schmuck und grosse Geldbeträge aufzubewahren. Wer verreist, soll dafür sorgen, dass ab und zu jemand im Haus oder in der Wohnung vorbeigeht, einen Rollladen hochzieht, Licht macht und vor allem eines den Briefkasten regelmässig leert. Denn überquellende Briefkästen, an denen man schon von weitem sieht, dass da niemand zu Hause ist, sind für Einbrecher geradezu einladend. «Was auch ganz und gar nicht clever ist, wenn jemand auf Facebook und Twitter seine Ferien ankündet oder überall hin Fotos aus dem aktuellen Urlaub verschickt», meint Barbara Breitschmid.

Was hält sie von einem Warnschild an der Haustüre, auf dem steht: «Hier hüte ich» und ein zähnefletschender Hund abgebildet ist? «Schaden kann es nicht. Aber wenn sich jemand nähert und kein Bellen zu hören ist, ist der Fall klar – da ist kein Hund, der hütet.» Licht im Haus und Nachbarn oder Verwandte, die immer wieder mal nachsehen, sind eine wirksamere Abschreckung. «Auf jeden Fall sollte bei verdächtigen Wahrnehmungen nicht gezögert und Telefon 117 gewählt werden. Die Polizei kommt – dafür ist sie da», betonte Barbara Breitschmid.