Oeschgen

Zweites Standbein: Vollblutartist Francesco Nock eröffnet wegen Corona eine Zirkusschule

Auf dem Drahtseil sorgt Akrobat Francesco Nock seit Jahren für Nervenkitzel bei den Zuschauern. (Bild: 22.10.2017)

Auf dem Drahtseil sorgt Akrobat Francesco Nock seit Jahren für Nervenkitzel bei den Zuschauern. (Bild: 22.10.2017)

Wie so viele andere Artisten kann Francesco Nock wegen der vorherrschenden Coronakrise nicht auftreten. Um trotzdem über die Runden zu kommen, will sich der Vollblutartist nun ein zweites Standbein aufbauen. So bietet er in Oeschgen nach den Sommerferien Unterricht für Kinder an.

Die Ungewissheit bedrückt Francesco Nock. Corona raubt ihm die Existenz. Eigentlich wollte der Vollblutartist, der in der «Todeskugel» oder auf dem Drahtseil für Nervenkitzel im Chapiteau und auf Messen sorgt, schon seit März seine Nummern präsentieren. «Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll», sagt der 26-Jährige und lässt seinen Blick über die Manege im Oeschger Zirkusmuseum schweifen.

Francesco Nock ist der Sohn von Verena Nock, bekannt für ihre Auftritte als Schlangenmensch, und Neffe der beiden letzten Nock-Direktorinnen Alexandra und Franziska. Nach der Geschäftsaufgabe des ältesten Zirkus der Schweiz mussten die Nock-Schwestern das Showbiz aufgeben. «Sie wünschen mir auf meinem Weg als Artist das Beste, sagen aber auch, dass ich bereit sein muss, Schmerzen zu ertragen, wenn der Zeitpunkt kommt, an dem ich aufhören muss», sagt Francesco Nock.

Wenn seine Einnahmen durch Auftritte noch länger ausblieben, sei er bereit, eine Ausbildung für einen «normalen» Beruf zu ergreifen. «Ich bin ja noch jung», sagt er, verhehlt jedoch nicht, dass es ihn tief bestürzen würde, das Artisten-Dasein hinter sich zu lassen. «Es ist ein fester Bestandteil meines Lebens», sagt er.

«Ich will nicht, dass unsere Geschichte in Vergessenheit gerät»

Die Aufgabe des Circus Nock nach über 158 Jahren habe ihn schwer getroffen. «Ich will nicht, dass unsere Geschichte in Vergessenheit gerät. Ich will, dass sie lebendig bleibt», sagt er und zeigt auf die Manege. Diese soll der Ort sein, an dem er Kindern und Jugendlichen das Balancieren auf dem Drahtseil, das Fahren auf dem Einrad, Akrobatik in der Luft und am Boden oder das Jonglieren beibringen will. Konkret: «Nach den Sommerferien werde ich hier eine Zirkusschule eröffnen», sagt er. Natürlich wolle er mit dieser auch Einnahmen generieren.

Die Flyer für die Zirkusschule sind bereits in Auftrag, die Nock-Trainingsanzüge für die Teilnehmer auf dem Weg und die Website in Bearbeitung. Bevor es losgeht, will sich Francesco Nock mit seinem Lieferwagen samt Einrädern, Jonglierstäben und Drahtseil-Apparat zu den Turnhallen der Region aufmachen. Dort können sich die Kinder ausprobieren und falls es ihnen Spass macht, Kurse in der Zirkusschule besuchen. Francesco Nock ist sich sicher, dass seine Zirkusschule guten Zulauf bekommen wird. Wünschenswert ist es für ihn, nicht nur Kinder aus dem Fricktal, sondern bis in die Region Brugg für die Zirkusschule zu gewinnen.

Ziel sei es, dass jeder Teilnehmer, der die Zirkusschule besucht, eine eigene Darbietung beherrscht und mit dieser an einer Show oder Veranstaltung auftreten könne. Grundlegend geht es darum, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, zu was sie körperlich in der Lage sind. «Viele wissen gar nicht, welches Potenzial in ihnen schlummert», sagt Francesco Nock, der mit vier Jahren zum ersten Mal in der Manege vor Publikum stand und im Alter von neun seine Artisten-Karriere begann.

Unterricht in der Höhe nur mit Absicherung

Der Besuch der Zirkusschule stehe Kindern ab vier Jahren offen, nach oben hin gebe es keine Alterslimite. Luftnummern finden zu Beginn in geringer Höhe statt, geht es höher hinaus, dann mit Absicherung. Geplant ist zu Beginn ein wöchentlicher Gruppenkurs, den er mit seiner Partnerin, einer Akrobatin, leitet. «Die Teilnehmer können alles ausprobieren und dann entscheiden, welche konkrete Darbietung sie erlernen möchten», so Francesco Nock.

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