Zeiningen
Ein zu Hause aus 500 Kubikmeter Sand für die Uferschwalbe

Die künstliche Brutwand geht in die zweite Saison. Jedes Jahr werden von ihr ein paar Zentimeter mit einem Bagger abgestochen. 100 Paare können brüten.

Nadine Böni
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Rund 100 Uferschwalben sollen diesen Sommer wieder in einer künstlichen Brutwand in Zeiningen ihre Jungen aufziehen.

Rund 100 Uferschwalben sollen diesen Sommer wieder in einer künstlichen Brutwand in Zeiningen ihre Jungen aufziehen.

Aargauer Zeitung

Die Uferschwalben haben eine lange Reise hinter sich. In diesen Tagen kehren sie aus ihren Winterquartieren südlich der Sahara zurück. Den Sommer verbringen sie auf einem Feld zwischen Zeiningen und Wallbach. Dort ziehen sie in einer künstlichen Brutwand ihre Jungtiere auf. «Die ersten sind schon da. Sie kommen aber nicht alle gleichzeitig an. Es werden immer mehr bisin den Mai hinein», sagt Françoise Schmit, Mitarbeiterin des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz.

Vor einem Jahr hatte die Organisation gemeinsam mit den lokalen Sektionen aus Zeiningen, Möhlin, Wallbach und Mumpf die Erstellung der künstlichen Brutwand für die Vögel angestossen. Ihre alte Heimat – die ehemalige Kiesgrube in unmittelbarer Nähe der Wand – wurde damals aufgeschüttet. Den Uferschwalben fehlte die Brutstätte. 500 Kubikmeter aufgeschütteter Sand schufen da Abhilfe.

500 Kubikmeter Sand

«Es gab keine Garantie, dass die Schwalben die Ersatzbrutwand in Zeiningen annehmen. Umso erfreulicher war es, dass das gleich im ersten Jahr geklappt hat», sagt Schmit. Und wie es geklappt hat: Rund 100 Paare haben 2015 in Zeiningen gebrütet. Das waren deutlich mehr, als früher in der Kiesgrube. Auch dieses Jahr dürften ähnliche Zahlen erreicht werden, hofft Schmit.

Die Brutwand wurde dafür extra frisch hergerichtet. Will heissen: Von der Wand, in welche die Vögel im vergangenen Jahr ihre Höhlen gegraben hatten, wurden vor wenigen Wochen mit einem Bagger einige Zentimeter abgestochen. «Dadurch haben die Uferschwalben wieder Platz, um neue Niströhren zu graben», sagt Schmit. Ausserdem sind sie in der nahezu senkrechten Wand gut vor Fressfeinden wie Fuchs und Marder geschützt.

Der Erfolg der Zeininger Brutwand bestätigt Schmit in ihrer Arbeit. «Das zeigt für mich auch, dass geeignete Brutplätze knapp sind und dass es weitere Anstrengungen für die Uferschwalbe braucht», erklärt sie. Die Vögel stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. BirdLife Schweiz setzt sich dafür ein, dass die Schwalben auch in Zukunft möglichst in Kiesgruben brüten können.

Gutes Vorbild

Dies bedinge, dass ihre Ansprüche beim Kiesabbau noch besser berücksichtigt würden. «Massnahmen laufen bereits vielerorts, doch in einzelnen Fällen fehlen Platz und Zeit», sagt Schmit. «Dann steht mit den Sandschüttungen eine funktionierende Methode für einen Ersatz zur Verfügung.»

Inzwischen hat die Organisation neben Zeiningen an drei anderen Standorten gute Erfahrungen mit der Methode gemacht. So auch in Rheinfelden, wo die Brutstätte in der aufgefüllten Kiesgrube Hard durch eine Sandschüttung ersetzt wurde. Dieses Jahr wurde ausserdem im Kanton Bern eine Wand erstellt und in der Romandie sind Ersatzbrutwände gleich in mehreren Kantonen ein Thema.

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