Vieles wird so sein wie immer, wenn das Lehrertheater Möhlin am 21. August zur Premiere des neuen Stücks lädt. Die Location etwa: das «Bata Club Haus». Nach dem Abschied von der legendären «Rösslischüüre» vor einigen Jahren ist das denkmalgeschützte und frisch renovierte Gebäude im Bata Park nun die Heimat des Ensembles – und bietet mit seiner Geschichte eine ebenso würdige wie kultige Bühne für das Theater.

Mit dem Stück «Frau Müller muss weg» aber geht das Theater auch neue Wege. Denn die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler sprechen und gestikulieren auf der Bühne nicht nur, sie sind gleichzeitig auch Bühnenbauer. Das Bühnenbild nämlich besteht aus gut 30 Würfeln. Sie sind verschieden gross und auf jeder ihrer sechs Seiten unterschiedlich bemalt. Je nach Szene werden sie hin- und hergeschoben, aufeinandergestapelt, umgedreht – und das mitten in der Szene drin.

Das Bühnenbild besteht aus Würfeln und wird laufend verändert.

Das Bühnenbild besteht aus Würfeln und wird laufend verändert.

Das Bühnenbild verändert sich mitten in der Szene

So stellen die Würfel in der ersten Szene zunächst die Bänke in einem Klassenzimmer dar und werden dann – während sich die Charaktere über ihren Plan, Lehrerin Frau Müller loszuwerden, unterhalten – zu einer Wandtafel zusammengefügt, auf die Christine Walser als Mutter Jessica Höfel prompt den Satz «Frau Müller muss weg» krakelt.

«Ich mag es, Inhalte auch bildlich darzustellen», sagt Regisseurin Delia C. Keller. «Die Idee ist es, der Atmosphäre durch die Veränderung der Darstellung einen zusätzlichen Ausdruck zu verleihen und Raum dafür zu schaffen.»

In jeder Szene verändert sich das Bühnenbild mindestens ein Mal. Der laufende Bühnenbau war natürlich eine zusätzliche Herausforderung für die Schauspieler. «Die Bewegungen und die zeitlichen Abläufe müssen genau passen», sagt Keller. Gleichzeitig darf die schauspielerische Leistung darunter nicht leiden.

Seit Monaten üben die Schauspieler die Komödie des deutschen Autors Lutz Hübner nun ein. Im abstrakten Bühnenbild werden auch vom Ensemble erarbeitete Szenen eingebaut und mit dem Originaltext zu einer Collage zusammengesetzt. Vergangene Woche stand eine «Intensivwoche» an mit mehreren Proben. «Es geht jetzt an den Feinschliff», sagt Keller.

Rollenwechsel im Stück: Lehrer spielen Eltern

Speziell ist dabei die Ausgangslage mit der Wahl des Stücks. Die Schauspieler schlüpfen dafür nicht nur in einen anderen Charakter. Das Ganze ist für sie auch eine Art Rollenwechsel. Schliesslich ist ein Grossteil der Darsteller selber als Lehrperson tätig oder hat eine pädagogische Ausbildung. Die Schauspieler wissen also, wie der Schulalltag aussieht – und welche Herausforderungen er mit sich bringt. Im Stück aber spielen sie eine Gruppe von Eltern, die sich gemeinsam gegen eine Lehrerin stellen.

«Die Ausgangslage ist spannend», sagt Keller. Immer wieder habe es während der Vorbereitung Diskussionen gegeben. «Manchmal hörte ich: ‹Nein, das darfst du nicht streichen. Das passiert in der Realität genau so!›», erzählt die Regisseurin mit einem Lachen. Die Interpretation des Stücks sei davon sicherlich beeinflusst worden. Es hat zu einer gewissen Ernsthaftigkeit geführt – ohne, dass das Stück seinen Witz verloren hätte.»