Wissbegierigen Kindern stellt sich die Frage: «Warum ist auf einer Signaltafel genau das aufgemalt, wovor uns Eltern und Polizei eindringlich warnen?» Denn zum Beispiel im Bereich einer Baustelle in Frick steht ein Vorschriftssignal, das auf blauem Grund einen weissen Mann mit Hut zeigt, der ein kleines Mädchen an der Hand führt. Eine aufgeweckte Fricker 2.-Klässlerin entdeckte dies natürlich und meinte zu ihrer Mutter: «Mami, du sagst immer zu mir, dass ich nie mit einem fremden Mann mitgehen darf. Aber schau mal, dieses Mädchen da auf dem Signal – es geht ja auch mit.»

Für einen Moment war die junge Mutter etwas irritiert, erklärte dann aber ihrem aufmerksamen Töchterchen: «Das ist nur eine Signaltafel, die uns zeigt, wo wir durchgehen müssen. Das hat sonst gar nichts zu bedeuten.»

Vater oder Grossvater?

Hat es im Grunde genommen auch nicht, denn laut Signalverordnung verpflichtet das Vorschriftssignal 2.61 «Fussweg» die Fussgänger einzig dazu, den für sie gekennzeichneten Weg zu benützen. Für nicht wenige Eltern steht dieses Signal allerdings in gewissem Sinne im Widerspruch zu den Warnungen von Eltern und Polizei: «Es bleibt daher zu hoffen, dass dieses Signal, wo immer es auch aufgestellt wird, nicht dazu animiert, vom rechten Weg abzukommen», hielt eine Psychologin aus der Region, die anonym bleiben will, gegenüber der az Aargauer Zeitung fest. Für sie ist klar: «Der Mann auf der Signaltafel kann ja auch den Vater oder gar den Grossvater des Mädchens darstellen.»

Ein beruflich ständig mit Verkehrssignalen konfrontierter Familienvater sieht es so: «Von diesem Signal nun etwas negatives ableiten zu wollen, ist völlig falsch. Sonst könnte man beispielsweise das im gleichen Bereich stehende Signal, das einen schaufelnden Bauarbeiter zeigt, so interpretieren, dass dort schwarz gearbeitet wird.»

Im Schulpsychologischen Dienst von Frick lieferte das Signal bisher jedenfalls noch keinen Anlass zu einer Thematisierung: «Es gehört zum Strassenbild, und die Kinder lernen ja im polizeilichen Verkehrsunterricht, es auch richtig zu interpretieren. Von diesem Signal nun ableiten zu wollen, dass es Kinder zum Mitgehen mit unbekannten Männern animiert, ist unseres Erachtens doch etwas zu weit her geholt.»

Bald geschlechtsneutral?

Wer übrigens den umfangreichen Katalog der Schweizer Strassensignale etwas genauer unter die Lupe nimmt, dem fällt auf, dass weit mehr männliche Figuren die Signale zieren als weibliche. Diese Tatsache hat wohl auch dazu geführt, dass die Logos künftig geschlechtsneutraler gestaltet werden sollen. Bleibt nur die Frage, was denn – wenn überhaupt erforderlich – anstelle des weissen Mannes mit Hut auf das Signal 2.61 gemalt werden müsste und durch welche Figuren alle übrigen Signalmännchen ersetzt werden sollten.