Ganz am Ende, da wiederholte der LKW-Chauffeur noch einmal den Satz, den er schon zuvor mehrmals gesagt hatte, nun mit Nachdruck: «Ich habe keinen Spurwechsel vollzogen.» Der 58-jährige Deutsche musste sich am Mittwoch vor dem Rheinfelder Bezirksgericht verantworten, weil er im November 2016 in einen Unfall verwickelt war. Der Strafbefehl lautete unter anderem auf fahrlässige Körperverletzung und mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer.

Der Chauffeur fuhr damals mit seinem LKW auf der A3 von Zürich kommend in Richtung des Rheinfelder Autobahnzolls. Kurz vor der Grenze kam es zum Zusammenstoss mit einem Auto, das von Basel kommend ebenfalls in Richtung Zoll fuhr. Das Auto wurde durch den Aufprall vor den LKW geschleudert. Die Beifahrerin erlitt ein Schleudertrauma und war während mehreren Wochen teilweise krankgeschrieben.

Aussage gegen Aussage

So weit, so klar der Sachverhalt. Wie es aber genau zum Unfall gekommen war, da gingen die Meinungen im Gerichtssaal weit auseinander. Die Frau, eine in der Schweiz wohnhafte Deutsche, schilderte, wie der LKW neben dem Auto ihres Mannes plötzlich den Blinker gestellt und zum Spurwechsel angesetzt habe. «Ich dachte noch: ‹Was macht der LKW jetzt?› – da hat es schon geknallt», so die 55-Jährige. Dann habe sie die Leitplanke vor sich gesehen und gemerkt, wie der LKW das Auto vor sich her schob.

Die Version des Chauffeurs hingegen klang anders. «Ich bestreite nicht, dass ich die Spur wechseln wollte», sagte er. Er habe einen Rundumblick gemacht und die Seitenspiegel geprüft, dann den Blinker gesetzt, weil kein Auto zu sehen gewesen sei. Aber: «Zur Ausführung des Spurwechsels ist es nicht gekommen.» Vielmehr habe es schon «gerumpelt», bevor er auf die andere Spur habe einbiegen können. «Ich kann mir nicht erklären, wie es zur Kollision kam.»

Chauffeur widerspricht der Polizei

Allerdings hatte die Kantonspolizei im Unfallprotokoll eine andere Aussage des Beschuldigten festgehalten. «Ich wechselte auf die mittlere Spur und es krachte», soll er bei der Befragung gesagt haben. «Ich habe die Beamten mehrmals darauf hingewiesen, dass ich es nicht so gesagt habe, wie sie es geschrieben haben», so der Fahrer. Unterschrieben habe er das Protokoll nur, weil ihm eine Beamtin gesagt habe, die Unterschrift diene dazu, dass niemand das Protokoll nachträglich ergänzen könne.

Sein Verteidiger räumte ein, dass es sich bei der Aussage aus dem Protokoll um ein Indiz für die Schuld seines Klienten handle, betonte aber gleichzeitig: «Es ist eines von vielen Indizien, die es zu berücksichtigen gilt.» Er verwies auf Videoaufnahmen zweier Überwachungskameras im Bereich des Zollgebäudes. Die zwei Videos liefern zwar keine eindeutigen Hinweise auf den Unfallhergang. «Es ist aber deutlich zu erkennen, dass der LKW seine Spur nicht verlassen hat», so der Verteidiger. Das sei ein Hinweis, dass der Chauffeur die Wahrheit sage.

Das Gericht wird die Videoaufnahmen und Screenshots davon prüfen und das Urteil schriftlich verkünden.