Die Zukunft des Oberstufenstandorts Wegenstetten ist ungewisser denn je. An ihrer Gemeindeversammlung vergangene Woche bewilligten die Möhliner Stimmberechtigten die Kündigung des Schulkreisvertrags Möhlintal. Der Vertrag schreibt vor, dass Möhlin Sekundarschüler nach Wegenstetten schickt, damit dort die Mindestanforderung von sechs Abteilungen erfüllt werden kann (die az berichtete).

Ab dem Schuljahr 2019/20 könnte damit Schluss sein, auch wenn das in Möhlin derzeit niemand so deutlich sagt. Vielmehr spricht man von einer Auslegeordnung: «Wir wollen uns von den Fesseln des Vertrages befreien, um alle Lösungen anschauen zu können. Wir streben weiterhin eine Zusammenarbeit mit den Talgemeinden an», sagte Gemeinderätin Bernadette Kern an der Versammlung.

Unterschiedliche Vorstellungen

Die Art der Zusammenarbeit ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht definiert. Eine Arbeitsgruppe befasst sich derzeit damit. Klar ist aber, dass die Vorstellungen in Möhlin und im Tal – vor allem in Wegenstetten – weit auseinandergehen. In Möhlin geht das Wunschszenario in Richtung eines Standorts, möglicherweise mit einem Aussenstandort in Wegenstetten. «Beide Varianten werden nun in einer Machbarkeitsstudie geprüft», sagt Ammann Fredy Böni.

In Wegenstetten hingegen wünschen sich Schulpflege und Gemeinderat, dass der eigenständige Standort – allenfalls mit Möhliner Unterstützung – erhalten bleibt. «Unser Schulleiter ist in die Arbeitsgruppe involviert und wird dieses Interesse vertreten», sagt Gemeindeammann Willi Schmid.

Ein offenes Geheimnis ist inzwischen, dass sich Wegenstetten gar eine komplette Loslösung von Möhlin überlegt. «Sollte Möhlin nicht mehr mit uns zusammenarbeiten wollen, müssen wir uns schon fragen, ob wir unsere Schüler nach Möhlin schicken oder Möhlin die Räumlichkeiten für einen Aussenstandort anbieten werden», bestätigt Schmid. Eine mögliche Alternative sehen die Wegenstetter in der Kreisschule in Rheinfelden.

Schulleiter zeigt sich irritiert

Der Möhliner Schulleiter Alexander Zürcher hat dafür kein Verständnis: «Das würde für den Standort Wegenstetten nichts ändern – er wird sich schlicht und einfach nicht halten können.» Ausserdem gibt er zu bedenken: «Für eine Stärkung der Gemeindestrukturen im Unteren Fricktal wäre es von Vorteil, wenn Wegenstetten bei Möhlin bleibt. Dies würde auch in geografischer und räumlicher Hinsicht Sinn machen.»

Der Standort Möhlin allerdings käme ohne die Schüler aus dem Tal aus. Und: Die Schulraumprobleme, die Möhlin hat, würden zumindest entschärft, wenn die rund 100 Schüler nach Rheinfelden gingen. Trotzdem betont Fredy Böni: «Die Eigenständigkeit wäre für den Oberstufenstandort Möhlin zwar möglich. Aber wir wollen das nicht ausnutzen.» Deshalb gelte es in den kommenden Wochen und Monaten, möglichst einen gemeinsamen Weg mit den Talgemeinden zu finden.