«Im Zentrum des Köhlerfestes steht die Pflege und die Erhaltung eines alten Handwerkes», so André Schraner gestern Montag auf dem Kohlplatz oberhalb des Mettauertaler Ortsteiles Wil. Es brauche aber zum Gelingen und insbesondere der Finanzierung des Festes ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Und dieses garantiert neben dem Erleben einer Liveköhlerei während vier Wochen viel spannende, informative und gesellige Unterhaltung.

«All das gehört zum guten Geist einer Köhlerei», so André Schraner. Er freut sich, dass das Feuer und die Glut für das alte Kohlehandwerk im Mettauertal schon seit 30 Jahren glüht. Weiterhin glühen wird. Noch nicht bereit zum Glühen ist der Wiler Kohlemeiler. Damit dieser am 5. September angezündet werden kann, müssen die bereitgestellten 100 Ster Buchenholz erst einmal fachmännisch aufgeschichtet werden. Bevor die Entlebucher Köhlerin Doris Wicki am Montag, von Helfern unterstützt damit begann, forderte sie alle Anwesenden zum dreifachen Köhlerruf «Guet Brand» auf. Dem kam das zehnköpfige OK ebenso gerne nach, wie die anwesenden Gäste.

24 Stunden, vier Wochen lang

Rund um die Uhr, vier Wochen lang, betreut Doris Wick den Kohlemeiler. Dafür hat sie aber nicht etwa ihre Zelte neben dem Meiler aufschlagen müssen. Sie wohnt in einem massiven, extra für die Köhlerei errichteten, sechs auf sechs Meter grossen Blockhaus. Natürlich ist auch das Bett sowie der grosse Tisch mit den Elefantenfüssen (Baumstämme, die an ihrem Wurzelstock eine Wucherung aufweisen) aus Holz gezimmert worden. In dem kleinen Nebenraum «wird das Bergwerk Herznach eine Ausstellung zeigen», so Doris Wicki.

«Würde ich gerne», lacht sie auf die Frage, ob sie nach Beendigung der Köhlerei die Blockhütte denn mitnehme. Das temporär aufgestellte Holzhaus ist nicht beheizt. Frieren muss Doris Wicki trotzdem nicht. Zum einen weiss sie aus Erfahrung, was es an entsprechender Kleidung braucht und vor allem wird sie durch das stete Kontrollieren und Arbeiten am Meiler eher ins Schwitzen als zum Frieren kommen. Unterstützung bei ihrem Rund-um-dieUhr-Einsatz erhält sie von den Hilfsköhlern Guido Zumsteg und Heidi Moy. Mit Letzterer macht Doris Wicky bereits das vierte gemeinsame Köhlerprojekt.

Die Köhlerei im Mettauertaler Ortsteil Wil im alten Steinbruch wird unter anderem von einem Fernsehteam begleitet. «Der Schweizer Waldwirtschaftsverband dreht hier einen Lehrfilm. Dieser kommt nächstes Jahr heraus», so André Schraner. Ein weiteres Filmteam wird den Dokumentarfilm «Köhler Nächte» drehen, der dann im Kino gezeigt werden soll.

Köhlerei-Lehrgang

«Wir werden alle älter. Wir möchten, dass das Köhlerei-Handwerk weiter getragen wird und haben deshalb in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Waldwirtschaftsverband den Aufruf zu einem Lehrgang während der aktuellen Wiler Köhlerei gemacht. Noemi Auer aus Fribourg hat sich darauf gemeldet», so André Schraner und meinte dann zuversichtlich: «Sie wird vielleicht die neue Botschafterin und gibt als solche das Feuer der Köhlerei weiter.»

Der Kohlemeiler, die Blockhütte, ein schön gestalteter Lehrpfad zu den heimischen Gewächsen, ein Informationsplatz mit Miniaturmodellen eines Kohlemeilers in seinen verschiedenen Stadien und vieles mehr machen den alten Steinbruch oberhalb von Wil zu einem abwechslungsreichen Festplatz und damit auch zu einem spannenden Ausflugsziel. Der Weg ist ab Ortsteil Etzgen gut ausgeschildert, Parklätze beim Festgelände sind vorhanden. Die begehrte Mettauertaler Kohle wird ab November abholbereit sein, «Bestellungen können aber bereits ab jetzt aufgegeben werden», so André Schraner.